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Jamaika-Aus! Lindners FDP bricht Verhandlungen ab - Seehofer dankt Merkel

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Basis fordert den Schulterschluss

Seebruck/Chiemsee - Ist die notwendige Vernetzung der Orte um den Chiemsee noch vorhanden, ist die Region als Urlaubsgebiet zukunftsfähig? Daran zweifeln viele Touristiker aus der Region.

Viele, deren Existenz eng mit dem Tourismus rund um das Bayerische Meer verknüpft ist, melden derzeit erhebliche Zweifel an. Fachleute von der Basis, also Hoteliers und andere Vermieter, Bootsverleiher, Fischer und Tourenanbieter trafen sich auf der MS "Michael" zum Meinungsaustausch.

Initiatoren des Fachgesprächs waren Klaus Löhmann, Marketing-Leiter der Chiemsee-Schifffahrt, und Heinz Wallner, Inhaber des Gasthofs "Zur Post" in Chieming.

Ausgangspunkt der "derzeitigen unbefriedigenden Lage" sei die Auflösung des Chiemsee Tourismusverbands und die daraus hervorgehende Aufspaltung in die Verbände Chiemsee Alpenland Tourismus für den Landkreis Rosenheim sowie Chiemgau Tourismus für den Landkreis Traunstein. Dies, so Löhmann in seinen einführenden Worten, lasse den "an sich untragbaren Zustand einer Landkreisgrenze mitten durch den See offenkundig zum Problem werden. Diese Orientierung an den Landkreisgrenzen ist falsch. Es ist kaum mehr möglich, eine gemeinsame Chiemseevermarktung voranzutreiben oder politische Entscheidungen gemeinsam anzustoßen".

Vielmehr müsse man die Vielfalt beider Landkreise nutzen und eine einheitliche Strategie entwickeln. Maßgeblich müssten nicht die politischen Grenzen, sondern die Gästesicht sein.

Carolin Velten, Betreiberin des Hotels und Landgasthofs Lambach, stellte die durchaus gute Zusammenarbeit mit Anbietern des Landkreises Rosenheim dar, bemängelte jedoch ebenfalls, dass in vielen Dingen die Unterstützung fehle. So würde beispielsweise das Ferienjournal ab 2012 nicht mehr aufgelegt, für die Gäste ein wichtiges Informationsmedium.

"Wir müssen vor allem auch am Angebot arbeiten", gab der Besitzer von Gut Ising, Konstantin Magalow, zu bedenken, unterstützt durch Klaus Wiesner und Christoph Tacke vom Yachthotel Prien. "Was erwartet den Urlauber, der Ruhe und Ausgleich sucht, bei uns? Viele Autos, großer Lärm, kaum erkennbare Angebote zur Freizeitgestaltung, noch weniger Angebote für die Jugend und eine ausgeprägte Tourismusfeindlichkeit der Bevölkerung." Hier gelte es, mit einer Stimme aufzutreten um vor allem die politischen Voraussetzungen für die richtige Weichenstellung zu schaffen. Werbeaktionen müssten gebündelt werden und zum Beispiel Radwege einheitlich beschildert werden. Dies sei, so die Meinung aller Beteiligten, durch die Umstrukturierung in zwei Tourismusverbände nicht realisierbar.

Ebenso müssten diejenigen Anbieter unterstützt werden, die nicht am Alten festhalten, sondern den Mut hätten, neue Wege zu gehen, um so den Tourismus von der Basis her zu stärken, ergänzte Georg Niedermaier aus Seebruck ein, der seit kurzem Wanderreiten und Bogenschießen im Angebot hat. Diese Meinung unterstützten auch Anne Greilhuber aus Übersee und Josef Wiesholler aus Chieming. "Unsere Neuinvestitionen kommen gut an und sind absolut notwendig, um wettbewerbsfähig zu bleiben und die erforderlich Klassifizierung zu erreichen. "Überall wo die Qualität stimmt, läuft's auch" stimmte Christl Stefanutti zu, Anbieterin von Urlaub auf dem Bauernhof. Jedoch ließen es die Vermieter häufig an Flexibilität vermissen, und nähmen auf Kurzurlauber keine Rücksicht.

Interessant waren die Ausführungen von Oliver Parker, der als Veranstalter mit seiner Firma "Parker Outdoor" nach eigener Schilderung immer wieder auf Probleme stößt, große Gruppen von Reisenden unterbringen zu können. Ebenso vermisse er eine angemessene Präsentation der Region. "Dies ist in anderen Regionen weitaus besser gelöst."

Heinrich Wallner, Betreiber des "Oberwirts" und Gemeinderat in Chieming, gab Einblicke in das Thema aus kommunalpolitischer Sicht. "Die Tourismusverbände werden von den angeschlossenen Gemeinden finanziert". Im Falle des Chiemgau-Verbandes belaufe sich die Summe auf zirka eine Million Euro jährlich. Jede Weiterfinanzierung müsse also, so Wallner, in den Gemeinderäten beschlossen werden. Vor dem Hintergrund der Aufspaltung des ehemaligen Chiemsee-Tourismus-Verbandes könne es, zumindest aus Sicht der Chieminger, durchaus Probleme geben.

"Uns fehlt eine schlagkräftige Einheit, hier müssen wir von der Basis aus gegensteuern und unsere Schlagkraft erhöhen", forderte Wallner.

Dem Staat, so der Vorsitzende der Bootsverleiher am Chiemsee, Josef Mangstl, sei es egal, ob es gut oder schlecht liefe in der Tourismusbranche. "Die Abgaben und mitunter Pachten für die Nutzung des Sees und der Seegrundstücke müssen entrichtet werden, auch wenn eine Saison verregnet ist, da können wir eine schlechte Vermarktung von Verbandsseite schon gar nicht gebrauchen, wo als Resultat dann Gäste nicht kommen."

Hier Verbesserungen für die gesamte Region Chiemsee auf den Weg zu bringen sei Aufgabe von Profis in einem Gesamt-Verband, der sich nicht an Landkreisgrenzen orientiert.

Somit stand abschließend die Frage im Raum, den Chiemsee-Tourismusverband wieder aufleben zu lassen, um den Stellenwert der Region wieder auf das gebührende Niveau zu heben und vom Alleinstellungsmerkmal des Bayerischen Meeres zu profitieren.

Chiemgau-Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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