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In Bad Endorf wird auf die Krise reagiert

Explodierende Energiepreise: Sparmaßnahmen bei Chiemgau Thermen - Das wird geschlossen

Markus Füller Chiemgau Thermen Bad Endorf Whirlpool
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Der Whirlpool der Chiemgau Thermen bleibt bis zu den Weihnachtsferien kalt und still. Geschäftsführer Markus Füller möchte mit kleinen, aber überschaubaren Einschränkungen in den Winter zu gehen.

Während das „BernaMare“ in Bernau und das „Prienavera“ in Prien überlegen, im Winter zu schließen, wollen die „Chiemgau Thermen“ in Bad Endorf grundsätzlich geöffnet bleiben. Geschäftsführer Markus Füller erklärt, mit welchen Einschränkungen müssen die Besucher rechnen müssen und was geschlossen wird.

Bad Endorf - Ein Gespräch mit Geschäftsführer Markus Füller über Energiepreise, Herausforderungen und Fachkräftemangel im OVB-Exklusivinterview:

Vor welchen Herausforderungen stehen die Chiemgau Thermen aufgrund der Energiekrise?

Markus Füller: Die Herausforderung ist, einen energieintensiven Betrieb wie den unsrigen durch die nächsten Monate zu schiffen. Mit allen Klarheiten und vielen Unklarheiten, die wir gerade haben. Wovon die größte Klarheit ist, dass die Energie ein Mehrfaches von dem kostet, was wir ursprünglich in unseren Finanzplan für 2022 eingeplant hatten. Die Herausforderung ist, das wirtschaftlich zu stemmen. Nach zwei schweren Jahren, die wir ohnehin schon durch Corona hatten. Wir wollen dem Kunden so viel Service und Zuwendung geben, dass er sich in unserem warmen Becken und mit unseren Angeboten wohlfühlen kann.

Haben die gestiegenen Energiepreise Auswirkungen auf den Besuch der Chiemgau Thermen? Müssen Sie zum Beispiel die Eintrittspreise erhöhen?

Füller: Wir haben das sehr intensiv im Haus, zusammen mit unserem Energiemanager, unserer Technik, den Abteilungen, die für den Service zuständig sind und unserem Controlling besprochen. Wir haben eine ganze Reihe von Sitzungen hinter uns und haben verschiedene Szenarien sehr genau durchgespielt. Wir sind im Endeffekt dazu gekommen, dass wir bis Jahresende auf Sicht fahren werden. Die Energiepreise bewegen sich wellenartig hoch und runter - meistens leider hoch. Wir haben uns entschlossen, bis zum Ende des Jahres von einer Erhöhung der Eintrittspreise abzusehen, auch wenn die Energiekosten derzeit ein Mehrfaches betragen. Was aber nicht heißt, dass die Eintrittspreise im kommenden Jahr nicht doch erhöht werden müssen.

 Werden Sie trotzdem Einsparungen vornehmen?

Füller: Unsere Wassertemperaturen liegen normalerweise deutlich über 30 Grad. Diese werden wir moderat absenken. Moderat heißt ein bis zwei Grad. Wir versuchen uns bei unseren Wassertemperaturen bei 31 bis 32 Grad zu bewegen. Wir können aber nicht mehr die 33 bis 34 Grad in den Außenbecken zur Verfügung stellen. Das hat damit zu tun, dass wir ab einer Temperatur von 31 Grad keine lineare, sondern eine exponentielle Steigerung des Energieverbrauchs haben. Gleichzeitig versuchen wir, viel Energie über Fernwärme zu generieren. Wir haben zudem gerade eine Photovoltaikanlage gebaut. Wir wollen so viel es geht, auf nicht-fossile Energien setzen. Was wir tatsächlich tun müssen, sind unsere größten Energieverbraucher im Außenbereich ab Dienstag bis zu den Weihnachtsferien zu schließen. Das sind der Strömungskanal und der Außenwhirlpool. Bei den Saunen versuchen wir, Energiespitzen abzufangen. Das heißt, wenig frequentierte Saunen am Morgen und am späten Abend abzuschalten. Wir haben uns für den Weg entschlossen, mit kleinen, aber überschaubaren Einschränkungen in den Winter zu gehen.

Zwei Jahre Pandemie und nun steht wieder ein unsicherer Winter an. Wie geht es den Chiemgau Thermen?

Füller: Wir haben die Corona-Zeit zusammen mit dem Thermenhotel Ströbinger Hof überraschend gut überstanden. Wir haben an vielen Punkten sehr schnell und gut geplant reagiert. Das versuchen wir erneut bei dieser Krise.

Wie sind sie im Gegensatz zur Konkurrenz aufgestellt?

Füller: Wir haben gegenüber der Konkurrenz das Angebot von warmen Außenbecken und gehen mit einem stark saunaorientierten Angeboten in den Winter. Unsere Saunameister machen wieder halbstündlich Aufgüsse und wir lassen die Lange Sauna- und Thermennacht wieder aufleben. Wir haben schöne warme Innenbecken, im Außenbereich das beliebte Relaxbecken und für hartgesottene Sportschwimmer bleibt das Aktivbecken mit rund 18 Grad - Neoprenanzug empfohlen - geöffnet. Grundsätzlich verfolgen wir natürlich sehr genau, was unsere Mitbewerber machen.

Was fordern Sie von der Politik?

Füller: Wir sind kein Spaßbad. Wir reden hier über eine Therme. Wir haben die Simssee Klinik nebenan. Wir haben viele Patienten, die unsere Angebote im Sinne einer Unterstützung ihres Therapieerfolges nutzen. Uns wäre wichtig, dass wir als Therme als systemrelevant eingestuft werden. Denn das Thema einer behördlichen Schließung, auch wenn ich persönlich nicht damit rechne, ist noch nicht generell vom Tisch. Auch in Corona-Zeiten hat uns immer wieder irritiert, dass die Thermen und Bäder als Stiefkind behandelt wurden. Wenn ich mich heute umschaue, dann sehe ich Fußballfelder mit Rasenheizung und Flutlichtanlagen. Ich weiß nicht, was das kostet und ich will nicht mit dem Finger zeigen. Ich will sagen: Man wundert sich manchmal, warum wir im Fokus stehen. Es kommt so rüber, dass, kaum passiert irgendetwas, schreit jemand, dass die Bäder geschlossen werden sollen. Wir nehmen einen gesellschaftlichen Auftrag wahr. Wir bringen Kindern das Schwimmen bei, wir sind eine Gesundheitseinrichtung. Wir versuchen ein ausgewogenes Angebot zu bieten und uns gleichzeitig in den gesellschaftlichen Kontext einzufügen. Jeder muss schauen, wo er Energie sparen kann.

Kämpfen Sie neben Corona und der Energiekrise mit Fachkräftemangel ?

Füller: Wer tut das nicht? Ich muss aber sagen, dass wir in den Corona-Zeiten unsere Mitarbeiter überzeugt haben, dass wir für sie da sind. Wir haben eine sehr geringe bis gar keine Fluktuation. Neue Arbeitskräfte auf dem Markt zu finden ist nicht leicht. Unsere Personallage ist in den Bereichen Hauswirtschaft und Gastronomie angespannt. Nebenbei bemerkt: Es sind nicht nur die Energiepreise explodiert, auch die Betriebs- und Einkaufskosten sind massiv gestiegen und nicht zuletzt entwickeln sich auch die Personalkosten nach oben.

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