Bürgermeister Frank zieht Reißleine zu 12-Millionen-Euro-Projekt

„Sorgsamer Umgang mit Steuergeldern der Bürger wichtig“ - Sporthallenprojekt Aschau steht auf Prüfstand

Die neue Kostenschätzung für die 2.5-fach-Sporthalle in Aschau i. Chiemgau liegt bei rund 12 Millionen Euro brutto. Der Bürgermeister Simon Frank zieht die Reißleine und stoppt die weiteren Planungen in diesem Format. Ihm sei der verantwortungsvolle Umgang mit Steuergeldern in der aktuellen Situation wichtiger denn je. Somit wird ein neuer Vorschlag für eine kleinere Sporthalle derzeit diskutiert.

Die Pressemitteilung im Wortlaut:

Aschau - Es ist ein Thema, das die Gemeinde Aschau im Chiemgau schon seit mehreren Jahren begleitet: der Neubau einer Sport- und Mehrzweckhalle. Nachdem die Architekten-Entwürfe der von Bürgermeister Simon Frank 2020 ins Leben gerufenen Steuerungsgruppe in der Dezembersitzung dem Gemeinderat sowie der Öffentlichkeit vorgestellt wurden, liegt nun eine erste Kostenschätzung der SRW Architekten zum aktuellen Entwurf vor. Sie beinhaltet im Gegensatz zur Kostenermittlung aus dem Jahre 2017 (mit 7,5 Mio. € brutto) nun sämtliche Bauleistungen und liegt bei rd. 12 Mio. € brutto. Seit 2017 ist der Baukostenindex um rd. 12 % gestiegen, von weiteren Steigerungen bis zur Bauausführung ist auszugehen. Zudem rechnet das Planungsbüro in der jetzigen Planungsphase mit einem anzusetzenden Kostenrisiko von bis zu 25 %. Dies würde im ungünstigsten Fall einen Kostenaufwand in Höhe von insgesamt bis zu rd. 15 Mio. € brutto bedeuten.

Eine Summe, die Bürgermeister Simon Frank entschieden zu hoch ist. Er zog deshalb nach reiflicher Überlegung die Reißleine und legte damit alle weiteren Planungen in diesem Format vorerst auf Eis. „Dieser Schritt ist mir und auch dem gesamten Gemeinderat mit Sicherheit nicht leichtgefallen. Wir alle wünschen uns nach Jahren der teils heftigen Diskussionen eine durchdachte Lösung für dieses wichtige Projekt. Dazu gehört aber auch eine verantwortungsbewusste und stabile Finanzierung, die uns als Gemeinde auch in der Zukunft noch finanziellen Spielraum für unsere vielfältigen Pflichtaufgaben und weiteren wichtigen Projekten lässt.“ Vor allem den Kostenansatz der ursprünglichen Planungen stellt der Bürgermeister angesichts der aktuellen Zahlen in Frage:

„Nach Abgleich mit Referenzwerten anderer Sporthallen-Projekte scheinen die aktuellen Zahlen durchaus näher an der Realität zu liegen, als die im Frühjahr 2020 noch kommunizierten 7,5 Millionen Euro.“ Als zusätzlicher Unsicherheitsfaktor für die Finanzierung der Sport- und Mehrzweckhalle kommen die möglichen Auswirkungen der Corona-Pandemie ins Spiel. Gerade im Hinblick auf die Entwicklung der Einkommens- und Gewerbesteuer sieht die Gemeindeverwaltung Mindereinnahmen voraus. „Mir ist ein sorgsamer Umgang mit den Steuergeldern der Aschauer Bürgerinnen und Bürger sehr, sehr wichtig, Das hat für mich oberste Priorität“, so Bürgermeister Frank. Bürgermeister Simon Frank schlägt angesichts der neuen Kostenschätzung vor, die Entwurfsplanung „2-5-fach-Halle“ in diesem Format nicht weiterzuverfolgen und die Projekt- und Finanzverantwortung umfassend wahrzunehmen. Aus seiner Sicht ist jetzt der richtige Zeitpunkt zum Nachsteuern, bevor die Fachplaner die weitere Arbeit aufnehmen werden.

Sein Vorschlag ist nunmehr, mit einer 1,5-fach-Sporthalle mit Betriebs- und Mehrzweckräumen (Außenmaße ca. 38m x 36m) weiter zu planen. Diese Halle ist nur geringfügig größer als das jetzige Bestandsgebäude (ca. 25m x 32m) und enthält dennoch alle bisher geplanten Nutzungsinhalte als attraktives Sport- und Freizeitangebot für die Bürgerinnen und Bürger. Durch die Verkleinerung dürfte sich die Halle harmonisch in die Landschaft einfügen lassen.

Alle klassischen Sportarten, wie Hallenfußball, Volleyball, Basketball, Ju-Jutsu, Tischtennis etc. und darüber hinaus weitere Fitness- und Gesundheits-Angebote sind auch in einer (teilbaren) 1,5-fach-Sporthalle abbildbar. Lediglich wettkampfmäßiger Handball ist dann nicht möglich. Ein Nachteil, der im Hinblick auf die sonst sehr breitgefächerten Nutzungsmöglichkeiten in Kauf genommen werden kann.

Der bisherige Entwurf ist so ausgelegt, dass alle erforderlichen Veränderungen von einer 2,5-fach- auf eine 1,5-fach-Halle mit verhältnismäßig geringem Aufwand umgesetzt werden können. Nach Auskunft des Architekturbüros SRW sollte dies ohne größeren Zeitverzug möglich sein. Wertvolle Vorarbeit hat hier besonders die Steuerungsgruppe geleistet, die durch die komprimierte, kompaktere Umplanung der ursprünglichen Entwürfe eine Reduzierung der künftigen Betriebskosten in den Fokus ihrer Arbeit stellte.

Gleichzeitig ermöglicht es die aktuell erarbeitete Planung, die nun vorgeschlagenen Änderungen flexibel und schnell einzufügen. „Die Förderung des Schulsports für die Grundschule ist durch Errichtung und Unterhalt einer Einfachturnhalle (Hallensportfläche 15m x 27m mit Betriebsräumen) zu gewährleisten. Diese Aufgabe wird die Gemeinde auf jeden Fall sicherstellen. Dafür liegt auch ein Zuwendungsbescheid der Regierung von Oberbayern in Höhe von 780.000 € vor, der bei einer Planänderung gegebenenfalls erneut beantragt werden muss.

Die Zusatzkosten für eine 1,5-fach-Sporthalle mit Mehrzweckräumen, die überwiegend der sportlichen Nutzung dienen, sollen als freiwillige Aufgabe überwiegend (mehr als 50 %) durch „Dritte“ (Fördermittel, Sponsoren/ Stiftungsgelder, Pachteinnahmen und Nutzungsgebühren) finanziert werden. Erste Spendenzusagen und Gesprächsangebote liegen hierfür bereits vor.“, berichtet Bürgermeister Simon Frank über die geplanten Finanzierungsmöglichkeiten. Eine finanzielle Beteiligung der Gemeinde für eine etwaige Deckungslücke kann sich Frank vorstellen: „Darüber wird später zu entscheiden sein, wenn das Finanzierungskonzept in Gänze vorliegt.“

Um sich nochmals intensiv mit der weiteren Vorgehensweise befassen zu können und sich die nötige Zeit für die weiteren wegweisenden Schritte zu nehmen, hat der Gemeinderat in der öffentlichen Sitzung von 19.1.2021 einstimmig beschlossen,

- den vorgebrachten Vorschlag der Weiterplanung im Format einer 1,5-fach-Spielfläche nochmals im Rahmen der eingerichteten Steuerungsgruppe mit Beteiligung des gesamten Gemeinderates vertiefend zu diskutieren

- Alternativen zur Kostenreduzierung auf anderen Wegen zu prüfen

- Die weitere Vorgehensweise in einer der nächsten Gemeinderatssitzungen nochmals zur Beschlussfassung vorzulegen

Über den weiteren Fortgang wird berichtet.

Mitteilung der Gemeinde Aschau im Chiemgau

Rubriklistenbild: © Zukunft für Aschau/Simon Frank

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