Politiker, Experten und Aschauer einigten sich auf die Notwendigkeit eines "Hauses mit Niveau"

"Ein bisschen Hotel geht nicht"

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Landrat Josef Neiderhell, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner, Moderatorin Silvia Stock, Bürgermeister Werner Weyerer und Hotelier Klaus Dieter Graf von Moltke (von links) bei der Podiumsdiskussion in der Aschauer Festhalle.

Aschau - Bei der Podiumsdiskussion waren sich viele einig: Aschau hätte es verdient, ein Sterne-Hotel zu bekommen. Zunächst müsse aber "ein Ruck durch Aschau gehen".

"Ein Premium-Hotel in Aschau müsste ein Stück Bayern darstellen, die Gäste kommen nicht hierher, um Düsseldorf, den Kudamm oder die Binnenalster zu sehen, sondern wollen angepasst an die Landschaft, die Umgebung und die Bauten wohnen", erklärte Hotelier Klaus Dieter Graf von Moltke bei der Podiumsdiskussion der CSU in der Aschauer Festhalle die Anforderungen an ein künftiges Sterne-Hotel im Priental.

"Hier ist kein Riesenklotz gefragt, der die Menschen wie in der Großstadt in Beton pfercht, sondern eine Anlage, die einen integralen Bestandteil des Ortes darstellt, einen Ort, der zum Ort dazugehört und dazu passt". Nicht die Größe sei entscheidend, sondern die Art des Bauens. Allerdings könne kein Investor und kein Hotelier auf einem kleinen Grundstück ein großzügiges Haus mit Niveau bauen. Die Rahmenbedingungen müssten stimmen und die bestimme die Politik, der Gemeinderat, der Landkreis und letztlich die Menschen die hier wohnen.

Landrat Josef Neiderhell, Landtagsabgeordneter Klaus Stöttner und Bürgermeister Werner Weyerer waren sich einig, dass "Aschau es verdient hätte, ein Sterne-Hotel zu erhalten", wie es Landrat Neiderhell formulierte. Der Landkreis Rosenheim habe einen Masterplan erstellt und vertrage nach dieser Studie bis zu 15 solcher Premiumanlagen, derzeit gebe es keine einzige! Eventuell könnten in den kommenden Jahren zwei Anlagen gebaut werden. Dies führe zu Verlusten im Tourismusgeschäft, von dem schließlich die ganze Region lebe: Es sei derzeit nicht möglich, große Tagungen in die Region zu holen, da nicht ausreichend Übernachtungsmöglichkeiten auf entsprechender Ebene zur Verfügung stünden. Kaum ein Haus der Region biete Platz genug für zwei Busse voller Tagungsteilnehmer.

Klaus Stöttner führte die Wettbewerbsverzerrungen gegenüber der Konkurrenz in Österreich ins Feld, einen kleinen Ausgleich habe in Deutschland zwar die Senkung der Mehrwertsteuer gebracht. Trotzdem hinkten die bayerischen Hoteliers ihren Tiroler Kollegen weit hinterher. In der Region müsse man dringend umdenken, weg vom bisherigen Egoismus und der Kultur des Nicht-Wollens hin zu der österreichischen Einstellung: "Geht es dem Nachbarn gut, dann geht es mir auch gut!"

Graf von Moltke wies als Hotelier mit langjähriger Berufserfahrung bei der Erstellung und Führung von Premium-Hotels darauf hin, dass es zunächst gelte, die Rahmenbedingungen und die Zielgruppen festzulegen. Wenn man in der Region wisse was man wolle und über den entsprechenden politischen Rückhalt verfüge, dann könne man auch entsprechende Investoren erwarten. "Ein Qualitätshotel und Qualitätstourismus brauchen ein entsprechendes Umfeld. Gäste mit diesem Niveau brauchen auch außerhalb des Hotels ein Angebot in ihrer Klasse, brauchen entsprechende Läden und Geschäfte im Ort und in der Region". Dort genüge der Verweis auf das nahe München, Salzburg oder Kitzbühel nicht, der Gast erwarte diese Läden in erreichbarer Nähe. Vor dem Bau gelte es seine Zielgruppe zu definieren, ein "Omnibus-Hotel" stelle auch auf hohem Niveau kein Premium-Hotel dar, ein Tagungshotel erreiche ein anderes Publikum als ein Wellness-Hotel. Ein "Fünf-Sterne-Gast" kommt nicht mehr, wenn er die Anlage mit Busausflugstouristen teilen muss. Ein Qualitäts-Hotel muss 365 Tage im Jahr gut ausgelastet sein. Man müsse die richtige Entwicklung finden und die Qualität wenn notwendig auch langsam steigern. Ein Investor lasse sich nur finden, wenn der Markt und die Finanzierung übereinstimmten. Ein unsicheres Vorhaben biete keine Chance und die Zeiten, da ein Premium-Hotel als Familienbetrieb geführt werden könne, seien längst Geschichte. Die Zeit der rentablen "Boutique-Hotels" sei längst vorbei. "Wenn Sie etwas machen wollen, dann machen Sie es ganz, ein bisschen Hotel geht nicht!"

In der lebhaften Diskussion brachte Siegfried Schmid die Stimmung im Saal schließlich auf den Punkt: "Ich befürworte ein Premium-Hotel in Aschau und sehe es als Herausforderung, nicht als Konkurrenz. Man sollte sich aber in der Gemeinde und im Gemeinderat endlich entscheiden, was man will: ein Bus-Hotel oder hochwertigen Tourismus. Kleine Hotels bringen uns nicht weiter, wir lassen ein Hotel hierher - wir alle haben nur Vorteile davon. Und dann muss ein Ruck durch Aschau und die Region gehen!"

reh/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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