Ambulante Pflege auf hohem Niveau

Prien - Viele ältere Menschen wollen ihren Lebensabend in den eigenen vier Wänden verbringen, auch wenn sie gesundheitlich auf Hilfe angewiesen sind.

Die bieten ambulante Pflegedienste wie die Ökumenische Sozialstation Prien.

Der gemeinsame Dienst von Caritas und Diakonie dürfte zu den wenigen seiner Art in der Region gehören, die sich jetzt schon zum vierten Mal die Qualität seiner Arbeit von unabhängigen Gutachtern in einem Zertifikat bestätigen ließen.

"Die Ökumenische Sozialstation hat in einem umfassenden Prüfverfahren der RAL Gütegemeinschaft Qualitätsgeprüfter Pflegedienste e. V. nachgewiesen, dass sich die vom Pflegepersonal erbrachten Pflegeleistungen auf einem sehr hohen Niveau befinden." So steht es im Zertifikat, das dem Betrieb der Wohlfahrtsverbände der beiden großen Kirchen zum vierten Mal seit 2001 verliehen wurde - mit einer Eins vor dem Komma.

Vorausgegangen war ein aufwändiges Verfahren, bei dem die Gutachter nicht nur umfangreiches Aktenstudium betrieben und Pflegeprotokolle studierten, sondern den Mitarbeiterinnen bei der Arbeit vor Ort bei Pflegebedürftigen mit unterschiedlichsten Anforderungen genau auf die Finger sahen.

Die beiden Pflegedienstleiterinnen Susanna Da Rugna (links) und Barbara Berkmüller-Hofmann freuen sich über die erneute Bestätigung der Qualität ihrer Arbeit.

Wenige Wochen später durchlief die Sozialstation ein ähnlich strenges Kontrollverfahren des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK). Und auch dort bekam der ambulante Pflegedienst mit einer 1,4 eine sehr gute Note, freute sich Jürgen Schuster, Vorstand des Priener Diakonievereins, im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Der MDK ist eine Art Kontrollorgan der Krankenkassen und unter anderem maßgeblich für die Bewilligung von Pflegestufen, die wiederum Grundlage für die Gewährung finanzieller Unterstützung sind.

Weil diese Bewilligungsverfahren oft zeitaufwändig sind, muss der Pflegedienst in Vorleistung treten, bis Gelder rückwirkend genehmigt werden. In der Regel geht es um ein bis zwei Monate, berichtet Barbara Berkmüller-Hofmann. Sie leitet gemeinsam mit Susanna Da Rugna den Pflegedienst der Priener Sozialstation, dessen Aktionsradius bis Eggstätt und Frasdorf reicht. Einen "bürokratischen Ballon ohne Vergütung" nennt Berkmüller-Hofmann die Zeitspanne, in der ein Patient schon gepflegt, aber MDK und zuständige Kasse die Übernahme von Kosten noch nicht bewilligt haben.

Dass die Vorauskasse nicht zum Problem wird und die Station auf Kosten sitzen bleibt, weil der MDK den Einzelfall anders einschätzt, liegt wohl an der Erfahrung des Personals. 20 Mitarbeiterinnen, laut Berkmüller-Hofmann allesamt examinierte Pflegekräfte, betreuen rund 100 Patienten. Fluktuation gibt es so gut wie gar nicht, alle Schwestern können meist richtig einschätzen, wie realistisch die Einordnung in eine der drei Pflegestufen durch den MDK ist. Und wenn es doch einmal unterschiedliche Bewertungen gibt, legt die Sozialstation oft seitenlange Widersprüche gegen Bescheide ein.

Weil die kirchlichen Wohlfahrtsverbände die Einrichtung mittragen, können auch Patienten zuhause versorgt werden, obwohl sich deren Betreuung rein wirtschaftlich betrachtet nicht rechnen würde. "Wir fahren auch für eine Spritze auf die Fraueninsel", nennt Schuster ein Beispiel.

Die Pflegedienstleiterin und ihre Kolleginnen wissen diese Besonderheit durchaus zu schätzen, die ihnen auch beim Blick auf die Uhr zugute kommt. Denn heutzutage ist jeder Handgriff in der Pflege nicht nur auf den Cent genau vorgegeben, sondern auch seine Dauer in Minuten. "Der Diakonieverein lässt uns Luft, damit es auch mal etwas länger dauern kann", sagt Berkmüller-Hofmann. So bleibt neben der reinen medizinischen Hilfeleistung auch Zeit für persönliche Ansprache, die vor allem alleinstehende ältere Menschen zu schätzen wissen. "Die Schwestern sollen sich Zeit nehmen dürfen", so ein Credo der Sozialstation.

Wann die Senioren die Hilfe eines Pflegedienstes in Anspruch nehmen müssen, ist selten planbar. Oft melden sich Angehörige, wenn eine Entlassung aus dem Krankenhaus nach Hause unmittelbar bevorsteht. "In der Regel steht der Plan nach einem Tag, wir haben noch nie jemanden abgelehnt", berichtet die Pflegedienstleiterin. Natürlich können nicht immer die "Wunschzettel" in vollem Umfang erfüllt werden, weiß sie um die Zwänge. Gerade in den ersten Wochen, in denen ein Patient betreut wird, gilt es immer wieder, den Plan zu ändern. Vor allem die Zeiten, wann der Pflegedienst kommen soll, geben nicht selten Anlass zu Diskussionen. Dass sich die Schwestern dank der Rückendeckung der Wohlfahrtsverbände mitunter mehr Zeit nehmen können, als eigentlich genehmigt ist, ist der Preis dafür, dass sie mitunter auch einmal etwas später zum nächsten Patienten kommen. Deshalb werden in der Regel Zeiträume und keine exakten Zeitpunkte vereinbart.

Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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