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Weltoffen und Aschau tief verbunden: Rasso Freiherr von Cramer-Klett gestorben

Baron Rasso Freiherr von Cramer-Klett ist jetzt im Alter von 79 Jahren verstorben.
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Baron Rasso Freiherr von Cramer-Klett ist jetzt im Alter von 79 Jahren verstorben.

Er machte sich verdient um die Gemeinde Aschau, in der er verwurzelt war: Wenige Wochen vor seinem 80. Geburtstag ist Rasso Freiherr von Cramer-Klett nach schwerer Krankheit gestorben.

Aschau – Es gibt Menschen, in denen eine Gegend verkörpert zu sein scheint. Weil sie so viel Einfluss und Reichtum besitzen, oder weil sie in so vielen Vereinen tätig und auf vielfältige Weise engagiert sind, oder weil sie in besonderer Weise den Charakter dieser Gegend spiegeln.

Der Baron war ein Charakterkopf

Auf Rasso Freiherr von Cramer-Klett traf all dies zu. „Der Baron“, so nannte man ihn so respektvoll wie griffig, war in vielen Vereinen engagiert, er war der größte Grund- und Waldbesitzer weit und breit. Und er war ein Charakterkopf, typisch für die guten Seiten der Region: gutmütig, aber auch streitbar, wenn es sein musste, ein markanter Mensch ohne verletzende Kanten, ein erster Bürger und Familienmensch, der für seine Lieben zu Weihnachten kochte; ein in vielen Vereinen Engagierter, aber kein Vereinsmeier, nachdenklich und humorvoll, bodenständig und weltoffen. Wenngleich die bayerischen Adelstitel seit 1919 abgeschafft sind, zweifelte wohl niemand daran, dass er ein Freiherr war, frei, die Umgebung der Alm höher zu schätzen als die höhere Gesellschaft; ein Mensch von der Art, die man früher „Respektsperson“ genannt hätte, allerdings nahbar.

Geboren wurde Baron Rasso Freiherr von Cramer-Klett vor bald 80 Jahren als Sohn von Benedikt Ludwig von Cramer-Klett und als Urenkel des Mannes, der das Fundament für das Wirken der Familie gelegt hatte.

Als Eigentümer der Maschinenbau Actiengesellschaft Nürnberg, heute besser bekannt als MAN, sowie Mitbegründer der Privatbank Merck und der Münchner Rückversicherungsgesellschaft hatte sich Theodor von Cramer-Klett um Bayern und das Eisenbahnwesen so verdient gemacht, dass ihn Ludwig II. adelte. Ihm verdankt die Familie auch die Verwurzelung in Aschau: Vor 145 Jahren zog der Nürnberger nach Aschau, wo er das Herrschaftsgut Hohenaschau erworben hatte.

Rasso Freiherr von Cramer-Klett setzte sich für Allgemeinheit ein

Er zehrte nicht nur von den Früchten, er ließ die Allgemeinheit teilhaben. „Geleitet von einem großen Verständnis und einem tiefen Verantwortungsgefühl für Landschaft und Natur hat er dem Allgemeinwohl stets den absoluten Vorrang eingeräumt“, lässt sich in der Begründung für die Bayerische Staatsmedaille nachlesen, die ihm 2007 verliehen wurde. Der Baron hatte im Priental großzügig Flächen für Retentionsbecken und Gewässerausbau zur Verfügung gestellt.

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Der Wald als „grünes Reich“

Die Familie förderte stets das Trachtenwesen. Der Großvater hatte die Bewegung angeschoben, noch heute findet man auf vielen Vereinsfahnen in der Region das Wappen derer von Cramer-Klett. Besonders verbunden ist die Familie dem Trachtenverein Hohenaschau.

„War immer da“

Dessen Vorsitzender Claus Reiter äußerte sich betroffen. Ob er Grund für Feiern zur Verfügung gestellt, mitgeholfen oder Geld gespendet habe - „der Baron war immer da und half, wenn es ging“, sagt Reiter. So aufgeschlossen und hilfsbereit zeigte er sich auf vielen Gebieten. Wegen seines Wirkens als Gemeinderat, mehr aber noch wegen seines Engagements in Aschau und für den gesamten Chiemgau wurde er 2001 zum Ehrenbürger Aschaus ernannt.

Am Montag starb Rasso Freiherr von Cramer-Klett nach schwerer Krankheit. „Ich kann nicht einfach tun und lassen, was ich will, sonst wäre ich im Dorf sofort im Gespräch“, sagte er einmal. Sprechen über ihn wird man allemal. Der Ton wird ein guter sein.

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