Fassaden-Streit: Rat jetzt ratlos

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Die Ansichten über die Metallverkleidung des Rewe-Lebensmittelmarktes drifteten unter den Kommunalpolitikern weit auseinander. Trotz kontroverser und langer Diskussion kam es aber nach drei Abstimmungen zu keinem abschließenden Ergebnis, wie es weiter gehen soll.

Bad Endorf - Der neue Rewe-Markt hat eine Metallfassade, die so mit der Gemeinde nicht abgesprochen war. Aber was tun? Der Gemeinderat ist ratlos:

In der Februar-Sitzung beschäftigte sich der Bad Endorfer Gemeinderat fast eine Stunde lang lang mit dem viel diskutierten Thema "Fassadengestaltung" des Rewe-Lebensmittelmarktes an der Traunsteiner Straße. Am Ende der intensiven Sacherörterung sprach sich das Plenum zwar mehrheitlich gegen einen kompletten Rückbau der Metallfassade aus, wie aber das weitere Vorgehen von statten gehen soll, blieb unklar. Grund hierfür waren fraktionsübergreifende Unstimmigkeiten über die Art und Weise des Rückbaus. Keine der beiden Alternativlösungen erhielt eine Mehrheit.

Eingangs der Sacherörterung stellte Bürgermeisterin Gudrun Unverdorben klar, dass die jetzige Fassadengestaltung so nicht mit der Gemeindeverwaltung abgesprochen gewesen sei, obwohl dies Bestandteil des Bebauungsplanes ist. Geschäftsstellenleiter Matthias Maier erläuterte daraufhin dem Plenum die beiden vom Bauherrn vorgeschlagenen Rückbauvarianten. Beide sehen einen Teilrückbau der Metallflächen ab der seitlichen Wandhöhe vor. Der Unterschied hierbei ist, dass die kleinere Variante nur den Rückbau zur Traunsteiner Straße (im Norden) und die größere zusätzlich noch Rückbauten an der südwestlichen Schmalseite vorsieht. Nach diesen einleitenden Worten entwickelte sich eine teils emotionale Diskussion. Dabei betonte EFL-Rat Martin Lauber, dass seiner Ansicht nach das jetzige Erscheinungsbild des Rewe-Marktes jeglichen Gestaltungsvarianten widerspreche. Erwin Freese, ÜWG, bewertete sichtlich aufgebracht die Bauausführung als "absolut schlechten Start" für den Lebensmittelmarkt: "Wenn es nach mir ginge, sollte er dafür Jahre lang die Endorfer Tafel unterstützen." SPD-Rat Walter Kindermann sprach sich dafür aus, die komplette Metallverkleidung zur Traunsteiner Straße hin zurückzubauen: "So etwas geht nicht, und schon gar nicht im Ortskern." CSU-Rätin Bettina Scharold äußerte ihr Unverständnis für die Missachtung jeglicher gemeindlicher Vorgaben. Für sie war primär die Fassadenänderung zur Traunsteiner Straße ein Thema. Zudem lehnte sie die beiden Lösungsvarianten komplett ab. Dies sah Andreas Krug, ÜWG, wiederum anders. Er bewertete beide Lösungen als anwendbar. SPD-Rat Hieronymus Stockinger argumentierte: "Wenn das Blech ganz weg kommt, haben wir auf der großen Fläche nur eine weiße Putzmauer. Wenn die Wand aber je zur Hälfte aus Blech und Putz besteht, haben wir einen harmonischen Strukturwechsel." Mit dieser Variante konnte sich auch Martin Lauber anfreunden. Demgegenüber vertrat Christof Schlaipfer, CSU, eine andere und härtere Linie. Er stellte klar, dass bei einem großen Markt Zugeständnisse gemacht werden, wo hingegen bei kleineren Privatbauten schon mal mit dem Wort "Abriss" gedroht werde: "Wir sind hier in der Endorfer Ortsmitte, so geht das einfach nicht." Josef Meder gab die Schuldfrage an den Planer weiter und stellte die Frage in den Raum: "Wir sollten überlegen, was uns ein Rückbau mit Streitigkeiten bringt." ÜWG-Rat Hans Kottiers sah das Problem ursächlich bei den individuell unterschiedlichen Geschmäckern und der Tatsache, dass Baupläne oft anders aussehen als das, was dann in der Realität vor einem steht.

Nach knapp einer Stunde Sacherörterung stimmte das Plenum im ersten Schritt mit 11:7 mehrheitlich gegen einen kompletten Rückbau. Nachdem bei der zweiten Abstimmung die erste Rückbauvariante durchfiel, entbrannte eine fraktionsübergreifende Diskussion über das generelle Abstimmungsprocedere. Nach längerem hin und her wurde schließlich über die zweite Lösungsvariante abgestimmt. Dieser Vorschlag kam mit einer 9:9 Patt-Situation aber auch nicht durch. Am Ende stand somit nur fest, dass es keinen kompletten Rückbau geben werde. Wie es aber weitergehen soll, blieb unbeantwortet. Der Rat wird sich wohl in einer der nächsten Sitzungen noch einmal mit dem Thema befassen müssen.

tn/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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