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Am Beispiel der Australian Sheperds Amy und Toby aus Bad Endorf

Wie aus dem besten Freund des Menschen ein Rettungshund wird

Sabine Kriechbaumer mit Rettungshund Amy aus Bad Endorf
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Amy im Einsatz: Die achtjährige Australian-Sheperd-Hündin ist als Rettungshund ausgebildet und gehört zur Staffel der Wasserburger Johanniter. Im Hintergrund ihr Frauchen und Hunderettungsführerin Sabine Kriechbaumer aus Bad Endorf.

Sie helfen in der Not: Rettungshunde sind mit ihren sensiblen Spürnasen bei Sucheinsätzen das Mittel der Wahl. Sabine Kriechbaumer, stellvertretende Leiterin der Rettungshundestaffel bei den Wasserburger Johannitern, weiß, was es braucht, um Hund und Herrchen für den Ernstfall auszubilden.

Bad Endorf/Wasserburg am Inn - „Ob Labrador, Collie, Golden Retriever oder Australien Sheperd - im Grunde kann jeder Hund die Ausbildung zum Rettungshund absolvieren. Wir haben auch kleinere Hunde im Team“, erläutert Sabine mit einem Blick auf den fünfjährigen Toby und die achtjährige Amy, die ihren Blick treu erwidern.

Die beiden Australian Sheperds gehören zusammen mit der dritten im Bunde, Therapiehündin Pepples (12), zur Bad Endorfer Familie Kriechbaumer und sind als Rettungshunde ausgebildet. Zuletzt halfen sie eifrig bei der Suche nach der im Böhmerwald verschwundenen Julia (8), die glücklicherweise ein gutes Ende genommen hat.

„Für den Hund ist das alles ein maximaler Spaß“

„Der Australien Sheperd zum Beispiel hat eine ideale Größe für einen Rettungshund, ist wendig, gescheit und lernt schnell“, fährt Sabine fort. Wichtig sei auch, dass der Hund gerne frisst oder spielt - denn die Ausbildung zum Rettungshund erfolgt über ein rein spielerisches Training: „Mit Leckerlis wird das im kleinen Kreis aufgebaut und ausgeweitet mit Suchspielen. Dann wird die Anzeige aufgesetzt, sobald er das Ziel gefunden hat. Der Hund kann dann entweder anschlagen oder zurück zu Herrchen laufen und ihm den Weg zeigen.“

Die Grundvoraussetzung sei Sabine zufolge natürlich, dass der Vierbeiner Menschen mag: „Manche Hunde sind scheu oder ängstlich, sie eignen sich eher weniger für die Ausbildung. Für den Hund ist das alles ein maximaler Spaß. Macht er nicht gerne mit, bringt die ganze Ausbildung nichts. Da wird individuell je nach Befinden und Bedürfnissen des Hundes entschieden.“

Sabine Kriechbaumer beim Training mit ihrem Rettungshund.

Für den Hund sei die Ausbildung zum Rettungshund „super anspruchsvoll“. Daher sei es wichtig, dass der Rettungshundeführer den Hund in allen Bereichen unterstützt, ihn gut kennt und auf seine Bedürfnisse eingehen kann. Zwei Mal pro Woche wird abwechslungsreich trainiert.

„Suchen lernen die Hunde ganz schnell, das liegt schließlich in ihrer Natur. Doch das Ganze braucht Routine und Sicherheit, um im Ernstfall auch Ruhe bewahren zu können. Nervosität überträgt sich auf den Hund. Die Schwierigkeit liegt darüber hinaus auch darin, dem Hund beizubringen, dass er bei der Person ruhig sitzen bleiben soll und anzeigt, dass er sie gefunden hat. Er darf sie beispielsweise nicht mit der Pfote durch Pratzeln verletzen“, erläutert Sabine.

„Man weiß bei der Suche nie, was einen erwartet“

Sabine selbst hat 2014 angefangen bei den Maltester Rettungshunden, weil sie mit Amy „etwas Sinnvolles“ machen wollte. Im Jahr 2017 erfolgte ein kompletter Staffelwechsel zu den Johannitern Wasserburg, die Rettungshundeführer aus dem gesamten Rosenheimer Raum aufnahmen. Dort ist Sabine nun Ausbildungsleitung und leitet stellvertretend die Hundestaffel.

Sie hat schon viele Suchaktionen begleitet. Häufig handelt es sich um abgängige demente sowie suizidale Menschen oder auch einmal in den Bergen vermisste Personen. „Als Rettungshundeführer muss man natürlich auch immer davon ausgehen, dass die Person nicht mehr lebend gefunden wird und damit umgehen können. Daher ist es wichtig, sich ein persönliches Schutzschild anzulegen, das einem hilft, mit der Situation fertig zu werden. Denn man weiß bei der Suche nie, was einen erwartet.“ Tatsächlich sei es nicht die Regel und doch eher selten, dass Suchaktionen wie die nach Julia im Böhmerwald gut enden.

Erfolgserlebnisse wie dieses spornen Sabine an, weiterzumachen: „Rettungshundeführer ist man mit Leidenschaft, sonst haut das nicht hin.“ Mit ihrer Begeisterung für das Arbeiten mit den Hunden hat sie auch schon Tochter Alexandra angesteckt, die mit dem fünfjährigen Toby eingestiegen ist und zu Bayerns jüngsten Rettungshundeführerinnen zählt. „Es ist ein zeitintensives Hobby, das nicht mal eben nebenbei geht und für das man brennen muss“, betont auch die 21-jährige Alex gegenüber rosenheim24.de.

Sabine Kriechbaumer mit ihren Rettungshunden Amy (links) und Toby aus Bad Endorf.

Prüfung muss alle zwei Jahre wiederholt werden

Zweieinhalb bis drei Jahre dauert die ehrenamtliche Ausbildung von Hund und Hundeführer. Am Ende steht eine Theorie- und Praxisprüfung an, die alle zwei Jahre wiederholt werden muss. Dabei muss unter anderem im praktischen Teil ein Verweistest absolviert werden. Das bedeutet, auf 20 Meter Entfernung wird eine Person hingelegt und der Hund in seinem Verhalten beobachtet. Es folgt eine Unterordnungsprüfung und eine Suche auf einem Gebiet von 30.000 Quadratmetern, in dem das Tier zwei vermisste Personen finden muss - inklusive Einsatzlagebefragung für den Hundeführer.

„Der Umgang mit Karte, Kompass, GPS und Funk ist essentiell, um navigieren zu können“, unterstreicht Sabine. Ergänzend gebe es sanitäre Kurse, für die Anwendung Erster Hilfe-Funktionen, einen Grundlagenkurs für psychosomatische Betreuung sowie einen Katastrophenschutzkurs. „Als Hundeführer bist du immer das schwächste Bindeglied, der Vierbeiner hingegen ist schnell drin in seiner Rolle als Rettungshund.“

Bei allem Einsatz, den der Vierbeiner bringt, darf freilich nicht vergessen werden, dass es sich bei Rettungshunden um ganz normale Hunde handelt. Auch Amy und Toby toben gerne mit anderen Hunden durch die Felder, spielen Ball oder zerren an einem Seil. Und ganz nebenbei machen sie spielerisch von Zeit zu Zeit einen prima Job bei der Suche nach vermissten Menschen.

mb

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