Ärzte informierten sich in Bad Endorf über neue Konzepte

„Hausarzt 4.0 – Arbeitswelten in Landarztpraxen“

Bad Endorf - Immer mehr Landarztpraxen müssen schließen, weil sie keinen Nachfolger finden, der die Praxis übernehmen möchte. Über die Zukunft der Landärzte wurde bei einer Veranstaltung diskutiert.

Qualität und Verfügbarkeit der hausärztlichen Versorgung trotz des demographischen Wandels in Zukunft aufrecht zu erhalten ist eine der Herausforderungen des Gesundheitswesens. In der Veranstaltung „Hausarzt 4.0 – Arbeitswelten in Landarztpraxen“ wurden Wege der Gestaltung der Berufsausübung aufgezeigt, die einen Ausgleich zwischen den Interessen der Patienten und der Bedürfnisse, die der Arzt als Mensch hat, ermöglichen. Die Veranstaltung war eine Kooperation zwischen der Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis im aerzteHAUS Bad Endorf und der Gesundheitsregionplus Landkreis Rosenheim.

"Es gibt einen Generationenwechsel"

Gitte Händel, Leitung der Geschäftsstelle der Gesundheitsregionplus Landkreis Rosenheim, begrüßte die Referenten und Teilnehmer und zeigte sich erfreut, dass sich mit dem aerzteHaus Bad Endorf ein innovatives Versorgungsmodell vorstellt, das bayernweit Vorbildcharakter hat.

Der Leiter des Kommunalbüro für die ärztliche Versorgung in Nürnberg Gunnar Geuter verdeutlichte in seinem Referat, welchem Wandel die Hausärztlichen Versorgungsstrukturen aktuell unterliegen: „Es gibt einen Generationenwechsel und mit den Generationen ändern sich die Vorstellungen darüber, wie man als Arzt tätig sein will.“ Die Tätigkeit als Einzelkämpfer mit Einzelpraxis wird zunehmend unattraktiv. Stattdessen werden kooperative Formen der Berufsausübung gewünscht. Denn der Zusammenschluss mehrerer Ärzte in einer Praxisgemeinschaft erlaubt es, Familie und Beruf besser zu vereinbaren unter anderem durch flexible Beschäftigungsverhältnisse auch im Angestelltenverhältnis und in Teilzeit.

Bezugsärztesystem gibt Patienten Sicherheit

Wie das praktisch gestaltet werden kann, zeigten dann Dr. Ulla Thomas-Cuntz und Dr. Wolfgang Prokop am Beispiel ihrer Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis im aerzteHAUS Bad Endorf auf. Es ist entscheidend, ein Vertrauensverhältnis aufzubauen, zum einen innerhalb des Praxisteams und zum anderen im Verhältnis zu den Patienten. Beispielsweise stellt ein Bezugsärztesystem weitgehend sicher, dass ein Patient vom selben Arzt, bzw. derselben Ärztin behandelt wird. Davon profitieren beide Seiten: Die Ärzte und Angestellten durch Arbeitszeiten, die ihre Gesundheit und ihre lebensphasenbezogenen Bedürfnisse befriedigen, sowie die Patienten durch längere Öffnungszeiten und die Sicherheit, immer in derselben Praxis behandelt zu werden, auch wenn der eigene Bezugsarzt krank oder in Urlaub ist.

So kann eine reibungslose Praxisübergabe funktionieren

Dr. Dieter Kutschker, Mitglied im Vorstand des Ärztlichen Kreisverbands Rosenheim und Seniorpartner in einer Gemeinschaftspraxis ermahnte seine Kollegen in den Einzelpraxen, rechtzeitig mit der Ruhestandsplanung zu beginnen und sich schrittweise aus dem Arbeitsleben zurück zu ziehen. Dann, so zeigt sein Beispiel und das anderer Kollegen, ist eine reibungslose Übergabe möglich und Praxis und der Kassensitz bleiben erhalten. Mögliche Gehaltsverluste in dieser Übergangszeit lassen sich zum Beispiel über die Teilrente aus der finanziell gut abgesicherten Ärzteversorgung ausgleichen.

In den anschließenden Fokusrunden wurde das Konzept der Hausärztlichen Gemeinschaftspraxis im aerzteHAUS Bad Endorf und die Möglichkeiten der Gestaltung der Arbeitswelten vertieft dargestellt und diskutiert. Da jede Altersgruppe von der Phase der Weiterbildung bis zum Ruhestand bei den teilnehmenden Ärztinnen und Ärzten vertreten war, gab es einen intensiven Austausch zwischen Erfahrungen und Bedarfen, der fortgesetzt werden soll.

Pressemeldung Landratsamt Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / Stephan Janse

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