Insolvenzverfahren wird eröffnet

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Das Insolvenzverfahren be der Akzenta AG kommt nur schleppend in Gang.

Neubeuern/München – Dass sich die Verfahren hinziehen, wenn es um die Neubeurer Akzenta AG geht, scheint zur Gewohnheit zu werden. Nach dem Marathon-Prozess gegen vier Ex-Vorstände kommen die Dinge auch nun, wo es um die Insolvenz geht, nur schleppend in Gang.

Doch schon jetzt zeichnet sich ab: Das Insolvenzverfahren wird eröffnet.

Mitte April meldeten die Akzenta AG und ihre Tochter Cent AG Insolvenz an. Eigentlich sollte der zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellte Münchner Rechtsanwalt Axel W. Bierbach innerhalb von vier Wochen ein Gutachten über den Zustand der schlagzeilenträchtigen Unternehmen anfertigen – so der Auftrag des Amtsgerichts Rosenheim.

Doch es wird wohl Ende Juli, bis das Papier auf dem Tisch des Insolvenzrichters liegt. „Momentan ist der Insolvenzverwalter noch intensiv mit den Unterlagen beschäftigt, die von der Akzenta offenbar zum Teil in chaotischem Zustand und unvollständig hinterlassen worden sind“, so der Priener Rechtsanwalt Dr. Jürgen Klass von der Kanzlei Dr. Klüver & Kollegen, die inzwischen über 200 Gläubiger vertritt.

In einem Gespräch informierte Bierbach mehrere Gläubiger-Anwälte über den Stand der Dinge. Der Prüfbericht lasse so lange auf sich warten, weil es schwierig sei, das Aktivvermögen der Akzenta zu erfassen. Auch über die Zahl der Gläubiger und die Höhe ihrer Forderungen könne er noch keine präzisen Angaben machen. Es stehe jedoch fest, dass das Insolvenzverfahren in jedem Fall eröffnet wird. Vermutlich kommt es nun zu einem sogenannten Masseverfahren, das sich über Jahre hinziehen kann. Bierbach rechnet mit bis zu 45.000 Forderungsanmeldungen. Eine Gläubigerversammlung soll im November stattfinden.

Während sich der Insolvenzverwalter durch die Akten kämpft, ist die Akzenta telefonisch nicht erreichbar. Bei einem Anruf in der Neubeurer Zentrale meldet sich die Firma „Zukunft für erneuerbare Energien“. Zur Akzenta könne nicht durchgestellt werden, erklärt eine Dame, der Geschäftsbetrieb laufe aber weiter.

In Neubeuern erzählt man sich, dass die zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilten Ex-Manager dort weiterhin ein und aus gehen. Grund: Die mehrjährigen Haftstrafen, die das Landgericht München II im August 2008 gegen drei ehemals führende Akzenta-Köpfe wegen banden- und gewerbsmäßigen Betrugs verhängt hatte, sind noch nicht rechtskräftig. Über die Revision der Angeklagten hat nun der Bundesgerichtshof in Karlsruhe zu entscheiden.

Die Festnahme der Ex-Manager im Rahmen einer Großrazzia in Neubeuern hatte im Mai 2006 bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Schon zuvor war das Unternehmen in die Kritik geraten, weil führende Wirtschaftsmagazine vor den umstrittenen Anlagemodellen der Akzenta warnten. Statt traumhafter Renditen (das Zehnfache des investierten Betrags in sieben Jahren) könne es für viele ein böses Erwachen geben, so Skeptiker. Trotzdem konnten Vertriebsmitarbeiter, die in der Neubeurer Firmenzentrale speziell geschult wurden, über 20.000 Kunden in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz für das Anlagemodell begeistern.

ls

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