Auto-Boss in Seenot

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An diesem Bootshaus, das der ehemalige VW- und BMW-Vorstandsvorsitzende Bernd Pischetsrieder seit mehreren Jahren gepachtet hat, scheiden sich die Geister.

Breitbrunn - Dem ehemaligen Vorstandsvorsitzende von BMW und VW, Bernd Pischetsrieder, gehört seit 1990 ein Anwesen in Breitbrunn. Der Ex-Manager will dort eigentlich seinen Ruhestand genießen.

Seit über 100 Jahren steht am Ufer davor ein Bootshaus. Pischetsrieder hatte es, wie seine Vorbesitzer, von der Bayerischen Seen- und Schlösserverwaltung, der Besitzerin aller Grundstücke im Chiemsee, gepachtet. Allmählich bedurfte das Bootshaus der Reparatur. Dabei hatte es der Auto-Boss aber offensichtlich zu gut gemeint und den Bau im Jahr 2009 "runderneuert". Nur Teile des Balkenwerks und einige Grundpfosten blieben vom ursprünglichen Bauwerk bestehen.

Nun schreibt das Baurecht in solchen Fällen vor, dass bei derlei Bauten zwar Unterhaltungs- und Sanierungsmaßnahmen zulässig seien, dass sie aber nicht erneuert werden dürfen. Außerdem ist dazu vorher eine Erlaubnis einzuholen. Zwar ist die Formulierung dehnbar, aber am Bootshaus des ehemaligen Top-Managers war am Ende ganz offenbar kaum noch ein Teil des alten Bauwerks zu erkennen.

Als im Jahr 2009 das Landratsamt Traunstein den umstrittenen Ausbau eines Bootshauses im Schafwaschener Winkel überprüfte (wir berichteten), fiel auch die erneuerte Hütte an Pischetsrieders Anwesen in Breitbrunn auf. Daraufhin wurde die Einstellung der Renovierung angeordnet.

Wenige Monate später präsentierte der Bauherr aber plötzlich einen Fischer von der Fraueninsel, der dieses Bootshaus nach eigenen Angaben als Lager- und Bootseinstellplatz nutzen wollte. Weil das Landratsamt Traunstein eine nachträgliche Baugenehmigung dennoch nicht erteilte, klagte der Fischer beim Bayerischen Verwaltungsgericht, um eine Genehmigung zu erzwingen. Am Dienstag traf sich nun die 1. Kammer des Gerichtes in Pischetsrieders Anwesen, um die Situation vor Ort in Augenschein zu nehmen. Das Wetter war ansprechend, so blieb man auch gleich zur mündlichen Verhandlung auf dem Grundstück.

Dass die Renovierung nicht regelkonform geschah, war klar. Allerdings beharrte der Kläger - also der Fischer - darauf, dass seine Berufsausübung eine Nutzung dieses Bootshauses und damit dessen Renovierung rechtmäßig machen müsse. Das Landratsamt Traunstein habe deshalb die notwendige Genehmigung zu erteilen. Sein Münchener Rechtsanwalt Dr. Wilfried Niedermeier führte außerdem an, dass der Chiemseefischer über kein eigenes Bootshaus verfüge und auf Pischetsrieders Hütte angewiesen sei. Eine Baugenehmigung auf seinem Standort Fraueninsel sei so gut wie ausgeschlossen. Darüber hinaus verfüge er dort nicht über ein geeignetes Grundstück.

Der Vertreter des Landratsamtes Traunstein hielt dagegen und bezeichnete Niedermeiers Ausführungen als "doch sehr bemühte Argumente". Und der Gerichtspräsident, Dr. Harald Geiger als Vorsitzender der 1. Kammer, erklärte rundweg: "Ich glaube den Aussagen des Fischers nicht!" Zu schnell sei der Fischer auf den Plan getreten. Auch ohne eine böse Absicht zu unterstellen, könne er keine rechtliche Basis für eine Genehmigung erkennen. Darüber hinaus sei das Verfahren - selbst bei einer baurechtlichen Genehmigung - noch lange nicht über die Bühne. Offen sei nämlich immer noch die "Fauna-Flora-Habitat"-Prüfung nach europäischem Recht. Und da stünden die Chancen auf Genehmigung wohl im Promille-Bereich.

Das Urteil erging gestern und lautete erwartungsgemäß: Die Klage des Fischers wurde abgewiesen. Demnach war der Bau nicht genehmigt und wird auch nicht genehmigt.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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