Und die Angeklagte schweigt

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Rosenheim/Eggstätt - Der Prozess um die Eggstätter Kassenaffäre geht in die nächste Runde. Angeklagt sind die ehemalige Kassen-Verwaltungsangestellte Alexandra K. sowie der Ex-Bürgermeister Stefan Beer.

Dossier:

Eggstätter Kassenaffäre

Die Anklagen lauten auf Untreue und Unterschlagung in 19 Fällen bei einer Schadenshöhe von nahezu 35.000 Euro gegen die ehemalige Verwalterin der Gemeindekasse. Der Ex-Bürgermeister der Gemeinde wird parallel dazu der Begünstigung zu einer Straftat in dieser Sache angeklagt. Im Falle einer Verurteilung werde er unter Umständen mit dem gleichen Strafmaß bestraft wie die Kassenverwalterin, hatte Richter Heinrich Loeber beim Prozessauftakt im April deutlich gemacht (wir berichteten). Der Prozess war damals vertagt worden, weil sich unter den Zuschauern Personen befanden, die möglicherweise als Zeugen in Frage kommen könnten.

Keinen Grund für Misstrauen gehabt

Stefan Beer wurde bei der Kommunalwahl 2008 aus dem Eggstätter Rathaus rausgewählt.

Eine besondere Brisanz hat das Verfahren dadurch, dass die ehemalige Kassenangestellte als Lebensgefährtin über sieben Monate mit Beer zusammen lebte. In dieser Zeit habe er keinen unangemessen hohen Lebensstil seiner damaligen Lebensgefährtin bemerkt, sagte der Ex-Bürgermeister auf Befragung des Staatsanwaltes. Er habe deshalb keinerlei Veranlassung zu Misstrauen gehabt. Allerdings hätten die persönlichen Schwierigkeiten seiner damaligen Partnerin dazu geführt, dass im Mai 2007 die gemeinsame Lebensführung wieder aufgelöst wurde.

Die Mitangeklagte lehnte von Anfang an jegliche Aussage zur Sache ab.

Durch eine unabhängige Prüfung der Eggstätter Gemeindekasse im September 2007 hatte sich abgezeichnet, dass eine erhebliche Summe fehlte. Die Prüferin aus Haag bestätigte vor Gericht, dass sie der damalige Bürgermeister Beer dazu beauftragt hatte. Ihr sei beim ersten Besuch in den Räumlichkeiten der Gemeindekasse eine deutlich sichtbare Unordnung aufgefallen. Die jetzt Angeklagte sei ihr zwar behilflich gewesen, habe aber die Fehlbeträge auf Falschbuchungen zurück geführt. Die habe sie bei ihren Untersuchungen allerdings nicht entdeckt, so die Finanzexpertin.

Insgesamt habe sie bei ihren Recherchen einen Kassenfehlbestand von rund 30.000 Euro ermittelt und das dem Bürgermeister mitgeteilt. Der habe daraufhin das Landratsamt Rosenheim benachrichtigt.

Probleme mit der Erinnerung

Probleme mit der Erinnerung an die Vorgänge im Eggstätter Rathaus im Herbst 2007 und Anfang 2008 hatte offenbar der damalige Zweite Bürgermeister, Valentin Obermeier. Zunächst machte er deutlich, dass er "eigentlich nur noch zu Geburtstagen und Fahnenweihen geschickt wurde", in Verwaltungsvorgänge der Gemeinde Eggstätt aber nicht eingebunden war. Befragt nach den Gründen, warum er aber die Bankgeschäfte der Gemeindeverwaltung gegen Ende des Jahres 2007 an sich gezogen hatte (wir berichteten), verwies Obermeier auf "Gedächtnislücken".

Der Verteidiger der ehemaligen Kassenangestellten, Dr. Marco Frank, stellte die fachlichen Kompetenzen des damaligen Kämmerers in Frage. Die unabhängige Prüferin wies darauf hin, dass die Aufgabenbereiche der Kassenverwaltung und des Kämmerers total getrennt seien. Allerdings machte sie deutlich, dass die Fähigkeiten des damaligen Kämmerers "keinesfalls positiv zu bewerten seien". Von ihm hat sich die Gemeinde ebenfalls zwischenzeitlich getrennt.

Am Nachmittag des zweiten Verhandlungstages stellte sich heraus, dass die angeklagte Kassenleiterin wegen "großer, krankheitsbedingter Schmerzen" der Verhandlung nicht mehr in der notwendigen Weise folgen könne. Deshalb vertagte sich das Gericht auf Dienstag kommender Woche.

au/ul/Oberbayerisches Volksblatt

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