Altes Gemäuer, neueste Technik

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Jürgen Schulz (links) zeigte den Besuchern den ehemaligen Stall. Durch dessen steinerne Säulen und das Gewölbe entsteht eine großartige Atmosphäre. Fotos dachs

Gstadt - Nicht nur viele Nachbarn waren gekommen und begeistert. Mit ganz viel Liebe zum Detail und pfiffigen Ideen nimmt das Innenleben des über 100 Jahre alten Irmengard-Hofs Gestalt an.

Am "Tag der offenen Baustelle" des geplanten Nachsorgeheims der Björn-Schulz-Stiftung in Mitterndorf bei Gstadt ließ es sich auch Hans Sigl, aus dem Fernsehen als der "Bergdoktor" bekannt, nicht nehmen und besichtigte das ehemalige Klostergut.

Auch Stiftungsgründer Jürgen Schulz begrüßte am Samstag die vielen Gäste, die in Gruppen durch das große Anwesen geführt wurden. Fotos erinnerten an zahlreichen Stellen an den berühmten "Vorher-Nachher"-Effekt und entlocktem manchem Besucher ein "Ja, Wahnsinn" oder "Das gibt's ja gar nicht". Denn was die Planer und Architekt Christian Reiser derzeit aus dem ehemaligen Klostergut machen, ist sehenswert.

Noch sieht man im Irmengard-Hof die technischen Anlagen, die noch verkleidet werden. Der Gstadter Bürgermeister Bernd Hainz war beeindruckt und erhielt bei seinem Besuch ausdrückliches Lob: "Er setzt sich wirklich sehr für uns ein", so Jürgen Schulz.

Vor gut einem Jahr wurde mit den Sanierungsarbeiten angefangen, erklärte Reiser beim Rundgang durch den ersten Bauabschnitt. Dieser umfasst den rechten Teil des Hauptgebäudes und den Stalltrakt dazwischen, denn beim Irmengard-Hof handelt es sich um einen sogenannten Dreiecks-Hof. Ist alles fertig, sollen dort 31 individuelle Zimmer auf die kleinen Gäste und ihre Eltern warten. Ziel der Stiftung sei es, krebskranken Kindern und ihren Eltern die Möglichkeit der Erholung zu bieten, führte Schulz aus. "Das ist nicht nur für die Familienangehörigen wichtig, sondern auch ganz besonders für die Geschwister. Unser Angebot richtet sich aber auch an verwaiste Geschwister oder verwaiste Eltern", schildert Schulz die unterschiedlichen schwierigen Situationen, die sich aus einer schweren oder unheilbaren Krebserkrankung ergeben können.

Den Begriff "Selbstversorger"-Haus machte Architekt Christian Reiser bei der Führung deutlich. Denn auf jeder der vier Etagen haben die Planer kleine Küchen vorgesehen, es gibt aber auch eine große Gemeinschaftsküche im ehemaligen Kuhstall. Ein riesiger Raum, den zahlreiche steinerne Säulen zieren.

Fast wie in einem Schloss, fühlten sich die Besucher beim Aufstieg über die kleine Wendeltreppe, über die die Bewohner des Hauses schon vor 100 Jahren in die oberen Stockwerke gelangten. Diese wurde bewusst stehen gelassen, auch wenn ein zweites Treppenhaus eingezogen werden musste.

"Bergdoktor" Hans Sigl (mit Stiftungsmitarbeiterin Ulrike Albrecht) ist Botschafter der Stiftung.

"Mei, ist das ein wunderschöner Raum", seufzte eine Dame bei der Führung, als sie mit Reiser und der Besuchergruppe im ersten Stock den Raum über dem ehemaligen Stall betrat. Der zukünftige Gemeinschaftsraum gibt in luftiger Höhe den Blick auf einen überwältigenden hölzernen Sichtdachstuhl frei. Ein Treppenlift verbindet den Gemeinschaftsraum im ersten Stock über eine Innentreppe mit den Räumen unter dem Dach.

Dort erwartete die Besucher nicht nur ein atmenberaubender Blick über den Chiemsee, sondern auch ein "Raum der Stille" mit ganz besonderer Atmosphäre. Im "Sternenzimmer", ebenfalls unter dem Dach, sollen die Kinder in der Zukunft mit Teleskopen die Sterne durch große Dachflächenfenster beobachten können. Auch ein "Bällebad", eine Kletterwand und Werkzimmer sollen die Kinder von ihrer schwierigen Situation ablenken, außerdem sind eine Bibliothek, ein Fernseh- und ein Raum mit offenem Kamin geplant.

Geht es nach dem Willen der Verantwortlichen, soll der erste Bauabschnitt bis zum 23. Juli fertig sein. Und dann steht laut Schulz schon das nächste Großereignis an: "Am 6. August machen wir ein Sommerfest!"

Alexandra Dachs (Oberbayerisches Volksblatt)

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