"Faironika" wird Model

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Mit "Faironika" auf Kundenfang: MVS-Geschäftsführer Jakob Niedermaier präsentiert die neue Marke.

Landkreis/Freising – Die schwarz-rot-goldene Kuh "Faironika" war bislang nur ein Zeichen des Protestes. Jetzt wird sie zum Model auf den Milch-Packungen der "Fairen Milch".

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Oberbayerischen Volksblatt:

BDM-Milch im Supermarkt

Bislang war „Faironika“, die schwarz-rot-goldene Kuh, mit der der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) gegen den niedrigen Milchpreis protestiert, nur an Straßenrändern und Hofeinfahrten zu finden.

Seit gestern hat sie es als Markenlabel ins Supermarktregal geschafft: Unter dem Namen „Die faire Milch“ wird in Rewe-Märkten H-Milch angeboten, die den Landwirten einen Milchpreis von 40 Cent pro Liter garantiert.

Lange hat der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) über Molkereien, Politik und Einzelhandel geklagt, jetzt nehmen die rebellischen Milchbauern die Sache selbst in die Hand. „Die Faire Milch“ heißt ihre neu entwickelte Marke, die seit gestern in Rewe-Supermärkten zu haben ist. Die H-Milch mit „Faironika“ auf der Verpackung und mit einem Fettgehalt von 1,8 und 3,8 Prozent kostet 89 und 99 Cent – deutlich mehr als Billigmilch, aber auf einem vergleichbaren Preisniveau wie andere Qualitätsmarken. Dafür können sich die Verbraucher sicher sein, dass der liefernde Milchbauer 40 Cent für einen Liter Milch erhält. Zunächst ist die Marke in den 1200 süddeutschen Rewe-Märkten erhältlich.

Auf den Markt gebracht wird „Die Faire Milch“ von der Milchvermarktung Süddeutschland (MVS) mit Sitz in Pfaffing im Kreis Rosenheim. Bislang ist das Unternehmen, das von 160 Milchbauern beliefert wird, nur als Zwischenhändler aufgetreten. Jährlich verkaufte die MVS, die eine Geschäftsstelle in Freising unterhält, rund 40 Millionen Kilogramm Milch an Molkereien, vor allem nach Italien. Aus dem Landkreis Rosenheim liefern nur eine Hand voll Milchbauern aus Neubeuern und Berbling ihre Milch bei der MVS ab.

Als Gesellschafter der MVS fungieren der BDM sowie der Verein „Freie Bauern e.V.“ Dahinter verbergen sich 440 Landwirte, vor allem aus dem Kreis Rosenheim, aber auch aus dem Bereich Ebersberg, die gemeinsam ein landwirtschaftliches Lagerhaus in Rott unterhalten.

Mitgründer und Geschäftsführer der MVS ist der Rosenheimer BDM-Kreisvorsitzende Jakob Niedermaier aus Rott. „Die Marke gehört dem BDM“, erläutert er das Geschäftsmodell. Für die Nutzung zahle die MVS eine Lizenzgebühr.

Laut Niedermaier ist „Die Faire Milch“ nichts weniger als eine Systemänderung. „Bislang hatten die Bauern weder Einfluss auf das Produkt, noch auf den Milchpreis“, so Niedermaier. Nun wird die Preisfindung erstmals von hinten aufgezäumt: Der Milchbauer bekommt 40 Cent pro Liter und kann damit kostendeckend produzieren. Dieser Preis plus Nebenkosten wie Lizenzgebühr, Verpackung, Abfüllung und Transport ergibt schließlich den Preis, zu dem die Milch an den Einzelhandel abgegeben wird.

Die Resonanz auf das neue Angebot stimmt den Geschäftsführer optimistisch: „Die Nachfrage ist gewaltig, obwohl die Milch bislang ja gar nicht zu kaufen war.“ Das Angebot bei Rewe soll nur ein erster Schritt sein. Nach Niedermaiers Angaben laufen vielversprechende Verhandlungen mit einer weiteren Supermarkt-Kette sowie Großabnehmern in Hotellerie und Gastronomie. Künftig sollen weitere Milchprodukte wie Butter, Joghurt oder Quark folgen.

Auch gebe es Anfragen von Milchbauern, die gerne an die MVS liefern würden. „Das geht aber nicht so schnell, denn die Betriebe müssen erst zertifiziert werden“, so Niedermaier. Die Auflagen der MVS sind streng: Die Kühe erhalten vorwiegend Grünfutter und es wird auch nur gentechnikfreies Futter verwendet.

Abgefüllt wird die Milch im Auftrag der MVS in einer hessischen Molkerei. Die langen Fahrwege ließen sich nicht vermeiden: „Trotz intensiver Suche haben wir keine bayerische Molkerei gefunden, die das übernehmen wollte“, so Niedermaier.

Klaus Kuhn/Oberbayerisches Volksblatt

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