Vom Banker zum Priester

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Seine Nachprimiz feiert Neupriester Robert Baumgartner in übersee.

Übersee - Wenn der Neupriester Robert Baumgartner am Samstag, 11. Juli, um 19 Uhr in der Pfarrkirche Sankt Nikolaus in übersee mit einer festlichen Messe seine Nachprimiz feiert, liegt schon ein bewegtes und wechselhaftes Leben hinter dem knapp 40-Jährigen.

Zuletzt als Filialleiter einer Sparkasse beschäftigt, war er bereits in ein bürgerliches Leben eingebunden, ehe er über den so genannten "dritten Bildungsweg" dem Ruf zum Altar folgte.

Seine Jugend verbrachte der in Fridolfing geborene Neupriester zusammen mit seinen fünf Geschwistern in einem liebevollen Elternhaus daheim in Törring. Als er 15 Jahre alt war, erlitt er mit dem frühen Tod des Vaters einen schweren Schicksalsschlag.

Nach dem Realschulabschluss in Traunstein absolvierte er bei der Kreissparkasse Traunstein-Trostberg eine dreijährige Banklehre, ehe er bei den Gebirgsjägern in Bad Reichenhall seine Militärzeit ableistete. Durch die anschließende weitere Ausbildung bei der Sparkasse zum Fachwirt kletterte er die Karriereleiter empor und war zuletzt vier Jahre lang Geschäftsstellenleiter in Palling.

Der Entscheidung, seinem Leben zu diesem Zeitpunkt eine grundlegende Wende zu geben, lag kein Schlüsselerlebnis zu Grunde. Es war eher ein längerer Prozess. "Schon als Ministrant, später als Pfarrgemeinderat und Kirchenpfleger in meiner Heimatgemeinde Törring war ich schon immer ins kirchliche Leben eingebunden", erzählt Baumgartner. Die überlegung, selbst Priester zu werden, habe er aber immer irgendwie verdrängt und auf die Seite geschoben.

Schließlich sei diese Frage aber immer lauter geworden. "Selbst in dieser Phase war ich noch der Meinung, dass man eines Tages aufwacht und genau weiß, was zu tun ist", gesteht der vor kurzem geweihte Neupriester. In dieser Zeit der inneren Umorientierung half ihm ein Gespräch mit einem Priester. Statt auf ein äußeres Zeichen zu warten, riet der ihm, sich selbst eine Entscheidungsfrist aufzuerlegen.

Baumgartner gab sich ein halbes Jahr. In dieser Zeit wurde ihm klar, "dass Geld nicht den Stellenwert hat, der uns immer weisgemacht wird." Auch die Erkenntnis, dass er Menschen in Not mehr geben wolle als eine Kontenbereinigung oder einen Kredit, wurde für ihn zu einem Entscheidungsfaktor.

Hinzu kam bei dem damals bereits 34-Jährigen die Befürchtung, dass es irgendwann zu spät sein könnte. So lautet denn auch sein Primizspruch "Suchet den Herrn, solange er sich finden lässt". Zu Baumgartners überraschung reagierte seine Familie äußerst gelassen: "Die hatten meine Entscheidung schon viel früher erwartet."

Baumgartner absolvierte dann von 2003 bis 2007 das Studium der katholischen Theologie am Studienhaus St. Lambert in Lantershofen bei Bonn. Bei diesem so genannten "dritten Ausbildungsweg für Spätberufene" wird kein Abitur, wohl aber eine abgeschlossene Berufsausbildung und ein Mindestalter von 25 Jahren verlangt. Das straff durchorganisierte Studium dauert vier Jahre und ist in zwölf Trimester eingeteilt. Die sehr praktisch ausgerichtete Ausbildung vermittelt laut Baumgartner zwar eine katholische Theologie, die weltweit Voraussetzung für die Priesterweihe ist, aber beispielsweise nur Grundkenntnisse in Latein und Griechisch verlangt. "Für mich war diese Ausbildung in dem größten interdiözesanen Seminar Deutschlands genau der richtige Weg", so der frisch gebackene Priester.

Nach dem Studium wurde Baumgartner zur zweijährigen praktischen Ausbildung nach übersee geschickt. Als "Pfarrlehrling" lernte er hier, zu predigen sowie Religionsunterricht und Andachten zu halten. Nach einem Jahr wurde er zum Diakon geweiht und konnte in übersee Taufen, Trauungen und Beerdigungen abhalten. Der so genannte "Pastoralkurs" in übersee endete für Baumgartner am 27. Juni mit der Priesterweihe durch Erzbischof Dr. Reinhard Marx im Dom zu Freising.

Gab es in den letzten sechs Jahren nie Zweifel, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben? "Natürlich habe ich mich das auch immer mal wieder gefragt", räumt der Neupriester ein. "Aber ich bin mir sicher, dass Gott mich haben wollte und mein Leben bestimmt."

Und wie steht es mit dem Wunsch nach einer eigenen Familie? "Ich fühle mich in meiner großen Familie mit meinen Geschwistern und sieben Nichten und Neffen sehr aufgehoben. Außerdem sehe ich auch die Pfarrei als Familie, für die ich Verantwortung trage", versichert Baumgartner. Dass seine Entscheidung für Gott auch Verzicht bedeutet, darüber sei er mit sich im Reinen.

Die vergangenen zwei Jahre in übersee hat sich der bald 40-Jährige nach eigenen Worten sehr wohl gefühlt. Vor allem die Aufnahmebereitschaft und Offenheit der Leute machten ihm den Abschied nicht leicht. Als eines der überwältigendsten Erlebnisse in übersee schildert Baumgartner das Miterleben eines Adventsgottesdienstes als aktives Chormitglied von der Empore des "Achental Domes". Auch die Firmung und die Wallfahrten seien für ihn unvergesslich gewesen.

Vom 1. bis 15. August ist der Primiziant zur Urlaubsvertretung in übersee eingeteilt worden. Seine erste Kap-lanstelle führt ihn dann ab September in die Pfarrei Sankt Martin, Moosach, in den Norden Münchens. "Obwohl ich eher ein Landmensch bin, freue ich mich riesig auf die Herausforderung, denn ich habe noch nie in einer Stadt gelebt." Nach drei Jahren als Kaplan könnte sich Baumgartner dann um eine eigene Pfarrstelle bewerben.

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