Zehn Jahre Gas für 20.000 Haushalte

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Rund 200 Interessierte waren in die Endorfer Seif-Halle gekommen, um sich zu informieren.

Bad Endorf - Zu einem Info-Abend über die geplanten Gasbohrungen am und unterm Langbürgner See hatten die Grünen eingeladen. Fast 200 Interessierte nutzten die Gelegenheit.

Zu einem Info-Abend über die geplanten Gasbohrungen am und unterm Langbürgner See hatten die Grünen aus Bad Endorf eingeladen, und fast 200 Interessierte nutzten in der Endorfer Seif-Halle die Gelegenheit, sich über den Stand der Dinge, die Perspektiven und Alternativen zu informieren.

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Die Grünen strikt gegen Erdgasbohrung

Den Auftakt machten die Vertreter der "Bürgerinitiative gegen Gasbohren", die sich seit dem Bekanntwerden der Pläne der österreichischen RAG im Oktober des vergangenen Jahres vehement gegen das Vorhaben wehrt und die Öffentlichkeit dagegen mobilisiert. Sepp Unterhauser und Gerhard Kolbeck erinnerten daran, wie unerwartet schnell die Protestwelle angewachsen sei, nachdem bekannt geworden war, dass möglicherweise das Naturschutz- und Trinkwasserschutzgebiet östlich des Langbürgner Sees bedroht sein könnte. Bürgerversammlungen, Fernseh-Livesendungen, Gespräche im Bürgerdialog mit der RAG, 6000 Unterschriften unter eine Protesterklärung, 4000 Unterschriften für eine Petition an den Landtag und Gespräche mit Politikern aller Fraktionen, so bilanziert die Bürgerinitiative ihre bisherige Arbeit. Da schien es allen angemessen, dass Moderator Jörg Freiberg sie als "wichtigsten Akteur" im Protest gegen die Gasbohrungen bezeichnete.

Demonstration am Langbürgner See

Und auch Professor Otto Siebeck, früher Leiter der Limnologischen Forschungsstelle Seeon, lobte die Bürgerinitiative, die sich dem Schutz des einzigartigen Naturschutzgebietes verschrieben habe. Eindrücklich erinnerte "der Vater des Naturschutzes", so Freiberg, daran, dass vor 20 Jahren damit begonnen wurde, für die beiden Naturschutzgebiete Eggstätt-Hemhofer Seenplatte und das Seeoner Naturschutzgebiet eine gemeinsame besondere Schutzwürdigkeit zu garantieren. Mit dem europäischen Schutzstatus Natura 2000 für den Biotop-Verbund sei das zwar erreicht worden, aber diese Ausgangssituation müsse nun "aktiv verteidigt werden". Nur 3,6 Prozent der Fläche Deutschlands stünden unter Naturschutz, der müsse dann aber auch respektiert werden. "Die Logik des Kapitals zeigt sich jeden Tag und überall, die Logik der Natur müssen wir in Ruhe lassen", appellierte Siebeck.

Einen ergänzenden Blickwinkel brachte der Referent Ulrich Rosinger ein. Der Geschäftsführer der Bürger Energie Bad Endorf (BEBE) zeigte am Beispiel des Nahwärme-Netzes in Bad Endorf, wie eine Gemeinde die Energiewende gestalten könne. Mit Biomasse wird dort ein Nahwärmenetz entstehen, in dem Energie erzeugt, eingesammelt und verteilt wird - und das wirtschaftlich rentabel, mit Bürgerbeteiligung und kommunaler Unterstützung, so der Referent.

In der folgenden Diskussion waren erneuerbare Energien allerdings seltener Thema, hauptsächlich ging es um das konkrete Erdgasprojekt am Langbürgner See. Zunächst gingen viele Fragen an die Bohrfirma: Als Gesprächspartner war für die RAG der Geologe Ralph Hinsch gekommen. Dieser zeigte Verständnis für die Sorgen der Bürger; er liebe auch die Natur, glaube aber, "dass meine Firma die Sache sehr sauber macht". Risiken, die mit den tiefen Bohrungen verbunden sein könnten, sehe er als Fachmann nicht, da das vermutete Gas so weit unter dem See sei, dass keine Gefahr davon ausgehe: "Von da unten kommt nichts mehr durch." Und auch bei dem kleingemahlenen Material, das mit der Bohrung aus dem Untergrund nach oben befördert werde, bestehe keine Gefahr: "Geologen vor Ort prüften es gelegentlich sogar per Zungenprobe." Der Skepsis der Bohrgegner, warum das Projekt überhaupt betrieben werde, wenn doch das vermutete Bohrvorkommen nur so groß sei wie der Gasbedarf in Deutschland für einen einzigen Tag, stellte er die Alternativrechnung entgegen: Damit könne man zehn Jahre lang 20000 Haushalte in der Region versorgen. Das sei immerhin auch ein regionales Energiekonzept.

Zahlreiche Teilnehmer wiesen darauf hin, dass es letztlich um die politische Willensbildung gehe. "Wer entscheidet eigentlich über das Energiekonzept in der Region? Eine Firma oder das Bergamt", fasste der Moderator die Fragen im Publikum zusammen.

Als Teil einer Antwort forderte die Initiative alle Bürger dazu auf, an der Verhandlung des Petitionsausschusses, voraussichtlich am 8. März in München, teilzunehmen. Da gelte es, Präsenz zu zeigen. Aber auch nach dem Projekt am Langbürgner See sei die Arbeit nicht getan: Es müsse dringend das veraltete Bergrecht geändert werden.

püh/Oberbayerisches Volksblatt

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Quelle: rosenheim24.de

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