Über 300 Euro für Kinderklinik in Aschau im Chiemgau

Friseurin versteigert ersten Termin und versprüht Optimismus: „In jeder Krise steckt eine Chance“

Heike Brembs versteigerte ersten Termin nach dem Lockdown in ihrem Friseursalon „haircare“ in Aschau im Chiemgau
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Heike Brembs bleibt in der Corona-Pandemie optimistisch. Den ersten Termin nach dem Lockdown in ihrem Friseursalon „haircare“ in Aschau im Chiemgau hat sie versteigert.

Heike Brembs darf endlich wieder zur Schere greifen – nach Wochen der Perspektivlosigkeit. Die Zeit im Lockdown hat die Friseurmeisterin kreativ genutzt und so kam ihr auch die Idee, den ersten Termin in ihrem Salon für einen guten Zweck zu versteigern. Eine Prienerin erhielt den Zuschlag und wir durften vor Ort dabei sein.  

Aschau im Chiemgau – Montag, 1. März, 6.45 Uhr: „Ich schätze, es ist überflüssig zu fragen, wann Sie zuletzt beim Friseur waren.“ Mit diesen Worten begrüßt Mitarbeiterin Simone Lindner fröhlich ihre erste Kundin nach schier endlosen Wochen im Lockdown. Tatsächlich saß Angela Müller am 13. November das letzte Mal auf dem Friseurstuhl von „haircare“, dem Salon von Heike Brembs in Aschau. Normalerweise geht sie regelmäßig alle sechs bis acht Wochen. Nun freut sie sich umso mehr auf einen frischen Schnitt.

Über 300 Euro für Aschauer Kinderklinik

Die Prienerin ist an diesem frühen Montagmorgen die erste Kundin im Salon in der Kampenwandstraße und hat ihren Termin ersteigert – für 186 Euro. Weil das Geld an einen guten Zweck geht, legte Müller noch 70 Euro drauf. Eine weitere Kundin spendete ebenfalls 50 Euro und noch eine habe Brembs zufolge angekündigt, sich an der Aktion beteiligen zu wollen. „In der Summe werden es wohl über 300 Euro für die Orthopädische Kinderklinik in Aschau“, freut sich die Inhaberin des Salons über so viel Engagement ihrer treuen Kundinnen.

Heike Brembs (links) und ihre Mitarbeiterin Simone Lindner (rechts) begrüßen mit Angela Müller aus Prien ihre erste Kundin nach dem Lockdown im Friseursalon „haircare“ in Aschau im Chiemgau.

Doch woher rührte die Idee, ihren ersten Termin nach dem Lockdown für einen guten Zweck zu versteigern? „Nachdem klar war, dass wir Friseure zum 1. März wieder öffnen dürfen, stand das Telefon nicht mehr still, der Terminkalender war im Nu voll“, erinnert sich Heike, die aus einer wahren Friseurhandwerksfamilie stammt, in der selbst die Oma mit 92 Jahren noch im Salon stand.

„Da meinte mein Freund, wenn das so weitergeht, kannst den ersten Termin ja versteigern. Das habe ich mir durch den Kopf gehen lassen und in die Tag umgesetzt. Ich wollte ein Zeichen setzen, zeigen, dass es weitergeht. Die Zeiten werden nur besser, wenn wir uns alle ein wenig zurücknehmen sowie solidarisch zu verhalten, an einem Strang ziehen und zusammenhalten.“

Mit der Versteigerung steht Heike nicht alleine da in der Region, auch andere Friseure sprangen auf diesen Zug auf und versteigerten den ersten Termin nach dem Lockdown.

Strengeres Hygienekonzept als gefordert im Salon „haircare“

Die vergangenen Wochen nutzten Heike und ihre Mitarbeiterin Simone sinnvoll, bauten den Laden um, dekorierten und gestalteten alles neu. Für jeden CO2-Ausstoß im Salon wird ein Baum gepflanzt – eines von vielen Projekten, das die 51-Jährige seit Corona ins Leben gerufen hat. Neben einem eingebauten Luftreiniger gibt es auch ein umfangreiches Hygienekonzept. „Unseres ist noch strenger als es eigentlich sein müsste – so handhabe ich das seit der Pandemie“, erläutert Heike und blickt zurück auf ein Jahr mit dem Coronavirus.

Der Salon von Heike Brembs in Aschau im Chiemgau nach der Umgestaltung.

„Auch wenn ich zu Beginn noch belächelt wurde, ich hatte das von Anfang an im Gefühl, dass da etwas Größeres auf uns zukommt. Darum möchte ich mir und meine Kunden bestmöglichen Schutz bieten, schließlich haben wir körpernahen Kontakt.“ Mit ein Grund, weshalb Heike und Simone im Wechsel arbeiten: Simone ab 7 Uhr, Heike löst sie um 14 Uhr ab, wäscht, schneidet und legt bis 20 Uhr.

„Freude und Optimismus stehen ganz oben“

Dass sie ihren Beruf wieder ausüben dürfen ist ein Segen für die beiden, die durchweg positiv eingestellt sind. Denn die letzten Wochen waren nicht leicht, sie haben – wie alle anderen auch - gekämpft. „Das ist nun ein ganz großer Schritt für uns wieder arbeiten zu dürfen“, betont Simone, während sie den Haaren ihrer Priener Kundin den letzten Schliff verpasst. Die ist rundum zufrieden, hat sich wohl und in erster Linie corona-sicher gefühlt im neuen Salon und erklärt kurz und knapp: „Ich habe die Haare schön, so kann die Woche beginnen.

„Ich persönlich ziehe Lehren aus der Krise“, unterstreicht Heike, die es vor 23 Jahren von ihrer Heimat Schweinfurt in den Chiemgau verschlagen hat, abschließend. „Den Kopf in den Sand stecken oder ständig nur jammern bringt einen nicht weiter. Man muss sich stärken und versuchen mit dem, was bleibt, das Beste aus dem Ganzen zu machen. Trotz aller Vernunft und Vorsicht, Freude und Optimismus stehen ganz oben. In jeder Krise steckt auch eine Chance.

mb

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