Ärger über Kormoran hält an

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Kreisfischereiverein tagte in der Rosenheimer Inntalhalle: Für 60 Jahre Mitgliedschaft wurde Erich Raab aus Raubling (links) von Vorstand Christian Wachter geehrt.

Rosenheim - Der Kormoran steht bei den Fischern im Landkreis weiter im Mittelpunkt der Diskussionen. In der Jahresversammlung des Kreisfischereivereins gab es kaum eine Rede, in der diese Vogelart keine Rolle spielte.

Lesen Sie hier den Originalbericht aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

Weiterhin steht der Kormoran bei den Fischern im Landkreis im Mittelpunkt der Diskussionen. In der gestrigen Jahresversammlung des Kreisfischereivereins in der vollbesetzten Inntalhalle in Rosenheim gab es kaum eine Rede, in der diese Vogelart keine Rolle spielte.

Natur- und Vogelschützer haben den Kormoran zum Vogel des Jahres 2010 gewählt. Diese Entscheidung stößt bei den Fischern im Landkreis auf breite Kritik. Das wurde gestern in der Jahresversammlung des Kreisfischereivereins Rosenheim deutlich. "Diese Wahl kann man nicht verstehen", kritisierte Vorstand Christian Wachter. Der Vogelschutz habe durchaus seine Berechtigung, aber "der einseitige Schutz einer gebietsfremden Art geht zu weit".

Auch Holger Ortel, Präsident des Deutschen Fischerei-Verbandes, machte seinen Ärger über den Kormoran und damit auch über die Natur- und Vogelschützer Luft: "Um Fischer und Jäger zu sein, muss man viel lernen und eine Prüfung absolvieren. Umweltschützer wird man einfach so. Darum sind wir eigentlich die wahren Umweltschützer." Fischen und Jagen könne man nicht als Hobby bezeichnen. "Diese Tätigkeiten sind Passion", schwärmte Ortel. Die Fischerei vereine Naturerlebnis, Jugendarbeit und Gewässer- und Artenschutz. Außerdem werde auch die Geselligkeit groß geschrieben.

In seiner Rede ging der Präsident auch auf den Rückgang der Aale in deutschen Gewässern ein. Schuld an dieser Entwicklung sei vor allem das Fangverhalten in Frankreich. Dort würden große Mengen an Jungfischen getötet und exportiert. Ortel forderte darum von der Europäischen Union ein Verbot dieser Art des Handels.

Bezirksrätin Eleonore Dambach beschäftigte sich in ihrer Rede ebenfalls mit den Kormoranen. "Wichtig ist, sich für eine Ausgewogenheit der Natur in ihrer ganzen Vielfalt einzusetzen", sagte sie. Natur- und Artenschutz in ihrer Gesamtheit dürfte man nicht für eine Vogelart opfern, die sich in den vergangenen Jahren wieder sehr stark vermehrt habe und dadurch mittlerweile großen Schaden anrichte.

Lob für die Fischer gab es von Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. "Dabei geht es bei weitem nicht nur ums Angeln." Besonders anerkennenswert sei die gute Jugendarbeit des Vereins.

Positive Worte für die Arbeit der Fischer fand auch Landrat Josef Neiderhell. "Der Kreisfischereiverein gehört mit seinen über 2000 Mitgliedern zu den zehn stärksten Vereinen unserer Region." Darum unterstütze der Landkreis die Fischer weiterhin gerne bei deren Arbeit.

Rund 150 junge Fischer im Alter von zehn bis 18 Jahren umfasst die Jugendgruppe des Kreisfischereivereins Rosenheim. Jugendwart Wolfgang Reishofer berichtete über zahlreiche Aktivitäten wie etwa die Durchführung des beliebten Zeltlagers. Die Jugend hilft auch mit, wenn es um die Reinhaltung der Ufer geht. "Es ist unglaublich, wie viel Müll allein an fünf Seen zusammen kommt", berichtete Arbeits- und Gerätewart Hermann Fresse.

Ein jugendlicher Fischer konnte sich über besonderes Fangglück freuen. Dem 15-jährigen Lukas Sauter aus Kolbermoor ging ein rund 80 Zentimeter langer und über zehn Kilogramm schwerer Karpfen an die Angel. "Das war mein bisher größter Fang", erzählte der Bub stolz.

Unmut äußerten einige Mitglieder über den ihrer Meinung nach zu gering ausgefallenen Fischbesatz im vergangenen Jahr. "Manche würden gerne mehr Fische fangen. Doch man kann es nicht allen recht machen - und zum Fischen gehört auch immer noch Vorstand Wachter".

Keine guten Nachrichten hatte er für alle, die sich für die Aufhebung des Nachtangelverbotes eingesetzt haben. Ein entsprechender Antrag wurde von der Fachberatung für Fischerei Oberbayern abgelehnt. Wachter bewertete diese Entscheidung generell aber nicht als unvernünftig: "Fische brauchen auch eine Ruhezeit."

Applaus bekam er bei der Bekanntgabe, dass die Höhe des Mitgliedsbeitrags in diesem Jahr gleich bleibt.

Möglich war diese Entscheidung durch die gute finanzielle Lage des Vereins, wie aus dem Kassenbericht von Margit Gintenreiter hervorging.

Zum Schluss der Versammlung standen zahlreiche Ehrungen langjähriger Mitglieder auf dem Programm. Erich Raab aus Raubling gehört dem Kreisfischereiverein schon seit 60 Jahren an, der Rosenheimer Matthias Schmidbauer seit 50 Jahren.

wu/Oberbayerisches Volksblatt

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser