Aus dem Traum wurde Wirklichkeit

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Prien - Architekt Heiner Maluche und Bauleiter Daniel Feifel übergaben bei der Einweihung der Wohnanlage von "Leben mit Handicap" gleich zwei Schlüssel an den Vorsitzenden Günther Bauer:

Zwei Schlüssel: Einen klassischen aus Metall und einen runden "Chip". Solche bedienfreundlichen Speicherkärtchen bekommen auch die künftigen Bewohner.

Es sind solche Details, die das Besondere des viergeschossigen Komplexes nördlich des Kursaals verdeutlichen. Auch die elektronische Überwachungsanlage für alle Türen und Fenster neben dem Haupteingang oder die niedrig angebrachten Spülbecken in den Küchenzeilen der Gemeinschaftsräume gehören zu den vermeintlichen Kleinigkeiten, die bedacht werden mussten.

Am Freitag dieser Woche wird das erste Drittel der Bewohner seine Zimmer beziehen. Die meisten von ihnen werden erstmals in ihrem Leben nicht im Haus der Eltern schlafen. Bis zum Jahresende wird die Hälfte der 30 kleinen Appartements mit Leben gefüllt, sagte "Handicap"-Vorsitzender Günther Bauer im Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung.

Die Eltern der künftigen Bewohner haben mit ihren finanziellen Einlagen - in der Summe 1,5 Millionen und damit ein Drittel der Gesamtkosten - auch ein Nutzungsrecht erworben. Weil manche ihrer Kinder noch zu jung sind und erst in einigen Jahren einziehen, wird ein Teil der Zimmer bis dahin zeitlich genau befristet weitervermietet.

Fotos von der Einweihung

Prien: Neue Wohnanlage für Menschen mit Handicap

Mit dem Einzug der ersten Bewohner beginnt auch die Arbeit für die Mitarbeiter der Pflegedienste Mayer und Reif, die dafür eigens neues Personal eingestellt haben. Die Betreuung der Bewohner wird deren individuellen Bedürfnissen angepasst. Die wiederum zahlen eine sozialgesetzlich genau fixierte Quadratmetermiete von 4,25 Euro. Die Mieteinnahmen sind ein wesentlicher Faktor, um ein zinsgünstiges Darlehen des Freistaats über rund ein Drittel der Investitionssumme, das zur Gesamtfinanzierung beitrug, zurückzahlen zu können.

Während Stefan Mayer und Alois Reif eine große Wanduhr als Einstandsgeschenk mitgebracht hatten, spendierte Priens Bürgermeister Jürgen Seifert einen Weinstock für die Außenanlagen, die noch fertig gestaltet werden müssen.

Architekt Maluche nahm die mehreren hundert Gäste der Einweihung mit auf einen verbalen Rundgang durch den Komplex, der seinen Worten zufolge durch seine klare Gliederung und Farbgestaltung - ein Teil der überwiegend weißen Fassade ist hellgrün - nach außen Aufmerksamkeit erzeugt, im Innern aber gleichzeitig Privatheit ermöglicht. Davon konnten sich die Gäste in kleinen Gruppen wenig später bei Rundgängen unter fachkundiger Führung selbst ein Bild machen. An vielen Türen hingen bereits die Namensschilder der späteren Bewohner.

Die Reden im etwa 90-minütigen, offiziellen Teil der Feier, waren geprägt von großem Respekt ob der Leistung aller Beteiligten, allen voran Günther Bauer, dessen unermüdliches Engagement seine Stellvertreterin im Vereinsvorstand, Emmi Aigner, "nicht in Worte fassen" konnte, und doch wusste: "Ohne Günther Bauer wäre das hier noch grüne Wiese."

Priens evangelischer Pfarrer Karl-Friedrich Wackerbarth, der gemeinsam mit Diplomtheologin Regina Altendorfer aus Bernau das Haus und alle Räume segnete, sprach von einer "unglaublichen" Leistung. Verdeutlicht wurde dies auch in einem der beiden Lieder, die zur kirchlichen Weihe gesungen wurden: "Wenn einer alleine träumt, bleibt es ein Traum. Wenn viele gemeinsam träumen, ist das der Beginn einer neuen Wirklichkeit."

Chiemgau Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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