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Gewaltverbrechen in Aschau im Chiemgau

Tod von Hanna (†23): Jetzt will ein Hellseher der Kripo den Mörder liefern

Im Fall Hanna aus Aschau im Chiemgau bringt sich nun Hellseher Michael Schneider ein.
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Im Fall Hanna aus Aschau im Chiemgau bringt sich nun Hellseher Michael Schneider ein.

In Aschau im Chiemgau sitzt sieben Wochen nach dem Gewaltverbrechen an Hanna (†23) der Schock tief. Während die Ermittler der Soko Club weiter nach einer heißen Spur suchen, melden sich nun Esoteriker und Hobby-Kriminologen zu Wort. Ein Hellseher glaubt gar, konkrete Hinweise auf den Mörder zu haben.

Aschau im Chiemgau - Die Fassungslosigkeit angesichts des gewaltsamen Todes der jungen Medizinstudentin Hanna (†23) ist in Aschau im Chiemgau nach wie vor groß. Die junge Frau war nach dem Besuch des Clubs „Eiskeller“ in Hohenaschau in der Nacht auf den 3. Oktober offenbar auf dem Heimweg einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Ihre Leiche wurde rund zwölf Stunden später in der Prien auf Höhe Kaltenbach entdeckt, abgetrieben durch den zu dieser Zeit Hochwasser führenden Fluss.

Die Unsicherheit ist seither groß in dem beschaulichen Ort. Kinder werden auf dem Schulweg tunlichst begleitet, Jugendliche nachts von den Eltern vom „Eiskeller“ abgeholt. Der Nachhauseweg nachts alleine, wie es in Aschau durchaus üblich war und was auch Hanna so gehandhabt hatte, ist tabu. Das Sicherheitsgefühl der Bürger hat gelitten seit dem Gewaltverbrechen.

Sieben Wochen Spurensuche

Und es leidet weiter: Seit inzwischen sieben Wochen ermittelt die Soko „Club“, ist auf Spurensuche - doch der Durchbruch ist bis dato ausgeblieben. Die eine, heiße Spur: Es gibt sie noch nicht. Oder sie hat sich schnell wieder zerschlagen. Wie im Fall des nächtlichen Joggers. Der, als er ermittelt war, keine relevanten Hinweise beitragen konnte.

Den Durchbruch brachte bis dato auch die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY nicht, von der sich die Ermittler insbesondere Hinweise zum Besitzer der am mutmaßlichen Tatort gefundenen Holzuhr der Marke Holzkern erhofft hatten.

Esoteriker melden sich zu Wort

Was sich aber inzwischen auftat: eine ganze Reihe Hinweise aus Esoterik-Kreisen. Allen voran: ein Hellseher aus Siegburg, der Hannas Mörder bereits ausfindig gemacht haben will. Genauer gesagt: Der eine Eingebung in Bezug auf den Täter gehabt haben will. Seine sehr konkreten Hinweise teilte der bundesweit bekannte Seher und Heiler namens Michael Schneider, 52, der Rosenheimer Polizei mit.

Hellseher besorgt

Und das schon vor gut zwei Wochen - und seither tut sich, so moniert er, nichts. Weshalb er so besorgt ist: Seinem „Profiling“ nach ist der Täter gefährlich, womöglich Frauenhasser. Hanna ist seiner Eingebung nach ein Zufallsopfer gewesen. „Mit den Gästen der Disco wird die Kripo nicht weiterkommen“, zeigt sich Michael Schneider gegenüber dem OVB überzeugt. Schneider hat seine Hinweise und Gedankengänge nicht nur der Kripo um Soko-Leiter Hans-Peter Butz, sondern auch den Medien überlassen.

Der Kripo Rosenheim ist der Hellseher seit Anfang November bekannt. Erst aus Mails, dann per Telefon über die Aktenzeichen-XY-Telefonschalte am Abend des 9. November. Da hatte Schneider Soko-Leiter Hans-Peter Butz höchstpersönlich am Hörer - der auch sehr aufmerksam gewesen sei. „15 Minuten haben wir miteinander gesprochen“, lässt Schneider das Gespräch gegenüber dem OVB Revue passieren.

Dass sich Esoteriker und Seher über Aktenzeichen XY melden, ist Rosenheims Polizeisprecher Stefan Sonntag zufolge indes nicht ungewöhnlich. „Das ist bei bundesweit bekannten Kriminalfällen durchaus üblich“, sagt Sonntag gegenüber dem OVB.

Soko geht Hinweisen nach

Und der Polizeisprecher bestätigt zudem: Auch diesem Hinweis wird die aktuell 50-köpfige Soko nachgehen. „Wir sind für alle Hinweise dankbar, die wir erhalten, und es wird jedem Hinweis nachgegangen.“ Wann, bleibt offen. Die Priorisierung behält sich die Kripo vor.

Hellseher findet Mörder?

Wird es womöglich bald heißen: Hellseher findet Mörder? Im Polizeipräsidium Oberbayern Süd ist man vorsichtig zurückhaltend, was die Hinweise von Hellsehern und Esoterikern angeht. Verschließen will man sich aber nicht.

Eine Einstellung, die Seher Michael Schneider sehr zu schätzen weiß: Er beobachte ein Nord-Süd-Gefälle bei der Polizei, was die Akzeptanz von Sehern angehe. „Bayern ist da viel offener als der Norden.“ Weshalb er nun hofft, zum Ermittlungserfolg beitragen zu können.

Die Eingebung des Hellsehers

Wie der Hellseher auf seine Hinweise kam? Über Eingebung, sozusagen Ferndiagnose, von Siegburg aus. Auf den tragischen Fall sei er über die Medien aufmerksam geworden. Ein Faltplan habe ihm schließlich die Einordnung erleichtert, den möglichen Täter sieht er in der Region. Der Kripo liefert er ein Rundherum-Sorglos-Paket: exakte Koordinaten plus eine Handlungsanleitung zur Verhör-Taktik. Die Details will Schneider nicht veröffentlicht sehen.

Hellseher Michael Schneider aus Siegburg. Er bringt sich im Fall Hanna ein.

Michael Schneider vielfältig aktiv

Wie im Fall Hanna betreibt es Schneider seit Jahren: Ob bei großen, internationalen Kriminalfällen, selbst bei Maddie Mc Cann, oder Vermisstensuchen, die sich später als Suizid herausstellen - Michael Schneider schaltet sich regelmäßig ein, sucht den Kontakt zu den Ermittlern. Die Erfolge: durchwachsen. Das sieht er selbst so. „Ich habe genug Erfolge, aber natürlich auch Misserfolge, dazu stehe ich.“ Ein Berliner Soko-Chef hatte ihn gar schon mal über einen offenen Brief um Zurückhaltung gebeten. Das Nord-Süd-Gefälle eben, meint Schneider dazu.

Rosenheim setzt auf klassische Kripo-Arbeit

In Rosenheim will man Schneiders Eingebung zumindest behandeln wie jeden anderen der inzwischen rund 460 Hinweise (Stand 18. November), die zum Fall Hanna bislang eingegangen sind, darunter etwa eine Handvoll aus dem Esoterik-Bereich. „Sie werden allesamt abgearbeitet, nach entsprechender Priorisierung“, sagt Sprecher Sonntag. Und er betont gleichzeitig: „Wobei wir aber weiterhin davon ausgehen, dass die klassische Kripoarbeit die besten Aussichten zur Klärung eines Falles hat.“

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