Benzin auf Tankstelle ausgelaufen - Geldstrafe für 50-Jährigen

Absperrung versäumt

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Rosenheim/Prien - Vor Gericht stand jetzt ein Tankzug-Fahrer, der es nach einem Sprit-Unfall versäumt hatte, sogleich das komplette Tankstellen-Gelände sperren zu lassen:

Mitte Mai 2011 hatte der 50-jährige Lkw-Fahrer mit seinem Tankzug Benzin angeliefert. 36.000 Liter sollten in den unterirdischen Tank fließen. Jedoch löste sich gleich am Anfang der Einfüllschlauch, so dass dann 400 bis 500 Liter Superbenzin ausliefen. Zwar rann der Großteil der gefährlichen Flüssigkeit in den Schacht, aber eine erhebliche Menge verblieb auf der Betonplatte um die Tanksäulen. Das Amtsgericht Rosenheim erließ einen Strafbefehl wegen fahrlässigen Umgangs mit gefährlichen Stoffen. Gegen ihn legte der 50-Jährige Einspruch ein.

Vor dem Amtsgericht Rosenheim erklärte er nun, er habe diesen Unfall nicht zu verantworten, weil der Tankvorgang computergesteuert sei. Wenn er beim Anschließen des Tankschlauches einen Fehler begangen hätte, dann hätte der Computer den Tankvorgang gar nicht zulassen dürfen. Es müsse sich bei dem Defekt zwingend um einen technischen Fehler gehandelt haben, für den er nicht verantwortlich zu machen sei.

Richterin Jacqueline Aßbichler stimmte ihm in so weit zu, machte ihn aber darauf aufmerksam, dass er es unterlassen habe, die Tankstelle umgehend abzusperren. Das Gericht führte die Aufzeichnungen der Videokameras vor, auf denen zu erkennen war, dass ein Motorradfahrer nach dem Sprit-Unfall sein Zweirad betankte - mitten in einer Benzinlache stehend. Unterdessen versuchte der Angeklagte mittels einer Gießkanne voll Wasser, den übergelaufenen Teil des Benzines in den Ölabscheider der Tankstelle zu befördern, dessen Einlauf jedoch verstopft war.

"Die sofortige, völlige Absperrung der Tankstelle wäre die einzig richtige Maßnahme gewesen", sagte die Richterin zum Lkw-Fahrer. "Ihre Versuche, den Sprit zu beseitigen, hätten Sie erst danach tätigen sollen. Das haben Sie in Ihrer Ausbildung zum Gefahrgut-Transporteur gelernt."

Der Kraftfahrer wollte lange nicht einsehen, dass er anders hätte handeln sollen. Die Richterin wies ihn darauf hin, dass sie dann ein beweiskräftiges Gutachten erstellen lassen müsse. Aus derzeitiger Sicht könne sie jedoch die Möglichkeit eines Freispruches nicht erkennen. In diesem Falle aber würden dann die enormen Kosten eines solchen Gutachtens an ihm hängen bleiben.

Nach Rücksprache mit seinem Verteidiger nahm er den Einspruch grundsätzlich gegen den Strafbefehl zurück und beschränkte ihn auf die Strafhöhe. Staatsanwaltschaft und Gericht ließen mit sich reden. Es verblieb eine Geldstrafe von 1.350 Euro, die er in Raten abstottern darf.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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