Auch Bernau steigt mit ein ins Boot

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Bernau - Die Gemeinde Bernau steigt mit ins Boot, wenn die Kommunen den Tourismus im Landkreis Rosenheim auf eine neue Grundlage stellen.

Mit großer Mehrheit hat der Gemeinderat beschlossen, aus dem alten, kleineren Verband am Chiemsee auszusteigen und - wenn er kommt - dem geplanten neuen, größeren Verband im Landkreis Rosenheim beizutreten.

Noch ist nichts in trockenen Tüchern, doch die neuen Strukturen im Tourismus nehmen immer mehr Gestalt an. Die Kommunen in Stadt und Landkreis Rosenheim planen, ihre kleineren Einheiten aufzulösen und sich stattdessen in einem großen Ganzen zu vereinen. Der Arbeitstitel des angestrebten landkreisweiten Tourismusverbandes lautet "Chiemsee Alpenland" - was die Stadt Rosenheim zuletzt jedoch kritisierte. Denn in dieser Bezeichnung vermisst sie ihren eigenen Namen (wir berichteten).

Eine der Einheiten, die mit der Vereinigung auf Landkreisebene überflüssig werden, ist der Chiemseetourismusverband. Einige Gemeinden, wie zuletzt etwa Rimsting und Breitbrunn, haben bereits beschlossen, auszutreten. Und jetzt macht auch Bernau den Weg frei für eine Auflösung.

"Wir haben jetzt die Chance, alle Gemeinden unter einen Hut zu bringen." Mit diesen Worten warb Bürgermeister Klaus Daiber für den neuen großen Verband. "Chiemsee" habe einen jährlichen Etat in Höhe von 800000 Euro - "Chiemsee Alpenland" habe voraussichtlich 1,5 Millionen zur Verfügung. Das höhere Budget ermögliche eine bessere Werbung für die Tourismusregion und damit auch für die Gemeinde Bernau. Daiber freute sich in diesem Zusammenhang auch, dass sich die Stadt Rosenheim "solidarisch" zeige und auch bereit sie, in den neuen Verband einzusteigen - obwohl sie ihn genau genommen "gar nicht braucht".

Der Beitrag, den die Gemeinde Bernau an den Tourismusverband zahlt, wird sich nach Angaben von Daiber nicht erhöhen, sondern sogar etwas verringern. 40000 Euro im Jahr überweise sie jetzt, künftig müsse sie, wenn sie vom Chiemsee zum Chiemsee Alpenland-Tourismusverband wechselt, 39000 berappen.

Gegen einen Ausstieg aus dem Chiemsee Tourismusverband stimmten Philipp Bernhofer (Bernauer Liste) und Eduard Wierer (überparteiliche Wählergemeinschaft). Bernhofer zweifelte daran, dass der neue große Tourismusverband tatsächlich die "Schlagkraft" besitzen werde, wie immer wieder gehofft und behauptet werde. Nicht auszuschließen sei die Gefahr, dass man sich, wie schon jetzt die Diskussion um den Namen belege, "verzettelt". Und Bernhofer weiter: "Der Chiemsee Verband läuft ganz gut." Auch Wierer äußerte Bedenken, dass der neue Verband zu groß sei.

Auf Anfrage von Hansjörg Decker (Bernauer Liste) sagte Daiber, dass sich personell an der Spitze der Touristikverantworlichen mit dem Zusammenschluss "jetzt nicht viel ändert". Neue Personalstrukturen werden sich laut dem Rathauschef erst dann ergeben, wenn sich - wie auch schon für 2012 geplant - die Tourismusverbände in den Landkreisen Rosenheim und Traunstein zusammenschließen.

Und noch etwas verändere sich nicht, was, so Daiber, "für uns entscheidend ist": Wie der Chiemsee- werde auch neue Tourismusverband im Landkreis Rosenheim seinen Sitz in Bernau-Felden im Hatzhof beziehen - und damit jenes Gebäude pachten, das der Gemeinde gehört. Im gleichen Atemzug mahnte der Rathauschef jedoch, "nicht gleich 20 Prozent mehr" zu verlangen. Daiber: "Wir werden sicherlich nicht das goldene Ei finden."

Sepp Genghammer (Bündnis 90/Die Grünen) regte an, sowohl dem neuen Verband beizutreten, als auch dem alten treu zu bleiben. Der alte Chiemseeverband könnte als "Klammer" die Kommunen rund um das Bayerische Meer zusammenhalten und ihnen auch künftig "Gewicht geben". Daiber entgegnete ihm, dass die Gemeinde dann aber auch zweimal Beitrag entrichten müsste.

Irene Daiber (CSU) merkte an, dass der bereits im Landkreis Traunstein neu geschaffene Tourismusverband Chiemgau die Chancen und Möglichkeiten eines Zusammenschlusses vor Augen führe. So seit etwa die Werbung im Internet ganz ausgezeichnet. Diese und andere Wege seien künftig im Wettbewerb mit anderen Regionen einzuschlagen. Das Verteilen von Prospekten gehöre der Vergangenheit an.

Nach Ansicht von Christian Hügel (CSU) ist die Vereinigung im Landkreis Rosenheim ein "Meilenstein mit Pioniercharakter". Die Tourismusstrukturen seien mit dem Chiemsee-Verband zurzeit "nicht die idealsten". Etwa auch im Bayerischen Wald seien größere Einheiten gang und gäbe. Auch die Kommunen im Landkreis Rosenheim müssten sich "für den Wettbewerb wappnen" und eine "große, schlagkräftige Einheit" bilden.

Georg Bauer (Bernauer Liste) kritisierte, dass der Gemeinderat in Bernau erst so spät in die Diskussion miteingebunden werde. Bürgermeister Daiber entgegnete ihm, von den Machern sei keineswegs geplant gewesen, dass die Diskussion von allem Anfang an in der öffentlichkeit geführt werde.

Rubriklistenbild: © re

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