Rathaus-Neubau: Beide Seiten gehen aufeinander zu

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Bernau - Wie groß darf das Gebäude sein, das womöglich einmal die Lesehalle im Kurpark in Bernau ersetzt? Über Wochen hinweg haben sich die Geister an dieser Frage geschieden.

Jetzt scheint ein Kompromiss gefunden zu sein: Das Gebäude darf eine Grundfläche von maximal 120 Quadratmetern bekommen. Die Gemeinde und der Verkehrsverein, dem das Grundstück mit der Lesehalle gehört, sind auf einander zugegangen.

Im Rahmen des beabsichtigten Neubaus des Rathauses an der Chiemseestraße hat der Gemeinderat schon vor geraumer Zeit damit begonnen, den gesamten Bereich zu überplanen und die Grundsätze für die künftige Entwicklung dieses Gebietes festzusetzen. Einen Bebauungsplan will er aufstellen. Und nach einigen Diskussionsrunden mit den Behörden und den Bürgen setzt er sich nun zum Ziel, das Verfahren demnächst zu beenden.

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In den Geltungsbereich des Bebauungsplanes nimmt die Gemeinde auch ein rund 3000 Quadratmeter großes Grundstück mit auf, das dem Verkehrsverein Bernau (VVB) gehört. Nach anfänglichen Meinungsverschiedenheiten scheinen sich die Vorstellungen hinsichtlich einer Entwicklung dieser Fläche zu decken. Im Zentrum der Diskussionen stand ein Ersatz für die Lesehalle: Der Verkehrsverein stellte seinen Zustimmung für einen Abriss der alten baufälligen Lesehalle in Aussicht, forderte jedoch, dass ihm die Gemeinde die Möglichkeit für einen Ersatzbau einräumt - und zwar in einer Größe, die seinen Vorstellungen entspricht. Offen ließ der Verein, was für eine Bebauung er sich denn vorstellt.

Über die Grundfläche, die das Gebäude haben darf, konnte man sich zunächst nicht einigen. Die Gemeinde bot dem Verkehrsverein an, ein Gebäude zuzulassen, das der noch bestehenden Lesehalle mit 75 Quadratmetern Grundfläche entspricht - womit er den Vorstellungen im Verkehrsverein jedoch nicht entsprach. Eine größere Grundfläche wünschte sich allen voran der Vorsitzende des Verkehrsvereins, Eduard Wierer. So äußert er dann auch im Gemeinderat wiederholt Kritik an der Planung im Rathaus.

Anfang des Monats setzten sich dann Vertreter der Gemeinde und des Verkehrsvereins zusammen. Sie handelten, wie Bürgermeister Klaus Daber nun in der Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend mitteilte, einen Kompromiss aus: Beide Seiten verständigten sich seinen Angaben zufolge auf eine maximale Grundfläche von 120 Quadrametern. Konkrete Vorstellungen für ein Gebäude seien vonseiten des VVB jedoch nicht gekommen. Herbert Hartl, der zum Vorstand gehöre, habe jedoch vorgeschlagen, womöglich auch einen Brunnen zu errichten. Diese Idee sei "durchaus lobenswert".

Der Gemeinderat hat den ausgehandelten Kompromiss mehrheitlich gebilligt. Mit zehn zu sechs Stimmen hat das Gremium am Donnerstag beschlossen, dem VVB ein Gebäude mit einer Grundfläche von maximal 120 Quadratmetern zuzugestehen. Das letzte Wort ist jedoch noch nicht gesprochen. So kommt der Kompromiss nun auch noch in der Mitgliederversammlung des Verkehrsvereins am Montag, 5. November, um 19 Uhr im Haus des Gastes zur Sprache.

In der Gemeinderatssitzung sagte Bürgermeister Daiber, dass er zu dem Kompromiss stehe. Und er erwarte, dass die "andere Seite", der Verkehrsverein, ihn auch trage. Nicht verstanden habe er, so Daiber, dass der VVB-Vorsitzende Wierer - nachdem der Kompromiss ausgehandelt worden sei - neue Forderungen gestellt habe.

Nicht einverstanden mit dem Verhandlungsergebnis zeigte sich Renate Wendlinger (CSU). Bislang habe das Gremium immer gesagt, einen Ersatz nur in der Größe der bestehenden Lesehalle zuzulassen. Jetzt auf einmal sei die doppelte Grundfläche im Gespräch. Wendlinger sah auch "keine Notwendigkeit für so einen Bau".

Wierer (Überparteiliche Wählergemeinschaft) betonte mit Blick auf die bestehende Lesehalle, dass der Verkehrsverein Baurecht habe und behalten wolle. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihm eine Grundfläche von 120 Quadratmetern - wie auch eine Höhe von vier Metern - zu wenig seien.

Irene Daiber (CSU) stimmte gegen den Kompromiss - vor allem auch deshalb, weil der Verkehrsverein, wie sie sagte, "noch nicht einmal den Hauch einer Idee" habe, was denn dorthin kommen soll. Zweiter Bürgermeister Matthias Vieweger zeigte sich bereit, den Kompromiss zu tragen - allerdings nur dann, "wenn Nachforderungen eingestellt werden".

Willi Weitzel (SPD) kritisierte, dass Wierer in der Vergangenheit im Gemeinderat Bauvorhaben immer als zu groß und zu hoch bezeichnet habe. Jetzt jedoch kenne er auf einmal kein Maß mehr. Donat Praßberger (CSU) sagte, dass der Verkehrsverein mit seinen 75 Quadratmetern, die die jetzige Lesehalle aufweise, Bestandschutz genieße. Praßberger: "Warum sollte man daran etwas ändern?"

Alexander Herkner (SPD) sagte, dass die 120 Quadrameter ein "sehr, sehr weites Entgegenkommen" seien. Er könne sich ferner des Eindrucks nicht erwehren, als ob der Bürgerentscheid über den Standort des Rathauses "tiefe Spuren" hinterlassen habe. Offenbar habe der eine oder andere nicht verwunden, dass nicht sein Standort gewählt worden sei, und versuche nun, der Gemeinde in der Planung an der Chiemseestraße Steine in den Weg zu legen.

Christian Hügel (CSU) meinte: "Wir müssen jetzt endlich zu einem Ergebnis kommen." So weit wie dem Verkehrsverein "sind wir einem, der einen Wunsch äußert, noch nie entgegengekommen."

pü/Chiemgau-Zeitung

Quelle: rosenheim24.de

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