In Aschau rumort es heftig

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Aschau wie im Bilderbuch. Nichts für gut zahlende Gäste?

Aschau - Beim Thema "Hotel" schlagen in Aschau derzeit die Emotionen hoch. "Mein Telefon steht nicht mehr still", sagt Bürgermeister Werner Weyerer.

Für viel Wirbel sorgt die Entscheidung des Gemeinderats, ein schon in der Vergangenheit viel diskutiertes Hotel nicht in das neu überarbeitete Leitbild der Gemeinde einzugliedern. Wie berichtet, hatte sich der Rat in seiner jüngsten Sitzung mit 12:6 Stimmen gegen ein Hotel entschieden.

Die Befürworter schütteln nur noch die Köpfe: "Schilda lässt grüßen", äußert sich entsetzt Wolfgang Bude, ehemaliger Leiter der Tourist-Info Aschau, in einer schriftlichen Stellungnahme, die dem Oberbayerischen Volksblatt vorliegt. Der Beschluss sei "realitätsfern" und bedeute letztlich, den "Tourismus im Priental zu Grabe zu tragen". Seit 1984 setze Aschau auf diesen Wirtschaftszweig. Habe es damals noch 3500 Betten gegeben, sei das Angebot durch Betriebsaufgaben, Wegfall von Privatvermietern oder Umstrukturierungen bis dato um mindestens 800 Betten gesunken.

Die Alternative zum Tourismus, sprich Gewerbeansiedlung, beurteilen heute wie damals Bürgermeister und Gemeinderäte für das reizvolle Urlaubsgebiet wie das Priental weitaus problematischer als den Bau eines Hotels mit 100 Zimmern, so Bude.

Und auch sein Amtsnachfolger Herbert Reiter zeigt sich enttäuscht: "Wir brauchen Kapazitäten, wenn wir noch halbwegs im Konzert mitspielen und in zehn Jahren nicht völlig abgehängt sein wollen." Stillstand im Tourismus bedeute Rückschritt. Deshalb werbe er für das neue Hotelprojekt, obgleich er "stolz auf die engagierten Vermieter im Priental" sei.

Gerade Kurzurlauber, deren Zahl ständig steige, wollen "Rundumservice auf hohem Niveau" und "im Urlaub besser als zu Hause wohnen", so der Aschauer Tourismus-Chef. Ein Vier-Sterne-Standard für das Hotel sei deshalb in seinen Augen ein "Muss", zumal in dieser Kategorie ein großzügiger Schwimm- und Spa-Bereich - auch als Betätigung bei schlechtem Wetter - üblich sei. Er betonte, dass der Begriff "Wellness" heute bereits von "Mindness" als Trend abgelöst werde: Der anspruchsvolle und zahlungskräftige Gast wolle entschleunigen, ziehe den sanften Tourismus dem lauten "Ballermann" und den Bettenburgen vor. "Dieser Typ von Gast sucht den Luxus der Einfachheit und ist bereit, dafür auch zu zahlen", so Reiter. Doch dieser Luxus, der seinen Preis habe, sei nur ab einer Hotelgröße von rund 100 Zimmern für den Hotelbetreiber darstellbar.

Die Bedeutung eines solchen "Leuchtturmprojekts" für die ganze Region stellt Franz Bergmüller vom Hotel- und Gaststättenverband Oberbayern heraus. "Wir dürfen nicht vergessen, wie viel heute in unserer Region vom Tourismus abhängt. Wie viele Gemeindebürger hängen direkt und indirekt vom Tourismus ab?"

Ganz andere Vorstellungen haben die Hotelgegner in Aschau. Für sie steht fest: Ein 200-Betten-Hotel passt nicht ins Priental. Gemeinderat Hans Florian Sommer (ABL) wird deutlich: "Das sind unglaubliche Monster. Die erschlagen alles." Er sei nicht grundsätzlich gegen ein Hotel am richtigen Standort, doch er sei entschieden gegen einen 100-Zimmer-Hotelbau. "Ich lehne anonyme Geldgeber und Investoren solcher Bettenburgen ab. Sie haben nämlich kein Interesse an der dörflichen Entwicklung Aschaus", steht für ihn fest. Bei einem großen Hotel von bekannten Ketten wie Steigenberger oder Hilton drohe die "Ghettoisierung", sagt Sommer. Alles werde im Hotel erledigt, vom Friseur bis zum Essen. "Unser Dorf profitiert nicht davon", glaubt er. Er plädiert entschieden für ein wesentlich kleineres Hotel mit maximal 50 Zimmern, Inhaber - geführt und hinter der Festhalle. "Ich möchte dem sanften und naturnahen Tourismus eine Chance geben."

Insgesamt, so wünscht er sich, sollten sich alle am Thema Interessierten einmal zusammensetzen, etwa bei einer Klausurtagung, und darüber diskutieren, wohin der Tourismus im Priental überhaupt gehen soll: "Das fehlt."

Diesen Hotel-Vorstellungen tritt Aschaus Erster Bürgermeister Werner Weyerer entschieden entgegen: "Ein putziges Hotelchen mit einigen braven Gästen schön versteckt, damit es keinen stört: Diese Diskussion ist müßig." Ein Hotel müsse sich rentieren. Und alle Fachleute betonten, so Weyerer, dass dies erst bei rund 100 Zimmern beginne. Dazu gehöre heute auch die Vier-Sterne-Kategorie, ein Standard, der "keineswegs überzogen" ist. Er hofft, dass die Diskussion wieder in Schwung kommt: "Der Zug ist noch nicht abgefahren." Doch durch das Nein sei erst einmal vieles festzementiert. Er sei weiterhin für ein Hotel und wolle nicht aufhören, dafür zu kämpfen. "Wir leben in einer Demokratie: Der Gestaltungsbeirat votierte für ein Hotel am Freibad, der Arbeitskreis Tourismus hat sich für ein 100-Zimmer-Haus ausgesprochen. Wenn wir nicht die Politikverdrossenheit der Bürger weiter anheizen wollen, sollten wir noch einmal darüber nachdenken", sagt der Gemeindechef.

Dem pflichten auch Zweiter und Dritter Bürgermeister Josef Thaurer und Thedy Metzler bei. "Wir wollen ein Hotel. Über den Standort hinter der Festhalle oder am Freibad oder woanders sollten wir noch einmal sprechen. Und über die Größe: Die sollte halt auch passen."

Sigrid Knothe (Chiemgau-Zeitung)

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