„Bedarf zu 150 Prozent abgedeckt“

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Prien - Mit der Zusage eines Holzlieferanten, der Hackschnitzel zu großen Teilen aus dem Landkreis Rosenheim bezieht, ist der Bedarf für das geplante Holzheizkraftwerk mehr als gedeckt.

Das hat die Marktgemeinde am Donnerstag in einer Pressemitteilung bekanntgegeben. „Mehrere Lieferanten haben der Biowärme Hackschnitzellieferungen zugesichert, sodass 150 Prozent der benötigten Rohstoffmenge gesichert sind“, sagte Bürgermeister Jürgen Seifert im Vorfeld des letzten Infoabends der Gemeinde gestern Abend im großen Kursaal. Ein Teil des zugesagten Holzes werde derzeit noch nach Österreich exportiert.

Dr. Hubert Röder, der in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Holzlieferverträge aushandelt, erklärte, dass das Projekt nur dann wirtschaftlich darstellbar sei, wenn der Rohstoff aus einem Umkreis von höchstens 100 Kilometern stamme. Die Transportkosten würden sonst zu hoch. Dass kein zusätzlicher Baum für das HHKW in Prien gefällt werden müsse, habe Forstamtsrat Anton Resch aus Traunstein bestätigt, heißt es in der Pressemitteilung.

Auch Vertreter aller Gemeinderatsfraktionen kündigten gestern an, beim Infoabend nochmals Stellung beziehen zu wollen. Energiereferent Michael Schlosser wies darauf hin, dass Öl und Gas bereits sehr knapp geworden seien, was sich in extrem hohen Preisen niederschlage. Seine Vision sei ein „energieautarkes Prien, eine Mustergemeinde für erneuerbare Energien“.

Peter Fischer (ÜWG), empfahl den Bau eines HHKW. „Ich als Landwirt lebe von dem Grundsatz ,Aus der Natur, für die Natur‘, dass immer nur soviel verbraucht wird, wie nachwächst.“ Dieses Prinzip greife auch beim HHKW.

Thomas Ganter (SPD) wies ausdrücklich auf die Vereinbarkeit von Energieeinsparung und einem Nahwärmeanschluss hin. Er zog den Vergleich mit den Strom- und Wasserleitungen. „Auch bei der Biowärme ergänzen sich Anschluss und die Möglichkeit zur Einsparung, sie schließen sich nicht aus.“

Die Bürger für Prien (BfP) hatten sich schon vor drei Jahren in einer Veranstaltung erstmals für ein autarkes Prien durch die Versorgung mit regenerativen Energien stark gemacht. „Wir wollen, dass für alle unsere Bürger ein Heizkraftwerk gebaut wird, als Einstieg in eine kommunale Versorgung mit erneuerbaren Energien zu bezahlbaren Preisen“, bekräftigte gestern Werner Waap.

Joachim Bensemann (Freie Wähler) wies auf die höhere Transportsicherheit von Hackschnitzeln im Vergleich zu Öl hin. Gefahrenguttransporte durch den Ort könnten minimiert werden.

Günter Stampfl, Fraktionsvorsitzender von „Mehr Demokratie für Prien“, betonte, dass bei Priener Großabnehmern dringender Handlungsbedarf bestehe. Durch die vorliegenden Absichtserklärungen von Kliniken, Schulen, gewerblichen und gemeindeeigenen Abnehmern ergebe sich schon heute eine hohe Auslastung der Anlage. Er hoffe, dass viele Kleinabnehmer diesem Beispiel folgen. Sie könnten so bares Geld für die Heizung ihres Hauses sparen.

Zweite Bürgermeisterin Renate Hof (CSU) untermauerte die Entschlossenheit des gesamten Marktgemeinderates, die Energiewende in Prien einzuleiten, von der alle profitieren könnten. Die CSU-Fraktion stehe hinter dieser Maßnahme, neben Solarenergie solle die Bereitstellung verschiedener nachhaltiger Energien gefördert werden. „Wir wollen, dass die Dynamik der Energiefrage nach dem Tag X weitergeht. Diese Frage soll nicht das Ende, sondern der Anfang sein.“

Die leitenden Ingenieure Reinhard Brodrecht und Stefan Schubert machten noch einmal deutlich, dass die Anlage im Vergleich zu anderen Nahwärmeprojekten sehr effizient sei. Die Leitungsverluste befänden sich auf einem sehr geringen Niveau, da durch die Großkunden ganzjährig ein hoher Warmwasserbedarf vorhanden sei. Durch die hohe Auslastung lohne sich bei dem HHKW auch die Produktion von Strom. Durch den Einbau modernster Filtertechnik würden wesentlich weniger Emissionen ausgestoßen, als dies mit Einzelheizungen der Fall sei.

Abschließend bekräftigte Seifert, dass es keine Beteiligung von Großkonzernen geben werde. Die Bürger könnten sich finanziell beteiligen, so dass die Anlage immer in eigener Hand bleiben werde. Durch die bisherigen Anschlusszusagen und schriftlichen Absichtserklärungen von Großabnehmern und kommunalen Objekten wären bereits 61 Prozent des kalkulierten Gesamtwärmebedarfs gedeckt. „Eine positive Wirtschaftlichkeit wäre damit gegeben“, so Seifert. Die Weichen für eine zukunftsfähige Energieversorgung in Prien seien gestellt.

re/Chiemgau-Zeitung

 

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