Bekannte Kleinkunstbühne wegen Corona im Leerlauf

Kramerwirt Hemhof im Interview: Droht dem Hubbi das Aus?

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Hubbi Schlemer vom Kramerwirt in Hemhof bei Bad Endorf.

Landkreis Rosenheim – Kramerwirt Hemhof im Interview: Wie geht es dem Hubbi? Wie ist die Zukunft der Kleinkunstbühne?

Den Kramerwirt in Hemhof bei Bad Endorf kennen eigentlich alle nur als „Hubbi“, benannt nach seinem Betreiber Hubert Schlemer. Seit mehr als dreißig Jahren ist das über 500 Jahre alte Wirtshaus nicht nur Wirtsstube sondern vor allem eine Kleinkunstbühne. Viele Größen wie Michael Mittermeier, Luise Kinseher, Helmut Schleich, Michael Altinger, Christine Eixenberger oder Christian Springer haben hier schon gespielt. Nun ist die Bühne aufgrund der Corona-Pandemie im Leerlauf. Es herrscht Ernüchterung im Haus des „Herrn der Räusche“. Wie kritisch ist die Situation?


Hubbi, Du musstest Wirtsstube und Bühne schließen, was voraussichtlich auch noch andauern wird. Wie geht es Dir momentan wirtschaftlich und persönlich? Ist es "noch machbar", wie Du im März geschrieben hast oder ist die Existenz längerfristig evtl. bedroht? 

Die Psyche leidet noch nicht, danke der Nachfrage, mein Konto schmilzt allerdings bedenklich - Fixkosten sind Fixkosten, der Warenbestand wird auch nicht besser. Die Zeit vergeht mir zu schnell und - was könnte nicht alles passieren bei diesem herrlichen Wetter - geschäftlich wie privat.


Wie bedenklich ist denn die Situation, wenn Du das sagen möchtest? Der Verein zur Erhaltung der Bayerischen Wirtshauskultur (VEBWK) hat ja gerade einen Hilferuf veröffentlicht und befürchtet ein Wirtshaussterben nie gekannten Ausmaßes. Droht dem Hubbi längerfristig das Aus? 

Das kann ich nicht so einfach beantworten, es ist eine Frage der Zeit und der Umgewöhnung. Wenn rechtzeitig wieder Normalbedingungen herrschen, dann könnte es gut gehen. Rechtzeitig ist vage, zwei weitere Monate könnten aber schon zu viel sein. Es ist ja auch nicht klar, ob das gewillte Publikum gleich seine Ängste vergisst und frischfröhlich zu alten Gewohnheiten übergeht. Ich persönlich hätt´ schon noch Lust auf ein paar Jahre Bierbank und kulturelle Freude.

Staatliche Hilfen wurden beschlossen. Kannst Du hier finanzielle Unterstützung bekommen? Und ist das alles wirklich so einfach wie vom Ministerium dargestellt? 

Ich hab s beantragt, von der Landesregierung schaut´s gut aus, vom Bund eher nicht. Bei ersterem Antrag ging alles leicht, bei zweiterem, der nur online möglich war, wurde bei korrektem Eintrag über bereits beantragte Hilfe immer der Fehler "kein gültiger Dezimalwert" angezeigt. Man musste was Verkehrtes reinschreiben, dass man ihn überhaupt absenden konnte.

In Deinem letzten Newsletter schreibst Du: "Es wird sich was ändern, draußen, wie in einem selber auch, ob dauerhaft, das zeigt sich." Wie ist Deine Prognose? 

Ich hoffe sehr, dass sich im näheren Umfeld nichts ändert, hab aber, grad´ was Nähe betrifft, leichte Zweifel. Neue Ängste entstehen. Für mich persönlich ist es einfach mal was anderes, keine Termine, kein Alkohol, keine Menschen. Faul sein ist schön, auch noch auszuhalten, dennoch, wenn sich was rührt, wenn gefeiert werden kann, das macht schon Spaß. Für die Umwelt ist die momentane Situation gut, wenn das ins tiefe Bewusstsein der Menschheit dringen, sich unterbewusst verankern könnte, dann hätt´ das "Jetzt" auch was Positives. Auch das wenige Miteinander gefällt mir, die Freundes- und Nachbarschaftshilfe, ob daraus eine Tendenz wird, darf sich zeigen.

Wie nutzt Du die Zeit momentan? Können wir uns wieder auf ein neues Buch oder Theaterstück freuen? 

Ich habe eine seit geraumer fällige Schulter-OP machen lassen, die mich drei Monate außer Gefecht setzt. Dazu plagt mich ein Fersensporn, ich bin also nicht nur durch Bestimmungen dazu verdammt, untätig zu sein. Sollte die Mobilität vor der Normalisierung des Tagesablaufs eintreten, dann könnt´s schon passieren, dass zu ersten Ansätzen, die ich bei zwei, drei möglichen Projekten habe, noch ein bisschen was dazu kommt.

Du wirst also nicht renovieren und danach gibt es einen hippen Hubbi 2.0 mit Smoothies und Quinoabällchen? 

Das geht nicht, ich kann momentan gar nix machen. Körper und Hirn halten da eng zusammen, beide sind gleichermaßen lethargisch, da passt kein Quinobällchen dazwischen.

Du kennst ja viele Musiker und Künstler. Wie ist da die Stimmung derzeit? Welche Auswirkungen wird die aktuelle Situation Deiner Ansicht nach langfristig auf die Szene haben? 

Ich hab momentan nicht allzu viel Kontakt zu Künstlern, bekomme aber mit, dass sie vermehrt das Netz nutzen. Die Auswirkungen sind unterschiedlich, bei den meisten wird sich nicht viel ändern, einiges muss natürlich aufgeschoben werden. Bei den Künstlern, bei denen es von Haus aus sehr eng ist oder die grad´ auf den Sprung zur künstlerischen Selbstständigkeit waren, könnte die Krise entscheidend dazu beitragen sich Alternativen suchen zu müssen.

Wie wird sich die kritische Situation auf das spätere Programm auswirken? Werden sich KünstlerInnen evtl. an größeren, lukrativeren Bühnen orientieren um die Verluste wett zu machen? 

Man kann sich natürlich an größeren Bühnen versuchen, die wollen aber auch gefüllt sein. Dazu glaub ich, dass da dann ja wieder jeder spielen will, jeder vortragende Künstler ist heiß, das Gedränge dürfte groß werden. Ausweichen auf größere Bühnen also eher nicht. Es gibt viele Bühnen in unterschiedlichen Größen, als Künstler weiß man irgendwann, was einem taugt - um sich selber auszuprobieren, um auch selber Spaß zu haben, um Geld zu verdienen - ich glaube zu meinen, dass die Künstler, die diese Krise bewältigen können, danach nicht anders agieren als zuvor.

Vielen Dank für das Interview, Hubbi!

Christian Eder

Quelle: rosenheim24.de

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