Bad Endorfer Ortsmitte oder Ortsrand? 

Bürgerwerkstatt: Hitzige Debatte über besseren Schulstandort mit Hort

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Bei der Bürgerwerkstatt am 24. Juni informierte die Gemeinde über den Schulstandort und die Dorfentwicklung. 
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Bad Endorf - Hitzige Diskussionen bei hochsommerlichen Temperaturen fanden bei der Bürgerwerkstatt am Abend des 24. Juni im Kultursaal der Chiemgau Thermen statt. Im Fokus: Der künftige Schulstandort und die Ortsentwicklung. 

Rund 60 interessierte Bad Endorfer erschienen am Montagabend, um sich ein Bild von der aktuellen Situation, die die Gemeinde plant, zu machen. Es ging erneut um die Standortfrage für den Schulneubau in Bezug auf den am 21. Juli 2019 bevorstehenden Bürgerentscheid

Bürgermeisterin: Bestehender Schulstandort an Ortsrand "beste Voraussetzungen" 

Bad Endorfs Bürgermeisterin Doris Laban betonte die Notwendigkeit der Standortwahl für eine neue Grundschule mit Hort am Ortsrand neben den bestehenden Sport- und Freizeitanlagen. "Die Anlage beinhaltet viel Raum für Bewegung und Kreativität und das alles verbunden mit einem sicheren Schulweg. Dass diese Planung nicht die schlechteste ist, zeigt, dass der gesamte Marktgemeinderat hinter dem Projekt steht, alle Räte haben sich für den Standort in der Hans-Kögel-Straße ausgesprochen", unterstrich Laban.  

In den Augen der Bürgermeisterin brauche Bad Endorf für die Schulkinder "dringend eine neue den heutigen Anforderungen gerecht werdende geräumige Grundschule mit benachbartem Hort". Der bestehende Schulstandort mit Mittelschule und Schulsportanlagenbietet habe dafür "beste Voraussetzungen".

Bürgermeisterin Doris Laban. 

Bürgerinitiative gegen Standort am Ortsrand  

Dem entgegen steht nach wie vor die Meinung der Iniatioren der Bürgerinitiative "Grundschule und Hort in der Bad Endorfer Ortsmitte". Sprecher Robert Staber zählte die in den Augen der Initiative ausschlaggebenden Gesichtspunkte noch einmal auf. Demnach sprechen für eine Grundschule mit Hort in der Ortsmitte ein lebendiges Dorfzentrum mit Kindergarten und Schule, kurze und sichere Schulwege sowie kein Hol- und Bringverkehr durch Eltern-Taxis oder die Mehrfachnutzung des Grundschulgebäudes beispielsweise für Veranstaltungen oder als Wahllokal. Im Ort könne eine "kleine und pädagogisch moderne Grundschule" realisiert werden.  

Alle Argumente der Bürgerinitiative gegen den Standort am Ortsrand sind ausführlich auf deren Homepage aufgeführt. Das Fazit Stabers am Montagabend: "Nicht nur die Kirche, auch die Schule muss im Dorf bleiben." 

Robert Staber von der Bürgerinitiative "Grundschule und Hort in der Bad Endorfer Ortsmitte" setzt sich dafür ein, dass die Schulkinder innerorts bleiben können.

Bürgermeisterin: "Kinder brauchen eine zukunftsfähige Schule" 

Doris Laban ist da anderer Ansicht: "Wenn man die Bad Endorfer Ortsmitte und unsere dort tatsächlich vorhandenen Möglichkeiten etwas genauer betrachtet stellt man fest, dass die Fläche für eine Grundschule mit Hort viel zu klein ist - auch in Hinblick auf verpflichtende Abstandsflächen zum Nachbarn und bestehende Durchfahrtsrechte für Dritte." 

Würde der Neubau in der Ortsmitte entstehen würde mitunter die Qualität der Schulen leiden oder andere wichtige öffentliche Aufgaben blieben auf der Strecke. "Kinder brauchen ein Lernumfeld, das sie fördert und stark macht Kinder brauchen eine zukunftsfähige Schule, keine Miniaturausführung, die zudem nicht erweiterbar ist", unterstreicht die Bürgermeisterin. 

Durch das bereits vorhandene Grundstück am Ortsrand und dort vorhandene nutzbare Synergien könne die Gemeinde laut Laban "gute Qualität zu einem bezahlbaren Preis bieten". ´

Städteplaner: Entwicklung Bad Endorfs bliebe mit Schulstandort im Dorf auf der Strecke 

Die Planungsgruppe Strasser stellte im Anschluss nochmals den Entwurf der Schullandschaft an der Hans-Kögl-Straße vor. Es wurde darauf verwiesen, dass das mit den Nutzern abgestimmte und von der Schulaufsichtsbehörde geforderte Raumprogramm für eine Schule dieser Größe von der Regierung von Oberbayern als "sinnvoll und förderfähig" angesehen und mit mehr als den beantragten Flächen unterstützt werde. Der Förderbescheid mit Zusage liege vor. 

Auch die Machbarkeitsstudie für Grundschule mit Hort in der Ortsmitte auf dem dafür möglichen Grundstück hinter der Raiffeisenbank und Varianten wurde erneut vorgestellt. 

Bürgermeisterin Doris Laban (rechts) informierte die Bürger über die Vorhaben der Gemeinde Bad Endorf. 

Professor Martin Schirmer, Architekt und Stadtplaner, hat sich die Situation in Bad Endorf in punkto Ortsentwicklung vom Kirchplatz über die neue Mitte bis zur Bahnhofstraße genauer angesehen und ein mögliches Konzept in Form eines Masterplans erstellt. 

Darin enthalten sind auch sozial verträgliche Wohnungen, die die Gemeinde langfristig realisieren möchte, sowie das Zusammenspiel von Gewerbetreibenden, Gastronomie und Wohnen

Der Städteplaner kam zu dem Ergebnis, dass ein gemeinsamer Schulstandort in der Ortsmitte der Marktgemeinde mit den damit verbundenen Risiken nicht zu bewältigen sei. Der innerörtliche Standort sei nicht finanzierbar. Zudem bliebe Bad Endorfs Entwicklung mit einem Schulstandort in der Ortsmitte für die nächsten Jahrzehnte auf der Strecke. 

Entschärfung der Kreuzung Wasserburger/Landinger Straße geplant 

Abschließend ließ es sich Gemeindegeschäftsleiter Martin Mühlnickel, über das in seinen Augen "wichtige Thema Schulwegplanung und Verbesserung der Sicherheit" zu informieren. Die Marktgemeinde sei drauf und dran, Verbesserungen zu erwirken. So sei eine Verlängerung der Ampelschaltzeit am Kirchplatz bereits beantragt. Derzeit werde sie bereits umprogrammiert. Weitere kleineren Maßnahmen wie Rückschnitt von Sträuchern, Erneuerung von verblichenen Schildern sowie Unebenheiten in Gehwegen und Bordsteinkanten sollen in naher Zukunft Stück für Stück umgesetzt werden. 

Die gefährlichste Stelle Bad Endorfs, die Kreuzung der Wasserburger Straße und der Landinger Straße mit dem Bahnübergang der Lokalbahn, soll langfristig umgestaltet werden - unter anderem stand im Raum, die Kreuzstraße als Einbahnstraße auszuweisen.

Martin Mühlnickel bei der Vorstellung, wie die Kreuzung Wasserburger/Landinger Straße langfristig entschärft werden könnte. 

Am Ende der Bürgerwerkstatt, bei der die Bad Endorfer noch explizit Informationen von den Verantwortlichen bekommen konnten, stand fest, dass viele Fragen weiter offen sind und Zweifel gerade bei betroffenen Eltern in Bezug auf den besseren Schulstandort bleiben. Auf welche Seite sich die Bad Endorfer schlagen, zeigt sich beim Bürgerentscheid am 21. Juli. 

mb

Quelle: rosenheim24.de

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