Vom Auftanz bis zum Jubiläumstanz

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Hittenkirchen - Zum dritten Mal hintereinander war das Festzelt von Hittenkirchen voll besetzt: Am Samstag wurde zum 75. Gautrachtenfest der Gauheimatabend des Chiemgau-Alpenverbandes gefeiert.

Dieser Abend war eine Demonstration, dass Brauchtum im Chiemgau und im Dorf Hittenkirchen kräftig gelebt wird und dass es eine große Zukunft und viele Freunde hat. Davon zeugten vor allem die allesamt bestens einstudierten Auftritte, der überaus zahlreiche Nachwuchs sowie das perfekte Aufspielen der rund 50 Leute starken Festmusikkapelle Wildenwart unter der Leitung von Wolfgang Kink.

Gauheimatabend in Hittenkirchen

Festvereins-Vorstand Christoph Kaufmann begrüßte zu Beginn die zahlreichen Ehrengäste, unter ihnen Vereinsmitglied und Kaplan Seppi Steindlmüller, die Landtagsabgeordneten Maria Noichl und Klaus Steiner sowie die Bürgermeister Marianne Steindlmüller aus Frasdorf, Josef Loferer aus Schleching und Jürgen Seifert aus Prien. Bernaus Bürgermeister Klaus Daiber als Schirmherr des Gaufestes erinnerte in seinem Grußwort daran, dass Hittenkirchen nach 1952, 1971 und 1986 zum vierten Male in seiner nunmehr 90jährigen Geschichte Gastgeber für das Gaufest mit Gauheimatabend ist. „Dies ist für den Trachtenverein Hittenkirchen und für die Gemeinde Bernau eine Ehre und Freude zugleich“, so der Bürgermeister und er fügte hinzu: „Die Trachtenvereine haben die Aufgabe, Bodenständigkeit, Mundart und Freude an der Tracht zu pflegen. Hittenkirchen erfüllt diese Aufgabe mit dem Trachtenheim und vielen Veranstaltungen vorbildlich“. „Solche Vereine wie den Trachtenverein Hittenkirchen brauchen wir mehr denn je“ – mit diesem Satz beendete Daiber seine Wertschätzung an die Trachtler. Alsdann begann ein lebfrisches Programm unter der fachkundigen Ansage von Zweiten Gauvorstand Michi Huber. Im ersten Teil ließen sich die seit 25 Jahren bestehenden Wildenwarter Alphornbläser (Helmut Rosenwink mit seinen Buam Helmut und Michael), die Anzwies-Musi aus Atzing und Prien, die vereinseigenen Schlosser-Dirndl mit Gesang sowie die Kleebach-Musi aus Weisham mit feiner Soatnmusi hören. Ehe der zweite Teil begann, bedankte sich in seinem Grußwort Zweiter Gauvorstand Christoph Bauer beim Patengau „Bayerischer Inngau“, beim Nachbarsgau „Gauverband I“ und beim Loisachgau für deren Besuch. Ein besonderer Willkommensgruß galt dem Verbandsvorsitzenden vom Verband der Bayerischen Trachtengaue außerhalb Bayerns, dem Gauvorstand vom Ruhr-Lippe-Gau und dem Vorstand vom Bayernverein „Einigkeit“ Dortmund e.V. Jürgen Wörl, der seit vielen Jahren Stammgast bei Chiemgauer Trachtenfesten ist. Christoph Bauer begrüßte auch die Familie Mayer vom Schusterhof in Bergen, in deren Räumen derzeit die zum vorjährigen Gaufest in Grassau erstellte und sehr lehrreiche Ausstellung „Von der Wiege zur Bahre“ gezeigt wird.

Vom Auftanz bis zum Jubiläumstanz

Das Plattler- und Tanzprogramm war einem Gauheimatabend sehr würdig. Rund 40 Dirndl und Buam der Kindergruppe zeigten den Auftanz, ebenso viele Aktive des Festvereins überraschten unter anderem mit einem neu einstudierten Stern-Kronentanz und 11 Goaßlschnalzer kamen ebenfalls vom Festverein. Ein schöner Auftritt der besonderen Art waren die Gesangs- und Tanzbeiträge einer über 40köpfigen Delegation vom Trachten- und Heimatbund Bräunlingen im Schwarzwald, mit dem der Trachtenverein Hittenkirchen seit Jahrzehnten eine aktive Freundschaft unterhält. Die Gaujugendgruppe und die Gaugruppe wiederholten ihre excellenten Auftritte vom Jubiläumsabend und bekamen auch diesmal anerkennenden Applaus, besonders für den eigens für heuer erlernten Jubiläumstanz der Gaugruppe. Deren Besetzung im nächsten Jahr entscheidet sich im übrigen in diesen Tagen im Festzelt. Am Freitag, 5. August beim abendlichen Gaudirndldrahn und am Sonntag, 7. August beim ganztägigen Gaupreisplatteln – die Besten werden dann Mitglieder der Gaugruppe 2011/2012 sein.

Eindrucksvolle Ehrung der Toten

Ehe sich die Mitglieder des Trachtenvereins Hittenkirchen und die Vorstandschaft des Chiemgau-Alpenverbandes den Feierlichkeiten des Gaufestes widmen konnten, wollten sie vorher noch einmal inne halten und fanden sich am Hittenkirchener Kapellenberg zu einer Andacht mit Vereinsmitglied und Kaplan Seppi Steindlmüller ein.

Totenehrung in Hittenkirchen

Dieser stellte zu Beginn seiner Gedanken die Frage „Warum wurde an einem der schönsten Flecken im Chiemgau und nicht in der Ortsmitte wie üblich das Kriegerdenkmal gebaut?“. Selbst gab er die Antwort als er weiters sagte: „Die Schönheit und Weite des Blickes auf Chiemsee und Bergwelt lassen die Brutalität und Enge des Krieges leichter verarbeiten. Das Denkmal ist zugleich ein Protest gegen Gewalt und das Nachdenken gibt Hoffnung auf eine göttliche Wirklichkeit, die größer ist als Krieg, Böses und Tod“. Vorstand Christoph Kaufmann vom Trachtenverein Hittenkirchen vermittelte, dass ein Jubiläumsfest einen großen Bedarf hat, um „Vergelt´s Gott“ zu sagen. Christoph Kaufmann ist der 17. Vereinsvorstand, von seinen Vorgängern lebt nur noch sein Vater Christian Kaufmann, der aufgrund seiner langjährigen Tätigkeit Ehrenvorstand des Vereins ist. „Die Vorfahren haben uns in vielfach schwierigerer Zeit vorgelebt, Brauchtum am Leben zu erhalten“, so Kaufmann, der noch daran erinnerte, dass 1921 bei der Gründung 25 Mitglieder im Verein waren und dass nach dem kriegsbedingten Zusammenbruch 1946 ein bis heute anhaltender Aufschwung mit derzeit gut 300 Vereinsmitgliedern eingeläutet wurde. Voran mit der Festmusikkapelle Wildenwart, die auch die Gedenkfeier musikalisch gestaltete, wurde dann zum Festzelt marschiert.

Chiemgauer Trachtler trafen sich zur Festversammlung

Welch enormer organisatorischer Aufwand einerseits vor einem Gaufest notwendig ist und welch großer öffentlicher Wertschätzung andererseits sich die Trachtler ob ihrer Brauchtums- und Heimatpflege erfreuen können, machte eine Festversammlung des Chiemgau-Alpenverbandes im Trachtenheim von Hittenkirchen deutlich.

Festversammlung in Hittenkirchen

Das Trachtenheim war voll besetzt von Vorständen, Vorplattlern und weiteren Vorstandsmitgliedern aus den Reihen der 23 Trachtenvereine als Landrat Josef Neiderhell zu Beginn ein Grußwort sprach. Er überreichte als Unterstützung eine Spende des Landkreises Rosenheim in Höhe von 750 Euro und machte darauf aufmerksam, dass Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer seinerseits Bedeutung und Wirken der Trachtler honorieren wird, wenn er am kommenden Dienstag, 2. August zu einer Politischen Veranstaltung der CSU ins Hittenkirchener Festzelt kommen wird. Bürgermeister Klaus Daiber würdigte die Anstrengungen der Gaufestvorbereitungen und spendierte für die Delegierten eine Brotzeit. Gauvorstand Ludwig Entfellner kündigte an, dass der Bayerische Trachtenverband im November das interessante Buch „Trachtenlandschaften Bayern“ herausgeben wird. Wie er weiter sagte, macht das Trachtenkulturzentrum im niederbayerischen Holzhausen gute Fortschritte, die nächsten Arbeitseinsätze auch mit Chiemgauer Beteiligung beginnen ab Dienstag, 16. August (Anmeldungen werden erbeten). Entfellner kündigte an, dass den wichtigen Gauverbands-Veranstaltungen „Gauball“ und „Frühjahrssingen“ neue Impulse verleiht werden sollen. Bewerber werden derzeit noch gesucht für den Gauball 2012, für das Gaudirndldrahn 2012 und für das Gaufest 2013 (2012 findet das Gaufest in Frasdorf statt). Für 2013 ist der Chiemgau-Alpenverband zum wiederholten Male Gastgeber bei der Jahrestagung des Bayerischen Trachtenverbandes (bisher waren im Chiemgau die Gemeinden Aschau und Bernau schon einmal Gastgeber). Für 2013 bewarben sich Aschau, Prien und Reit im Winkl für die Organisation und Ausrichtung der Tagung, die für zwei Tage rund 300 Leute in den Chiemgau holt. Aufgrund der guten Vorschläge und weil Reit im Winkl bislang noch nie Gastgeber war, wurde inzwischen vom Gauausschuss die Trachtler-Tagung dorthin vergeben. Ein weiteres Versammlungsthema war die Boarische Sprache. Gauvorstand Entfellner bat, den erfolgversprechenden und guten Dialog mit dem Bayerischen Rundfunk sowie mit dem Kultusministerium und mit den Schulen fortzusetzen. „Auch wenn Großstädter manchmal meinen, Trachtler seien alle über 1.800 Metern Meereshöhe geboren und haben Heidi als Schwester, so stimmt das nicht. Dialekt gewinnt immer mehr, braucht aber auch fortan eine bewusste Förderung“, so Entfellner. In der freien Aussprache dankte Priens Trachtenvorstand Klaus Löhmann der Bernauer Blaskapelle für deren passende Begleitung beim Gaugruppen-Jubiläumsabend, wofür Löhmann einstimmige Zustimmung bekam.

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