Bahn kennt keine Gnade

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Weil sie ein paar Minuten überzogen, knöpfte die Bahn jetzt drei jungen Burschen den letzten Cent ab.

Rosenheim/Landkreis (OVB) - Den Pendlern und Reisenden bleibt nichts anderes übrig: Sie müssen die Verspätungen der Bahn zähneknirschend schlucken. Doch wenn ihre Kunden einmal ein paar Minuten überziehen, dann ist die Bahn gnadenlos. **Dossier: Schwarzfahren**

Diese bittere Erfahrung mussten jetzt drei junge Burschen aus Rohrdorf machen. Der Zugbegleiter kannte kein Pardon, behandelte sie wie Schwarzfahrer und knöpfte ihnen den letzten Cent ab - obwohl das Trio mit einer gültigen Fahrkarte in den Zug gestiegen war.

Dossier: „Schwarzfahren“

Weil sie sich am Samstagabend ins Münchner Nachtleben stürzen und dabei etwas trinken wollten, beschlossen die drei Rohrdorfer, das Auto stehen zu lassen. Sie kauften sich für 20 Euro ein Nacht-Bayernticket der Bahn - gültig von 18 bis 7 Uhr am Sonntagfrüh. Nach der Zechtour nahmen sie am Ostbahnhof gleich den ersten Zug zurück nach Rosenheim. Planmäßige Abfahrt: 6.46 Uhr.

Das böse Erwachen gab es bei der Kontrolle der Fahrausweise durch den Zugbegleiter auf Höhe von Ostermünchen. Da war es 7.12 Uhr - und das Nachtticket nicht mehr gültig, wie der Schaffner seine jungen Fahrgäste belehrte. "Aber wir hatten mit unserem Nachtticket doch keine Wahl, als in diesen Zug zu steigen. Wir wären gern schon früher zurückgefahren, aber um 6 Uhr gibt es noch keine Verbindung", schilderten sie dem Zugbegleiter ihre Situation.

Doch der Mann mit dem Fahrkartenzwicker hatte dafür kein Verständnis. Weil der Zug erst um 7.26 Uhr in Rosenheim ankam, die Rohrdorfer also 26 Minuten überzogen, behandelte er sie wie Schwarzfahrer. Von jedem der Burschen wollte er 40 Euro Strafe. Doch 120 Euro bekamen die drei Freunde nicht mehr zusammen: "Wir haben ja fast alles in den Lokalen gelassen." So kratzten sie 45 Euro und 10 Cent zusammen, die der Zugbegleiter von den "Schwarzfahrern" haben wollte.

Der Kontrolleur habe sich korrekt verhalten, teilte gestern eine Bahn-Sprecherin auf Anfrage unserer Zeitung mit. Entscheidend bei Fahrkarten mit Zeitbegrenzung sei nicht die Abfahrt, sondern die Ankunft. Und im Zug könne man jetzt kein Ticket mehr nachträglich lösen. "Aber dann kann die Bahn das Nachtticket gleich abschaffen, wenn am nächsten Morgen keine Züge fahren", klagt einer der drei "Schwarzfahrer".

Zudem hatten die jungen Männer den Eindruck, der Zugbegleiter habe sie bewusst erst nach 7 Uhr kontrolliert, um sie abzukassieren: "Anfangs ist er an uns vorbeigelaufen. Hätte er sich den Fahrschein vor Grafing angeschaut und uns aufgeklärt, hätten wir reagieren können." So bleibt ihnen nur der Rat, sich gerade beim Kauf von Spezial-Tickets genau zu informieren. Auf die Nachsicht der Bahn könne man jedenfalls nicht hoffen.

Ludwig Simeth (Oberbayerisches Volksblatt)

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