Abschlussprüfung für 100 Handwerker

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Prien - Kurz vor 18 Uhr an der Franziska-Hager-Schule: Von außen wirkt alles ruhig, wie es um diese Uhrzeit und noch dazu in den großen Ferien zu erwarten ist. Aber...

...wer seinen Fuß über die Schwelle der neuen Eingangstür setzt und die Aula betritt, der findet sich plötzlich mitten in einer Großbaustelle wieder. Handwerker sitzen mit Pinseln auf fahrbaren Gerüsten, andere bohren Löcher in die neue Decke - Endspurt bei der Generalsanierung der Schule, Überstunden für manche der bis zu 100 Arbeiter, die sich jetzt Woche für Woche dort tummeln.

Abschlussprüfung für 100 Handwerker

Eigentlich ist es "nur" der achte und letzte Bauabschnitt seit November 2009. Siebenmal ist Planern und Handwerkern eine Punktlandung auf den Tag genau geglückt. Aber das "Finale" stellt alle Beteiligten vor besondere Herausforderungen, weil manche Arbeiten erst jetzt erledigt werden können, wenn der Schulbetrieb längere Zeit ruht, weil die Umwandlung der Haupt- in eine Mittelschule zusätzliche Maßnahmen erfordert und weil nicht zuletzt der Auszug des Förderzentrums ins ehemalige Goethe-Institut (GI, wir berichteten) für den Nordtrakt kurzfristig völlig neue Voraussetzungen ergeben hat.

Als sich im Juli abzeichnete, dass der Landkreis für sein Förderzentrum das GI vom Markt Prien kauft, mussten Architekt Bernd Püschel, Bauleiter Hansmartin Jahn und einige der fast 30 am Bau beteiligten Firmen ihre Pläne für den Nordtrakt über den Haufen werfen.

Förderschul-Auszug: Kurzfristig umgeplant

Bis dahin deutete alles darauf hin, als könnten sie ihr Soll von insgesamt 9,5 Millionen Euro - die eine Hälfte zahlt der Hauptschulverband, die andere Bund und Land über Zuschüsse - um fünf Prozent unterschreiten. Spätestens, als Landrat Josef Neiderhell und Bürgermeister Jürgen Seifert am 10. August das Immbobiliengeschäft per Unterschrift besiegelten, war klar, dass zumindest ein Großteil des eingesparten Geldes doch noch gebraucht wird. Andererseits sparen sich Prien und der Schulverband laut Seifert etwa 3,5 Millionen Euro, die für einen Anbau aus Platzgründen zwingend notwendig geworden wären. Und mangels Alternativen einen Teil des Pausenhofs dafür zu opfern, wollte auch niemand.

Die Hauptschule wird eine von zwei Modellschulen im Landkreis für die neue Mittelschule. Das bedeutet vor allem: mehr Mittagesbetreuung, mehr Ganztagsklassen - und mehr Lehrer. In der baulichen Konsequenz wurde nun unter anderem das Lehrerzimmer vergrößert, indem eine Zwischenwand herausgerissen wurde. Die Lehrertoiletten wurden an anderer Stelle größer gebaut, auch dafür mussten Wände weichen und Leitungen verlegt werden. Aus dem bisherigen Bistro, das bis zum Schuljahresende unangetastet bleiben musste, wird nun eine große Küche mit angrenzenden Lagerräumen, für die wiederum Schüler-WCs verlegt werden mussten. Essen werden die Kinder und Jugendlichen künftig auf der anderen Gangseite in zwei bisherigen Klassenzimmern, die für die neue Nutzung umgestaltet werden.

Jetzt wird das große Bänke- und Stühlerücken auch auf den bisherigen Förderschul-Trakt ausgedehnt. Weil diese konzeptionell pro Klasse je zwei kleinere Räume nebeneinander hatte, die Hauptschule aber größere braucht, mussten auf zwei Etagen zahlreiche Wände raus - neben der Erneuerung von Decken und Böden sowie dem Einbau der Belüftungsgeräte, die ohnehin vorgesehen waren. So entstehen acht große Klassen- und Fachräume auf drei Ebenen.

Die kurzfristige Umplanung erschwerte, dass manche beteiligte Firma schon Anschlussaufträge terminiert oder Betriebsurlaub geplant hatte. Andere haben - dank der angesprungenen Konjuntur - volle Auftragsbücher und deshalb Schwierigkeiten, benötigte Materialien zu liefern, die nun kurzfristig gebraucht werden.

Trotz aller Hemmnisse glaubt Architekt Püschel, dass der weit überwiegende Teil der Arbeiten bis zum Schuljahresbeginn am 14. September beendet sein wird. Um das zu erreichen, arbeitet er auch mit Tricks. Für die Glasscheiben der neuen Treppengeländer hat er zum Beispiel Dutzende passgenaue Holzschablonen anfertigen lassen, damit die bunten Scheiben millimetergenau vorgefertigt werden können.

Künftig mehr Licht in der Aula

Seit Ferienbeginn ist unter anderem auch eine neue Kuppel in der Aula verglast worden, eine neue Decke dort eingezogen worden, die bessere Akustik garantiert, neue, runde Lampen sind daran montiert worden, die mehr Helligkeit schaffen sollen. Am Rand der Aula wurde über vier Geschosse das Gerüst für einen Aufzug eingebaut, der Lift selbst soll in den nächsten Tagen geliefert werden.

Er soll die Barrierefreiheit der Schule ebenso garantieren wie ein langgezogener flacher Aufgang aus Steinplatten zu den neuen, gelben Türen am Haupteingang, über dem in der gleichen Farbe nun "Franziska-Hager-Schulen" steht. Ein Teil der kleinen Pflastersteine auf dem Vorplatz ist herausgerissen. Auch er wird nach den Plänen der Eggstätter Landschaftsarchitektin Maria Weig umgestaltet.

Angesichts der vielen kleinen auf der Großbaustelle, der Kurzfristigkeit der Umplanung und der Terminschwierigkeiten mit einzelnen Firmen glaubt Püschel, dass im Förderschultrakt nicht alle Arbeiten bis zum 14. September beendet werden können. Und dann ist da noch die Turnhalle. Duschen und Umkleiden sind fertig, aber die neuen, automatisch zu öffnenden und zu schließenden Oberlichten werden erst im Oktober geliefert und dann eingebaut. Das wird die Mittelschüler aber nicht am Sportunterricht hindern.

Chiemgau-Zeitung

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