Heulende Motoren und Auspuffgeruch

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Die zweite Kampenwandhistoric

Aschau - Die zweite Kampenwandhistoric zog nach zweijähriger Pause am heißesten Tag des Jahres die Zuschauer aus der ganzen Region ins Festhallengelände.

Wo sonst rund um die Aschauer Festhalle beschauliche Ruhe und vollkommene Stille herrscht, war es an diesem heißen Wochenende ganz anders: heulende Motoren von Solomaschinen und Gespannen, Auspuffgeruch, Benzinschwaden und Öldunst.

Die zweite Kampenwandhistoric - ein Motorrad Classic Grand Prix – zog die Zuschauer aus der ganzen Region nach zweijähriger Pause am heißesten Tag des Jahres ins Festhallengelände. Dicht gedrängt füllten sie die Tribüne, hautnah standen sie an der Strecke und sahen die Motorräder vorbeifahren, die alten betagten mit nur wenigen Pferdestärken etwas langsamer, die neuen dagegen pfeilschnell. Star des Tages war Karl Meier aus Aschau mit einer Egli-Maschine Baujahr 1979 von der es weltweit nur etwa zehn Exemplare gibt. „Rund 150.000 Euro wurden mittlerweile in diese Maschine investiert, sie bringt rund 400 PS auf die Straße, ein Formel 1 Rennwagen hat dagegen keine Chance“, erläuterte der Jimmy Riegler, der Streckensprecher vom Salzburgring die Supermaschine. Die älteste Maschine, eine BMW R 57 von 1928 brachte Paul Schwab aus Österreich mit auf die Strecke. Aber auf Geschwindigkeit kam es bei diesem Rennen gar nicht an, die uralten Schätzchen aus den Kindertagen des Motorsportes hätten mit ihren paar PS sonst keinerlei Chancen gegen die hoch getunten Geschosse der Neuzeit gehabt.

Organisator Manfred Stein hatte die zweite Kampenwandhistoric auf einem 750 Meter langen Rundkurs unterhalb von Schloss Hohenaschau in acht Klassen unterteilt und als Gleichmäßigkeitslauf ausgeschrieben. Gleichmäßigkeitsläufe sind nicht auf die Erzielung von Höchstgeschwindigkeiten ausgelegt und schonen das historische Fahrzeugmaterial. Bei Rundkursen wird vom Fahrtleiter (entspricht dem Rennleiter) die Runde festgelegt, deren Zeit als Maß genommen wird. Alle darauf folgenden Runden müssen in möglichst gleicher Zeit absolviert werden, die Beträge der jeweiligen Abweichungen werden in Strafpunkten zusammengezählt. Hier ist der Teilnehmer mit der niedrigsten Punktzahl der Sieger. Es sind keine Rennen im eigentlichen Sinne, denn um die teuren und seltenen alten Motorräder oder Automobile nicht unnötig hohem Verschleiß auszuliefern, fährt man möglichst gleichmäßige Runden, statt möglichst schnelle Zeiten.

Die zweite Kampenwandhistoric

Aber trotzdem ging es ganz schön zur Sache, vor allem bei den Beiwagenmaschinen. Am späten Nachmittag standen schließlich die Sieger der acht Klassen fest: Die Klasse A gewann Martin Jacob aus der Schweiz auf einer Norton von 1934, Franz Strohhammer aus Deutschland die Klasse B, Hans Maier aus Trostberg/Kienberg hatte in der Klasse C die Nase vorn und der Österreicher Ernst Steffl gewann die Klasse D mit lediglich vier Hundertstel Sekunden Abweichung von der Sollzeit; noch besser und damit Gesamtsieger wurde Klaus Peterwinkler vom MSC Gilgenberg in Österreich bei der Klasse E, er hatte lediglich eine einzige Hundertstel Sekunde Abweichung. Die Klasse F entschied Gisbert Gottlieb aus Deutschland für sich und die Klasse G Helmut Müller aus Deutschland. Die Damenwertung gewann - bei sechs mitfahrenden Damen - Carina Müller aus Deutschland.

Im Rahmenprogramm während der Mittagspause durften die Kinder des Aschauer Behandlungszentrums aus dem Würzburger Haus ein paar Runden als Schmiermaxe auf den Beiwagenmaschinen drehen. „Das Leuchten dieser Kinderaugen ist mehr wert als alle Pokale, die ihr hinterher mit nach Hause nehmen dürft“, Jimmy Riegler, der Streckensprecher vom Salzburgring und Moderator der Veranstaltung, war von dieser Idee und der Sonderfahrt begeistert. „Das ist kein Kinderkarussell“ stellte ein Bub aus dem Würzburger Haus mit Kennermiene hinterher begeistert fest, als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte. Spontan sammelten die Rennfahrer im Publikum für die Kinder aus dem Würzburger Haus und brachten einen ansehnlichen betrag zusammen, den Manfred Stein noch auf 750 Euro aufstockte. Bürgermeister Werner Weyerer dankte dem Veranstalter Manfred Stein für die Planung und Durchführung dieser motorsportlichen Veranstaltung, damit habe er Zeichen für weitere Vorhaben dieser Art gesetzt.

Heinrich Rehberg

Quelle: rosenheim24.de

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