Umgestaltung des Priener Bahnhofsareals

+

Prien -  "Teestube" und "Wirbelwind" haben den Besitzer gewechselt. Die Häuser, in denen Jugendtreff und Caritas-Kinderhort untergebracht sind, gehören jetzt dem Markt Prien.

Ende 2008 hetzten die Mitglieder der Bürgerwerkstatt Bahnhof von Treffen zu Treffen - fast wie Bahnreisende, die Angst haben, den Zug zu verpassen. Es pressierte, denn die zweite Bahnhofskonferenz im Frühjahr 2009 war schon anberaumt. Dort sollten und wollten Verantwortliche aller Beteiligten Eckpunkte der Planung abstecken. Das taten sie dann auch und waren sich in zentralen Fragen grundsätzlich einig, versicherten sie seinerzeit unisono nach der Tagung hinter verschlossenen Türen.

Damals klang es so, als könnte manches schnell gehen. Aber schon die Verzögerungen beim Bau von zwei Aufzügen zu den Bahnsteigen ließen ahnen, dass noch viel Wasser durch die Prien fließen würde, bevor aus Visionen Wirklichkeit wird - wenn überhaupt. Ursprünglich einmal für 2009 angekündigt, begann der Bau im Frühjahr 2010. Der erste Lift am Bahnsteig 1 soll nun in diesem Monat in Betrieb gehen. Die Fertigstellung des zweiten Aufzugs, der eine barrierefreie Verbindung zu den Gleisen 2 und 3 herstellen soll, wo die überregionalen Züge halten, hatte ein Bahnsprecher zuletzt bis zum Jahresende angekündigt. Dagegen wurde die ursprünglich für heuer anvisierte Sanierung des historischen, aber nicht denkmalgeschützten Dachs über den Bahnsteigen auf 2011 verschoben.

Grundstücke sichern die Planungshoheit

Diese Maßnahmen sollen aber erst der Anfang sein. Fernziel ist die Umgestaltung des gesamten Areals zwischen Seestraße und Sparkasse. Um Planungshoheit zu gewinnen, das Gelände also nach ihren Vorstellungen umstrukturieren zu können, muss die Gemeinde über die Grundstücke verfügen. So hat sie mit dem Kauf des Kinderhorts letztlich vor allem auch einem Wunsch der Eltern entsprochen, den Hort in Bahnhofsnähe zu belassen. Andernfalls hätte gar der Abrisss des Gebäudes drohen können.

Um das Areal zwischen Bahnhofsgebäude und Seestraße nach eigenen Vorstellungen überplanen zu können, fehlt dem Markt Prien noch der Parkplatz nördlich des Bahnhofs. Dafür liege der "Aurelis", einer Tochtergesellschaft der Bahn, die deren Grundstücke vermarktet, ein aus Sicht der Gemeinde "vernünftiges" Angebot vor, sagte Bürgermeister Jürgen Seifert im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung. Er zeigte sich zuversichtlich, dass hier bald eine Einigung erzielt werden können. Dann gebe es "keinen kommerziellen Zwang mehr, wir haben dann Gestaltungsfreiheit". Wenn es nach Seifert geht, soll der eigentliche Bahnhofsplatz einmal "von niedrigen Gebäuden umrahmt" werden. Mehrgeschossige Bauten, wie sie nördlich des Bahnhofs noch im ersten Entwurf des Rimstinger Architekten Fabian Zimmermann, der im In- und Ausland Bahnhöfe plant, enthalten waren, könnten damit vom Tisch sein.

Ein Dreh- und Angelpunkt des Gesamtkonzepts ist der Vorplatz des Bahnhofsgebäudes, der bisher hauptsächlich als Parkplatz dient. Manche Vorschläge, auch aus der Bürgerwerkstatt, sehen ihn als verkehrsfreien Platz mit einem Brunnen in der Mitte vor. Dieses Grundstück gehört der Gemeinde bisher noch nicht, auch Verhandlungen über einen Kauf wurden noch nicht geführt.

Trotzdem möchte Seifert möglichst noch heuer das Großprojekt im Marktgemeinderat erneut zum Thema machen und den Architekten mit einer Neuplanung beauftragen, in der sich die Wünsche von Kommunalpolitik und Bürgerschaft besser widerspiegeln.

Überplanung heuer wird angestrebt

Bei allen Hoffnungen auf einen moderneren Bahnhof mit Busbahnhof samt überdachtem Warteraum und vielleicht sogar einem Parkdeck dämpft Seifert aber die Erwartungen auf eine schnelle Umsetzung aller Ideen. "So schön das wäre, aber irgendwann sind die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde erschöpft."

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser