Auch "E-Biker" können nun einsteigen

Chiemsee - Auch in der mittlerweile sechsten Saison wird die Chiemsee-Ringbuslinie weiterentwickelt. Die beiden Busse warten mit einigen Neuerungen auf. 

Heuer werden die Fahrgäste mit automatischen Zuspielungen in den beiden Bussen über die jeweiligen Orte informiert. Zudem erleichtert ein neuer, tieferer Anhänger das Be- und Entladen der Räder. Er ist auch mit speziellen Halterungen für vier "E-Bikes" (Elektrofahrräder) ausgestattet.

Die Kinder können oder wollen nach 30 Kilometern plötzlich nicht mehr weiterstrampeln. Das Auto steht in Prien, der Besitzer sitzt in Chieming im Fahrradsattel, als plötzlich ein Gewitter über dem Bayerischen Meer aufzieht. Das sind zwei typische Beispiele für Situationen, in denen Betroffene den Chiemsee-Ringbus besonders zu schätzen wissen.

Am Pfingstsamstag startet die Linie in ihre sechste Sommersaison. Rund 68000 Euro kostet nach Angaben des Rosenheimer RVO-Niederlassungsleiters Franz Polland der Betrieb der beiden Busse bis in den Oktober hinein. Fast zeitgleich starten die Fahrzeuge mit ihren Fahrradanhängern morgens und nachmittags in Prien und Chieming, um das "Bayerische Meer" gegenläufig zu umrunden. Eine zusätzliche Mittagsrunde gibt es ab Prien. Dabei fahren die Busse etwa 35 Haltestellen an. Während im Landkreis Rosenheim nun alle Haltepunkte bis auf einen barrierefrei umgebaut worden sind, müsse dies im Landkreis Traunstein mancherorts noch nachgeholt werden, sagte Polland in der Seebrucker Kirchner-Galerie.

Das Landkreis übergreifene Einsatzgebiet ist aus politischer Sicht bemerkenswert. Beide Landkreise beteiligen sich zu gleichen Teilen an den Kosten - den Restbetrag teilen die Gemeinden auf der Grundlage ihrer Einwohnerzahlen untereinander auf. Der Zusammenschluss der beiden Landkreis weiten Tourismusverbände - "Chiemsee Alpenland" auf Rosenheimer und "Chiemgau" auf Traunsteiner Seite, wird von Fachleuten und Leistungsträgern der Branche seit Jahren eingefordert, um die gesamte Region zu stärken Bei der kleinen Feier zum Saisonstart des Ringbusses war er einmal mehr Gesprächsthema. "Wir verstehen uns wieder ganz gut, nach einigen Irritationen vor ein paar Jahren", konstatierte Rosenheims Landrat Josef Neiderhell, für den der Chiemsee die gemeinsame Marke ist. "Er sollte auch das Bindeglied sein", stimmte Traunsteins stellvertretender Landrat Josef Konhäuser ein. Dem Gast, der zum Chiemsee fahre, seien Landkreisgrenzen zu Recht "völlig wurscht". Zur Verbands-Fusion merkte er kurz an: "Wir sind auf einem guten Weg, der fortgesetzt werden muss."

Seebrucks Bürgermeister Konrad Glück, Gastgeber der Feier, sieht im Ringbus auch ein Mittel zur "Entzerrung" des mitunter überfüllten Chiemsee-Uferwegs. So bietet seine Gemeinde zum Beispiel "Abstecher"-Möglichkeiten auf einen archäologischen Rundweg, einen Skulpturenweg und neuerdings auch einen Mühlenweg.

Zwar sind die Ringbusse mit Fahrradanhängern ausgerüstet, die jeweils bis zu 18 Drahtesel fassen können (Der Transport kostet pro Rad und Fahrt einen Euro), wird aber in der Mehrzahl von Wanderern genutzt. Rund ein Drittel der 2011 16000 Fahrgäste waren nach RVO-Angaben Radler.

Die zwölf Gemeinden von Aschau bis Übersee, die den Ringbus mitfinanzieren, können ihren Gästen dafür im Gegenzug die kostenlose Nutzung der Linie gegen Vorlage einer Kurkarte anbieten. Sie sehen in ihr auch einen Baustein im Bemühen, das "Bayerische Meer" als Radregion attraktiver zu machen. Erklärtes Ziel ist die Anerkennung des Rundwegs als "Premium-Radweg". Auf dieses Ziel sind auch die über 30 Um- und Ausbaumaßnahmen in den Anliegerorten ausgerichtet, die unter dem Dach des Abwasser- und Umweltverbandes Chiemsee koordiniert und von der Regierung von Oberbayern beratend und mit hohem finanziellen Aufwand unterstützt werden. Allein Rimsting, die Heimatgemeinde des AZV-Vorsitzenden Josef Mayer, hat in Verbesserungen auf ihrem Gebiet bisher schon 1,4 Millionen Euro investiert, wie der Bürgermeister nicht ohne Stolz bemerkte.

In Seebruck ließen alle Beteiligten keinen Zweifel daran, dass der Ringbus auch in den nächsten Jahren seine Runden drehen wird. Weil die Kooperationsvereinbarung mit dem RVO heuer ausläuft, müssen die Konditionen neu verhandelt werden. Das scheint aber nur Formsache, denn der RVO denkt schon über die bevorstehende Saison hinaus. Geschäftsführer Veit Bodenschatz versprach, dieses Pfund gut zu hegen und zu pflegen" und Polland kündigte eine noch bessere Anbindung von Zubringerlinien an, der durch die Verknüpfung von Fahrzeiten bereits Rechnung getragen wird. Demnach könnten vielleicht schon diesen Sommer RVO-Busse beispielsweise aus dem Achental zum Chiemsee ebenfalls mit Radanhängern nachgerüstet werden.

db/Chiemgau Zeitung

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