Abschuss künftig auch vom Boot aus

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In Zukunft soll der Kormoran am Chiemsee auch vom Boot aus abgeschossen werden dürfen.

Chiemsee - Die Berufsfischer am Chiemsee erhalten erweiterte Möglichkeiten, den Kormoran abzuschießen. In Zukunft soll der Abschuss auch vom Boot aus erlaubt sein.

Gegenüber der Chiemgau-Zeitung hat Christoph Broda von der Regierung von Oberbayern gestern angekündigt, ihnen "in Kürze" zu erlauben, die Vögel nicht nur wie bislang nur vom Ufer, sondern künftig auch auf dem Wasser vom Boot aus zu erlegen. Im Gegenzug müssen die Berufsfischer laut dem Leitenden Regierungsdirektor die Ruhezonen und das dortige Abschussverbot weiter beachten.

Zum heiß diskutierten "Problem Kormoran" hat die Regierung von Oberbayern im großen Saal des Landratsamtes Traunstein am Dienstag ein Arbeitsgespräch zwischen Berufs- und Angelfischern, Jagdverbänden sowie Vogelschützern und anderen Naturschutzbehörden und -organisationen veranstaltet. Um eine rein sachliche Gesprächsatmosphäre zu schaffen, war jegliche Öffentlichkeit laut Broda ausgeschlossen. Der Leitende Regierungsdirektor vom Sachgebiet Naturschutz in der Regierung von Oberbayern - er leitete das Gespräch - informierte jedoch im Anschluss an die Diskussionsrunde die Medien.

Broda sprach von einer "ausgesprochen konstruktiven Atmosphäre". Keine Seite habe "Fundamentalpositionen" vertreten. Im Vergleich zum Ammer- und zum Starnberger See sei die Situation am Chiemsee bereits um vieles weiter positiv gediehen. Denn am Bayerischen Meer hätten die Berufsfischer bereits die Ruhezonen akzeptiert. Es gebe keine Diskussionen mehr darüber, wie abgegrenzt werden müsse. Bei den anderen bayerischen Seen sei man erst mitten in dieser Diskussion.

Ein Ergebnis des Gespräches war gemäß Broda, dass die Regierung den Berufsfischern bessere Abschussmöglichkeiten ermöglichen werde. Sie erlaube ihnen jetzt auch einen "Abschuss am Netz": Sie dürfen laut Broda künftig Jagd auf die Kormorane machen, die sich an einem Fischernetz oder einer Boje aufhalten und dort Ausschau nach bereits gefangenen Fische halten. Als Ausnahmen nannte Broda die Brutzeit und die Ruhezonen.

Der Abschuss am Netz sei bereits am Ammersee erlaubt, so Broda weiter. Nach dem Gespräch in Traunstein werde er jetzt auch eine Genehmigung für die Berufsfischer am Chiemsee vorbereiten. Sie werde mit der Veröffentlichung eines Bescheides oder einer "Allgemeinverfügung" im Amtsblatt der Regierung von Oberbayern "in Kürze" in Kraft treten.

Damit der geschützte Kormoran abgeschossen werden darf, ist einerseits eine "artenschutzrechtliche Genehmigung" und gleichzeitig die Schießerlaubnis durch die Untere Sicherheitsbehörde im Landratsamt notwendig. Damit andere Vögel durch die Schüsse nicht verschreckt werden, müssen gleichzeitig die bereits ausgewiesenen Ruhezonen laut dem Leitenden Regierungsdirketor so beibehalten werden, dass sich die Vögel in die geschützten Bereiche zurückziehen können.

Bisher durften Kormorane am Chiemsee nur vom Land aus geschossen werden. Künftig können Berufsfischer - sie sind immer auch ausgebildete Jäger - sie auch aus Booten erlegen. Für so eine Jagd auf Vögel, die sich an Fischernetzen aufhalten, müsse es grundsätzlich "höhere Gründe" geben, die eine Ausnahme zulassen, so Broda. So ein Grund seien zum Beispiel die "erheblichen fischereiwirtschaftlichen Schäden", die der Kormoran anrichte. So würden durch die Vögel nicht nur die Fische gefangen, sondern oft die Netze durch große Löcher zerstört.

Wie der Gesprächsleiter berichtete, hatten die Naturschutzverbände bei dem Gespräch deutlich gemacht, dass keine "Ausrottungsstrategie" gefahren werden dürfe. Sie hätten jedoch nichts grundsätzlich gegen Ausnahmeregelungen einzuwenden. Den Angelfischern sei es besonders um den Schutz der seltenen Fischarten gegangen. Auch der Landesfischereiverband, vertreten durch seinen Vorsitzenden, habe sich für eine "Balance der Interessen" ausgesprochen, sagte Broda.

Diskutiert wurden auch die bereits vorhandenen Einzelgenehmigungen für Fischer und Kormoranjäger an der Alz. Geschützt werden sollen vor allem bedrohte Fischarten wie Perlfisch, Mairenke und Äsche. Der Perlfisch zum Beispiel sei in der Alz bereits ausgestorben gewesen, so Broda, jedoch vor Jahren aus dem österreichischen Mondsee wieder in die Alz "eingesetzt, gehegt und gepflegt" worden, so dass es heute bereits wieder laichreife Alttiere gebe, die zum Laichen in die Obere Alz zögen. Um diesen Laichzug nicht zu stören, dürfe der Kormoran zum Beispiel hier abgeschossen werden, erklärte Broda.

Tiroler Ache im Brennpunkt

Der Moderator berichtete, dass die Regierung keine "runden Tische" für ganz Oberbayern mehr organisiere. Vielmehr "gehen wir raus an die prioritären Gewässer" und diskutieren vor Ort mit den zuständigen Behörden und den Betroffenen über die artenschutzrechtlichen Ausnahmen. Ein zweites Gespräch folgt am 28. April. Nach dem Chiemsee kommt dann laut Broda die gesamte Tiroler Ache einschließlich ihrer Mündung in das Bayerische Meer zur Sprache.

gi/pü/Chiemgau-Zeitung

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