„Balkonstreit“ geht weiter

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der zu weit in den Straßenraum hineinragende Balkon erhitzt seit knapp einem Jahr die Gemüter in der kleinen Ortschaft Roitham in der Gemeinde Seeon-Seebruck.

Seeon-Seebruck – Ein Durchfahrts-Beschränkungsschild hätte den seit knapp einem Jahr andauernden „Balkonstreit“ in Roitham ein Ende setzen können - hätte! **Jetzt mit Video**

Damit wäre aber nach Ansicht der Gemeinde Seeon-Seebruck das Problem im Almweg nicht gelöst worden: Deshalb lehnte der Bauausschuss in seiner Sitzung am Montagabend den Vorschlag des Landratsamtes Traunstein, die Verkehrssicherheit durch die Aufstellung eines entsprechenden Vorschriftszeichens zur Durchfahrtsbeschränkung sicherzustellen, einstimmig ab.

Alle höheren Fahrzeuge, wie Rettungsund Räumfahrzeuge oder größere landwirtschaftliche Fahrzeuge hätten die öffentliche Gemeindestraße nicht mehr passieren können.

Die Anordnung eines Höhenbeschränkungsschildes wäre nach Ansicht der Gemeindeverwaltung nicht zielführend gewesen und hätte einer Umorganisation bedurft, die zu einem zeitlichen Mehraufwand und Mehrkosten geführt hätte. So hätten beispielsweise beim Winterdienst kleinere Fahrzeuge eingesetzt werden müssen, um am „Corpus Delicti, einen zu weit in den Straßenraum hineinragenden Balkon“, vorbeizukommen.

Die alternative Zufahrt in Richtung „Gruber Alm“ scheidet nach Ansicht der Verwaltung aus, weil diese in einen Privatweg mündet. Die Argumentation wurde auch vom Bauausschussgremium ohne längere Diskussion mitgetragen und Bürgermeister Konrad Glück begrüßte die Entscheidung.

Weniger erfreut über die Entscheidung des Gremiums waren die betroffenen Hausbesitzer, die das Haus – in dem sich früher ein Dorf- Kramerladen befand – energetisch saniert und in ein schmuckes Häuschen umgestalteten. Wie die Besitzer am Rande der Sitzung gegenüber der Chiemgau-Zeitung erklärten, werden sie in „keinster Weise klein beigeben und notfalls vor Gericht ziehen". Ihren Aussagen zufolge "sind die Fahrzeuge vor dem Ausbau vorbeigekommen und tun es auch jetzt“.

Trotz mehrfacher Aufforderung durch die Gemeinde weigern sich die Eigentümer bis heute, den Balkon zurückzubauen. Der Balkon sei so gebaut worden, wie er im Eingabeplan eingezeichnet und auch genehmigt worden sei, argumentieren sie.

Video: Der "Balkonstreit bei "quer"

Neuer Balkon nicht genehmigt

Wie sich aber bei einer Überprüfung eines Baukontrolleurs des Landratsamtes Traunstein im November letzten Jahres herausgestellt hat, wäre der Balkon genehmigungspflichtig gewesen. „Der neue Balkon stellt eine genehmigungspflichtige, aber nicht genehmigte Anlage dar. Die zuletzt erteilte Baugenehmigung zur Erweiterung und Änderung des Wohnhauses hatte den Balkon nicht zum Antragsgegenstand“, heißt es in dem Antwortschreiben des Landratsamtes an die Gemeinde.

So gesehen handelt es sich nach Aussagen der Verwaltung bei dem Balkon „ganz klar um einen Schwarzbau“, dessen nachträgliche Genehmigungspflicht nach Angaben des Landratsamtes jetzt zu prüfen sei. Um zur Genehmigungsfähigkeit zu kommen, müsse zunächst die aus polizeilicher Sicht gegebene Gefährdung der Sicherheit des öffentlichen Verkehrs für Fahrzeuge ab einer bestimmten Höhe ausgeräumt werden können, schreibt das Landratsamt weiter. Dies könnte bei der vom Baukontrolleur festgestellten Durchfahrtshöhe von 2,97 Metern erreicht werden, in dem die Gemeinde ein Durchfahrtsverbot für höhere Fahrzeuge durch das Aufstellen eines Vorschriftszeichens an der Gefahrenstelle anordnet.

Da der Bauausschuss diesen Vorschlag aber nicht mitträgt und dies dem Landratsamt unverzüglich mitteilen will, wird der „Balkonstreit“ – der im Herbst auch schon landesweit durch die Medien ging – voraussichtlich per Gericht entschieden.

ga/Chiemgau-Zeitung

Zurück zur Übersicht: Chiemsee

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser