Erneuerung wird heiß diskutiert

Die neue Kampenwandbahn: Magnet für noch mehr Besucherströme oder längst fällige Modernisierung?

Kampenwandbahn-Mitarbeiter in Aschau
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Die Kampenwandbahn wird rundumerneuert.

Aschau - Die Kampenwandbahn soll generalüberholt werden und künftig viel mehr Besucher transportieren. Der Plan stößt nicht nur auf Begeisterung. Im Gespräch mit rosenheim24.de berichten der Aschauer Bürgermeister Simon Frank und der Geschäftsführer der Kampenwandbahn vom aktuellen Stand.

Eine Ära geht in Aschau zu Ende. Bald kann man nicht mehr in gemütlichen Vierer-Kabinen die Kampenwandseilbahn in luftige Höhen nehmen - denn: die Bahn soll von vorne bis hinten erneuert werden.


Wo bisher 2.000 Menschen am Tag zur Bergstation fuhren, sollen die Kapazitäten schon bald auf bis zu 12.000 Personen erweitert werden. 13 statt wie bisher sieben Stützen sind dafür vorgesehen, auch die Gebäude der Kampenwandbahn GmbH sollen ausgetauscht werden, weil eine Renovierung nicht mehr möglich sei. 72 Kabinen soll die neue Bahn haben, alle behindertengerecht, jede davon mit einer Kapazität für acht Personen. Das neue Konzept soll die Wartezeiten erheblich verkürzen, berichtet die Abendzeitung.


Der Plan einer neuen Bahn findet aber nicht nur Anklang. Denn einige Gemeinderäte äußerten sich in der vorletzten Sitzung besorgt. Die neue Bahn werde nämlich vermutlich mehr Touristenströme nach Aschau und an die Kampenwand locken. Dafür sei gar nicht genug Parkraum im Tal vorhanden. Zu viele Leute am Berg - das ist für einige keine schöne Vorstellung. Der Beschluss wurde jedoch vor zwei Jahren bereits einstimmig vom Gemeinderat gefasst.

Aschauer Bürgermeister zum Neubau der Kampenwandbahn

Der Aschauer Bürgermeister Simon Frank erklärt rosenheim24.de gegenüber, wie die Gemeinde selbst zu dem Bauvorhaben steht. In der Gemeinderatssitzung habe man gar nicht über den Bauantrag abgestimmt, es sei lediglich um Abweichungen in der Architekturplanung gegenüber der Vorplanung gegangen. Diese sei 2016 bereits genehmigt worden. Auch für die Talstation habe das Landratsamt Rosenheim bereits eine Baugenehmigung erteilt. Bis zum 9. September seien Planunterlagen bei der Gemeinde eingegangen, die nun bis zum 9. Oktober zur öffentlichen Einsichtnahme ausliegen.

Der Bauherr habe in der Sitzung über den aktuellen Stand informiert, eine Beschlussfassung habe es gar nicht gegeben. Der Gemeinderat stehe aber mit einzelnen Ausnahmen dem Projekt positiv gestimmt gegenüber. „Wenn wir das Projekt von der Tektur her nicht genehmigen würden, könnte er ohne hin den alten Bauplan benutzen“, klärt Frank auf.

Einige Gemeinderäte hatten Bedenken geäußert, dass der Umbau zu viele Touristen anlocken werde. „Ich glaube nicht, dass aus Mitteldeutschland jetzt Menschenmengen anreisen, weil wir eine neue Bahn haben. Aber natürlich hat der Betreiber mit dem Neubau eine Fahrgaststeigerung von bis zu 15 Prozent angekündigt“, so Frank. Diese sei aber eher ein Mittel zur Entzerrung von Warteschlangen zu den Spitzenzeiten. Auch abends müsse man dann nicht mehr bis in die späten Stunden Gäste von der Bergstation ins Tal transportieren.

Die Gemeinde habe ohnehin nur begrenzten Einfluss auf die Entwicklung der Kampenwandbahn. Frank vergleicht das Projekt mit einem Omnisbusunternehmen. „Denen können wir ja auch nicht sagen ‚Kauf dir einen roten Bus,oder einen blauen‘“, sinniert er. Die Gemeinde sei für das Baurecht zuständig, der Rest sei die Entscheidung des Betreibers.

Er verstehe aber einzelne Stimmen, die dem ganzen mit einem weinenden Auge gegenüber stünden. „Emotional hänge ich auch an der nostalgischen Bahn. Mit der bin ich als Kind schon zum Skifahren gefahren“, erinnert er sich. Das habe aber mit den Fakten des Baurechts nichts zu tun.

Geschäftsführer der Kampenwandbahn: Neue Anlage soll für mehr Komfort sorgen.

Der Geschäftsführer der Kampenwandseilbahn GmbH Eric Zbil erklärt im Gespräch mit rosenheim24.de, dass die Kapazitätserweiterung nur ein Bestandteil der neuen Kampenwandbahn sei. Es stehe vor allem eine allgemeine Modernisierung im Vordergrund. Die Bahn sei nun schon 60 Jahre alt, er wolle nun eine Verbesserung des Komforts und eine technologische Modernisierung umsetzen.

Dass der Neubau der Bahn Unmengen an Touristen ins Land locken werde, sei Quatsch, betont Zbil. Die Bahn werde zwar von 50 auf 72 Kabinen aufgestockt, das solle aber eher dabei helfen, lange Wartezeiten zu reduzieren.

jv

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