Mit der Bahn fing alles an

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Die Ausstellung "Ein Ort entwickelt sich" eröffneten (von links) Kreisheimatpfleger Karl Aß, Zweite Bürgermeisterin Renate Hof und Friedrich von Daumiller, der Vorsitzende des Kulturfördervereins.

Prien - "Ein Ort entwickelt sich" heißt die aktuelle Ausstellung in den neuen Räumen des Heimatmuseums. Und der Untertitel "150 Jahre Eisenbahn in Prien" verrät...

...dass die Marktgemeinde dank der Eisenbahnstrecke München-Salzburg einen wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und kulturellen Aufschwung erfuhr.

Auf zwei Stockwerken ist die Rückschau auf diese 150 Jahre zu sehen. Die Ausstellungsstücke reichen von Ölbildern, Holzstichen und Fotografien bis hin zum Priener Hut, einer "Glaserkraxe" von 1870 und Ziegeln aus der Priener Ziegelei von 1880.

Bei der Ausstellungseröffnung zitierte Zweite Bürgermeisterin Renate Hof aus einer Beschreibung des "Gräflich Preysingschen Herrschafts-Gerichtes", die im Jahre 1841 in München erschienen war: "Der Flecken Prien am Flüsschen des gleichen Namens zählt 58 Häuser und 250 Einwohner. Durch Landstraßen steht er mit Rosenheim, der Straße zwischen München und Salzburg sowie mit Bernau in Verbindung." Die uralte Hauptstraße von München nach Salzburg verlief damals über die Posthaltestelle Weisham bei Eggstätt. Somit lag Prien über Jahrhunderte hinweg abseits der wichtigen Verkehrsstrecken.

Das änderte sich schlagartig mit der Anbindung Priens an die Eisenbahnstrecke München-Salzburg und somit an internationale Eisenbahnverbindungen im Jahre 1860. Bereits im gleichen Jahr wurde eine Poststelle im Gasthaus "Bayerischer Hof" eröffnet, ein Jahr später kam ein königliches Notariat hinzu, 1975 wurde das erste Rathaus eingeweiht, 1877 die neue Schule eröffnet und ab 1878 fuhr die Regionalbahn von Prien nach Aschau.

Rund um den Ortskern entstanden neue Anwesen und städtische Villen sowie Handwerkerbetriebe vor allem im Ortsteil Gries. Nach und nach wurde Prien ein zentraler Standort im südöstlichen Oberbayern mit kommunalen Projekten in Wirtschaft und Tourismus, im Schulbereich und im Straßenbau. "Die gute Infrastruktur mit Schulen, Krankenhäusern, Ärzten, Seniorenheimen, Sozialeinrichtungen und Vereinen hat aus Prien das gemacht, was es heute ist", stellte Hof fest.

Als Vorsitzender des Kulturfördervereins Prien erinnerte Dr. Friedrich von Daumiller daran, dass mit dem Beginn der Chiemseeschifffahrt im Jahre 1845 das kulturelle Leben in Prien und Umgebung seinen Anfang genommen habe. Auf der Fraueninsel sei eine Künstlerkolonie entstanden, die sich auch in Prien und um den Chiemsee herum ausgebreitet habe.

Einer der Vernissage-Gäste war Ehrenbürger Franz Seebauer. Er hatte als Bürgermeister jahrzehntelang die Entwicklung Priens mitgestaltet. Neben Paul Paulus ist Seebauer auch das älteste Mitglied des Kulturfördervereins Prien. Während von Daumiller Seebauer seine Wünsche zum bevorstehenden 97. Geburtstag persönlich übermitteln konnte, unterschrieben die Besucher der Ausstellungseröffnung den Glückwunsch der Gemeinde an Paulus, der am 1. August seinen 95. Geburtstag feierte.

"Ein Ort entwickelt sich" ist auch eine Hommage an den Fotografen Günther Berger. Denn der Rückblick in die Heimatgeschichte basiert auf einer Ausstellung von ihm und seiner Tochter Anita, die bereits 2001 im Rathaus zu sehen war.

Geöffnet ist die Ausstellung "Ein Ort entwickelt sich" unter der Federführung von Kreisheimatpfleger Karl Aß bis 24. Oktober mittwochs bis samstags von 10 bis 12 und 14 bis 17 Uhr.

gf/Chiemgau-Zeitung

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