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Bad Endorfer Rentner sind sauer

Sieben Strafmandate: Parkgebühren trotz Handicap beim Strandbad Breitbrunn

Helga Finsterwalder und ihr Mann Ernst Lichtnecker auf der Suche nach dem Passus, dass man als Schwerbehinderter doch ein Parkentgelt zu zahlen hat.
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Helga Finsterwalder und ihr Mann Ernst Lichtnecker auf der Suche nach dem Passus, dass man als Schwerbehinderter doch ein Parkentgelt zu zahlen hat.

Teuer bezahlen musste ein Bad Endorfer Ehepaar das Parken beim Strandbad in Breitbrunn-Stadl. Die zu 98 Prozent sehbehinderte Helga Finsterwalder und ihr Mann Ernst Lichtnecker hatten bei ihren regelmäßigen Besuchen heuer im Strandbad im Sommer übersehen, das Kleingedruckte auf den Schildern des neuen Parksystem-Anbieters zu lesen.

Breitbrunn – Schwerbehinderte dürfen dort nicht mehr wie zuvor kostenlos parken. Jetzt liegen sieben Rechnungen mit je 35 Euro auf dem Tisch. Die „Strafmandate“ landeten im Herbst im Briefkasten von Helga Finsterwalder – und zwar alle Sieben auf einmal, wie sie gegenüber den OVB-Heimatzeitungen berichtet. Absender war der Betreiber, die Avantpark – Parking Solutions Deutschland GmbH mit Sitz in München. Auf deren Internetseite wirbt das Unternehmen für digitales Parkraummanagement und einem effizienten Parkplatzbetrieb.

Früher durften Menschen mit Handicap kostenlos parken

Ernst Lichtnecker ist das neue Parksystem mit Autokennzeichen-Erkennung auf dem Parkplatz in Stadl schon aufgefallen, wie er sich erinnert. Bis dahin aber habe der vorherige Parkwächter gegenüber dem Ehepaar angegeben, dass Menschen mit Handicap ihren Wagen an den dafür ausgewiesenen Flächen kostenfrei abstellen können. Sie rechneten nicht damit, dass sich das geändert haben könnte durch die neue technische Lösung, die den Parkwächter abgelöst hatte.

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Erschrocken über die eingetroffenen Strafmandate hätten sie die Parkfläche aufgesucht und im abgedruckten Regelwerk tatsächlich den für sie wichtigen Passus gefunden, berichtet das Paar. Die beiden 80-Jährigen mussten sich laut ihrer Schilderung „fast auf den Boden legen“, um den in sehr kleiner Schrift abgedruckten Vermerk zu finden, der da lautet: „Die Regelung der Straßenverkehrsordnung zur Parkgebührenbefreiung für Menschen mit Handicap findet hier keine Anwendung.“

In einem Einschreiben an die Firma Parking Solutions habe er den Sachverhalt erklärt und um Kulanz gebeten, erzählt Lichtnecker. Bis heute wartet er auf eine Antwort. Nicht nachvollziehen kann seine Frau zudem, warum die Strafmandate für Parkverfehlungen alle auf einmal verschickt worden sind, also sieben Kuverts mit je 35 Euro. Selbst wenn sie sich nicht regelkonform verhalten habe, so Helga Finsterwalder, sei es für sie als ältere Herrschaften schwer nachzuvollziehen, warum nicht Verstoß nach Verstoß abgearbeitet werde. „So hätte man nach der ersten Verfehlung gleich reagieren und woanders parken können“, argumentiert sie.

Firma weist auf Privatparkplatz hin

Auf Nachfrage der OVB-Heimatzeitungen erklärt die Firma, dass es sich in Stadl um einen Privatparkplatz handle. An der Einfahrt werde deutlich darauf hingewiesen, dass dieser kostenpflichtig sei und dass im Falle eines Verstoßes ein erhöhtes Nutzungsentgelt in Rechnung gestellt werden könne.

Die Parkplätze für Menschen mit Behinderung, so die Antwort weiter, hätten die Beschilderung einer Reservation und nicht einer kostenfreien Nutzung.

Am Parkautomaten kann man nicht so einfach feststellen, dass Menschen mit Handicap ein Entgelt zu entrichten haben. Dazu muss man erst eine Tafel mit dem kleingeschriebenen Regelwerk aufsuchen, die sich wieder woanders befindet.

Auf eine erneute Anfrage, warum man erst sieben Mandate abgewartet habe, bevor man der Rentnerin über ihre Fehltritte informierte, antwortete die Avantpark: „Nach Einsicht in unserem System konnten wir insgesamt 23 Parkverstöße feststellen. Von diesen 23 wurden kulanterweise 16 von uns aus dem System gelöscht und sieben Parkverstöße versandt.“ Auf die Nachfrage, warum erst zwei Dutzend Verstöße angesammelt worden waren, antwortete der Parkplatzbewirtschafter nicht mehr.

Kulanterweise auf 16 Strandmandate verzichtet

Für das Endorfer Ehepaar ist es nicht nachvollziehbar, warum die Parking Solutions zwar kulanterweise von knapp zwei Dutzend auf sieben Mandate reduziert hat, aber trotzdem nicht von Anfang an eine Lösung des Problems angestrebt habe, durch die sich das Ehepaar weitere Strafen ersparen hätte können. „Was machen da Rentner mit einem kleinen Budget, die sich die Strafe vielleicht gar nicht leisten können“, so ihr Fazit.