Junges Mädchen kippt in Bad Endorf auf offener Straße um - und niemand hilft

Lebensretterin Stefanie (32) schockiert: „Alle haben bewusst weggesehen“

Stefanie Kracher leistete kollabiertem Mädchen mitten in Bad Endorf am Bahnhof erste Hilfe
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An dieser Stelle auf Höhe des Zebrastreifens gegenüber der Eisdiele am Bad Endorfer Bahnhof kollabierte am vergangenen Samstag ein Mädchen. Stefanie Kracher (32) leistete ohne Zögern erste Hilfe - als Einzige.

Bad Endorf - Ein 17-jähriges Mädchen kollabiert an einem Samstagmorgen am Bahnhof zwischen Gehweg und Straße. Keiner kommt, um ihr zu helfen - bis auf Stefanie Kracher, die keine Sekunde zögert und sofort Erste Hilfe leistet. Vom Verhalten ihrer Mitmenschen aber ist die junge Pflegerin mehr als entsetzt.

Was war geschehen? Stefanie Kracher arbeitet beim ambulanten Pflegedienst „Mayer-Reif-Scheck“ in Prien und war an jenem Samstag (19. September) gerade unterwegs zu Patienten in Halfing. „Auf der Rückkehr - es war noch früher Morgen, circa 8 Uhr - kam ich durch Bad Endorf, als plötzlich vor mir ein junges Mädchen am Straßenrand umgekippt ist. Das war auf der gegenüberliegenden Seite der Eisboutique am Bahnhof auf Höhe des Zebrastreifens. Ich bin natürlich gleich stehen geblieben mit Warnblinkanlage und mit meiner Notfalltasche hingelaufen, um zu helfen.“


Das 17-jährige Mädchen habe sich übergeben, sei kurzzeitig nicht ansprechbar gewesen. Stefanie hat sie stabilisiert und den Rettungsdienst gerufen. Der war schnell vor Ort war und hat das Mädchen ins nächste Krankenhaus gebracht. „Ich weiß nicht genau, was ihr letztlich gefehlt hat, womöglich war sie nur im Unterzucker. Aber es hätte ja auch ein epileptischer Anfall gewesen sein können. Man weiß ja im Vorfeld nicht, weshalb jemand auf einmal kollabiert", schildert die 32-Jährige aus Siegsdorf im Gespräch mit rosenheim24.de den Vorfall im Ortskern von Bad Endorf.


Mädchen kollabiert mitten in Bad Endorf: Lebensretterin entsetzt über Verhalten der Mitmenschen

Es war viel los an diesem Samstag am Bahnhof, mindestens 20 Passanten sind an den beiden vorbeigelaufen - doch stehen geblieben ist keiner. „Es hat mir niemand geholfen“, erzählt Stefanie und ihre Stimme stockt kurz. „Die nachfolgenden Autos haben sogar noch einen Bogen ausgefahren, weil das Mädchen halb auf der Straße lag. Die Fußgänger sind einfach zum Bahnhof gelaufen, ohne auch nur einmal zu fragen, ob man helfen kann. Hauptsache, die Maske noch weiter ins Gesicht ziehen und weitergehen, als sei nichts geschehen. Corona macht wohl blind.“

Für die 32-Jährige stand es außer Frage, nicht lange zu zögern und sofort Erste Hilfe zu leisten. Sie kann nicht verstehen, weshalb niemand sonst auf diese Idee gekommen ist: „Das gibt's doch nicht, dass die Leute einfach vorbeigehen. Ich habe sie beobachtet, alle haben bewusst weggesehen, sich umgedreht - ich war richtig schockiert von dem Verhalten. Hätte es sich um deren Tochter gehandelt, dann wäre das Drama groß gewesen. Aber so, bei einem fremden Mädchen, hat es einfach keinen interessiert", sagt Stefanie resigniert.

Fehlende Verantwortung, fehlende Nächstenliebe, fehlendes Pflichtbewusstsein. Stefanies Appell: Die Leute möchten ein bisserl mehr Rücksicht auf ihr Umfeld und die Mitmenschen nehmen und sich gegenseitig helfen, wenn Not am Mann ist. „Trifft es einen selber, ist man ja auch auf Hilfe angewiesen. Aber wenn jeder so rücksichtslos denkt und handelt, wie ich es jetzt erlebt habe, dann weiß ich nicht, wohin das führt", betont die Siegsdorferin abschließend.

mb

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