Hundebesitzer aufgepasst

Ansteckende Krankheit geht um: Fuchsräude-Alarm in Aschau

Der Cocker Spaniel „Till Eugenspiegel“, als er noch gesund war.
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Der Cocker Spaniel „Till Eugenspiegel“, als er noch gesund war.

Was als einfacher Juckreiz begonnen hat, hätte für den siebenjährigen Cockerspaniel „Till Eugenspiegel“ mit dem Tod enden können. Der Vierbeiner aus Aschau steckte sich mit Fuchsräude an. Sein Herrchen warnt nun die anderen Hundebesitzer.

Aschau – Fast täglich geht Hanns Reichhelm aus Aschau mit seinem Hund Till im Waldgebiet zwischen dem Aschauer Moorbad und dem Bärnsee spazieren. Doch die altbewährte Spaziergehstrecke wird dem Tier zum Verhängnis.

Im Februar bemerkte Reichhelm zum ersten Mal, dass mit seinem Till etwas nicht stimmt. Der schwarze Cockerspaniel, mit den langen Schlappohren, kratzt sich vermehrt. „Das war schlimm mit anzusehen“, sagt Reichhelm. Er handelte sofort und brachte Till zum Tierarzt. „Der entnahm eine Hautprobe und sandte sie ans Labor“, so Reichhelm. Die Probe zeigte aber keinerlei Auffälligkeiten. Um auf Nummer sicher zu gehen, fuhr Reichhelm mit seinem Till in die Tierklinik nach Bad Reichenhall. Jetzt die schlechte Nachricht: Till hat Fuchsräude.

Fuchsräude ist hochansteckend

Doch wie konnte sich Till mit der Fuchsräude infizieren? „Bei der Fuchsräude handelt es sich um eine hochansteckende, parasitäre Krankheit, die durch den Befall von sogenannten Sarcoptes scabiei Milben ausgelöst wird“, erklärt die Tierärztin Dr. Christine Schneikart. Sie hat eine Tierarztpraxis in Aschau. Die Milbe befalle das Tier und lege ihre Eier unter die Haut. Überträger des Schädlings seien Füchse. Ein Hund könne sich zum Beispiel mit den Milben anstecken, wenn er in Berührung mit einem toten von Milben befallenen Fuchskadaver kommt, erklärt Schneikart. Auch in dem Kot des Fuchses könne der Erreger lauern.

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Die Milben seien mit bloßem Auge nicht zu erkennen, sagt Schneikart. Ein Krankheitssymptom sei ein vermehrter Juckreiz. Durch ein ständiges Kratzen könne es zu Haarausfall, Hautentzündungen sowie Krusten und Pusteln kommen. „Durch das ständige Schlecken des Hundes an der Haut kann es durch den Speichel zu einer sogenannten Sekundärinfektion, einer bakteriellen Entzündung, kommen“, beschreibt Schneikart das weitere Krankheitsbild.

Gefährliche Milben

Der Milbenbefall kann, wenn er nicht behandelt wird, zum Tode führen, bestätigt die Tierärztin. „In den meisten Fällen ist aber die Fuchsräude gut behandelbar.“

Tierärztin Dr. Christine Schneikart aus Aschau.

Um dem Milbenfall Herr zu werden, können den befallenen Haustieren Kautabletten verabreicht werden. Eine weitere Möglichkeit sei ein sogenanntes Spot-On-Mittel, das die Milben auf der Haut abtötet.

Und genau so ein Spot-On-Mittel hat Till bekommen. Es wird am Halsansatz vor den Schulterblättern aufgeträufelt. „Ich habe gleich gemerkt, dass es Till besser geht. Er kratzt sich jetzt deutlich weniger“, so Reichhelm. Till ist auf dem Weg der Besserung.

Weder anzeige-, noch meldepflichtig

Wie häufig Fuchsräude in der Region auftritt, kann nicht gesagt werden. Denn die Erkrankung ist weder anzeige- noch meldepflichtig, heißt es vonseiten des Staatlichen Veterinäramts des Landkreises Rosenheim auf Anfrage der OVB-Heimatzeitung. Maßnahmen gegen die Milben werden nicht getroffen. Den zuständigen Jägern sei die Problematik bekannt. Sie können gegebenenfalls Informationstafeln in den betroffenen Gebieten aufstellen, so die Behörde.

Die Gemeinde Aschau wird erst tätig, wenn es entsprechende Anweisungen vom Veterinäramt geben würde, heißt es aus dem Rathaus.

Schneikart eröffnete ihre Praxis in Aschau im Januar. Seit dem ist ihr jedoch noch kein Fall von Fuchsräude untergekommen. „Es ist keine Krankheit, die an der Tagesordnung ist. Nichtsdestotrotz ist es eine Krankheit, die im Auge behalten werden muss“, resümiert Schneikart.

Hunde sollen an der Leine bleiben

Um Hunde vor der Fuchsräude zu schützen, sollte das Tier nicht unbeaufsichtigt abseits der Wege laufen. Wenn der Besitzer seinen Hund anleint, kann eine Infektion üblicherweise vermeiden, rät das Veterinäramt.

Weil die Fuchsräude im schlimmsten Fall tödlich ausgehen kann, wendet sich Reichhelm mit seinem Fall an die Öffentlichkeit. „Wir hatten Glück im Unglück. Es ist wichtig, dass die Hundebesitzer gewarnt sind und das sie ihre Tiere notfalls an die Leine nehmen. Denn alles andere wäre schrecklich“, sagt Reichhelm.

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