Bekommt Bernau einen Solarpark?

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Immer mehr Solarparks entstehen in Deutschland - bald auch in Bernau?

Bernau - Große Pläne verfolgt der Unternehmer Dr. Werner Pieper. Sie kreisen um die Sonne und ihre Kraft, um Module, die Strom erzeugen - und um Bernau.

Einen Solarpark will der Unternehmer aus Obing in der Gemeinde am Chiemsee errichten. Auf freier Fläche an der Autobahn möchte er eine Fotovoltaikanlage bauen, die sich - mindestens - über 20000 Quadratmeter erstreckt und dann im Jahr etwa 1,2 Millionen Kilowattstunden Strom produziert, die ausreichen, um 250 bis 300 Haushalte zu versorgen. Und um dieses Ziel zu erreichen, ist der Investor bereit, etwa 1,5 bis zwei Millionen Euro in die Hand zu nehmen.

Mit seinen Plänen stößt der Geschäftsmann in Bernau auf offene Ohren. Der Gemeinderat beschäftigt sich bereits seit geraumer Zeit mit der Frage, was er denn beitragen kann, um die von der hohen Politik in Berlin beschlossene Energiewende vor Ort zwischen Chiemsee und Kampenwand voranzubringen. So lässt er nun auch ein Konzept erstellen, das Möglichkeiten aufzeigt, regenerative Energiequellen in Bernau zu nutzen. Bereit, neue Wege zu gehen, empfängt der Gemeinderat den Investor, der viel Geld ausgeben will, um die Sonnenenergie in Bernau zu nutzen, mit offenen Armen. Und so hat der Gemeinderat vor kurzem auch beschlossen, einen Bebauungsplan aufzustellen und dem Unternehmer den Bau eines Solarparkes auf dem Grundstück am Bernauer Berg zu ermöglichen, das er sich ausgesucht hat (wir berichteten).

Doch neue Wege einzuschlagen, ist alles andere als einfach. Und so musste auch Dr. Pieper zuletzt erfahren, wie er nun in einem Gespräch mit der Chiemgau-Zeitung ausführte, dass sich seine Pläne nicht so verwirklichen lassen, wie er sie angedacht hatte. So kam er dieser Tage nach Bernau, um das ins Auge gefasste Grundstück mit dem Eigentümer zu begehen. Und im Rahmen dieser Ortseinsicht musste Dr. Pieper dann feststellen, wie er sagt, dass die rund 22000 Quadratmeter doch nicht ausreichen, um einen Solarpark zu errichten, der seinen Vorstellungen von Größe und Wirtschaftlichkeit entspricht. Denn in seinem Sinne dort nutzen könne er lediglich 10000 Quadratmeter - was für ihn viel zu wenig sei.

Das Grundstück liegt an der Autobahn auf Höhe von Bichling, allerdings nicht, wie der Weiler südlich, sondern nördlich der Autobahn. Die Fläche erstreckt sich bis in den Wald hinein, der in einiger Entfernung von der Autobahn beginnt - und damit liegen große Teile des Grundstücks für den Investor zu weit weg von der A 8. Denn den vom Staat geförderten und garantierten Abnahmepreis für den Strom, der in der Wirtschaftlichkeitsrechnung des Unternehmers die entscheidende Rolle spielt, den bekommt er nur dann, wenn er ihn auf Flächen produziert, die höchstens 110 Meter von der Autobahn entfernt sind. Wenn er die Module in einem größeren Abstand aufstellt, müsste er den dort erzeugten Strom ohne Unterstützung des Staates auf dem freien Markt anbieten. Aber dieses Risiko, das sich dann für ihn als Unternehmer einstellen würde, will er, wie er angibt, nicht eingehen.

Hinzu kommt, dass er auch eine andere Vorgabe des Gesetzgebers einhalten muss: In einem Abstand von 30 Metern darf das Gelände neben der Autobahn nicht bebaut werden. Für eine Freiflächenanlage auf dem von ihm auserkorenen Grundstück könnte er, wie Dr. Pieper ausführt, alles in allem also einen Streifen nutzen, der rund 80 Meter breit und 125 Meter lang ist - und damit insgesamt "nur" 10000 Quadratmeter. Ein anderer würde vielleicht einen Solarpark dieser Größenordnung errichten, so Dr. Pieper, er jedoch nicht. Die "Untergrenze" für eine Fotovoltaikanlage, die seinen Vorstellungen samt Gewinnerwartungen entspricht, sind für ihn, wie er sagt, 20000 Quadratmeter, "lieber" möchte er jedoch 30000 Quadratmeter haben.

Der Investor versucht nun, im Anschluss an das Grundstück, das er zur Nutzung in Aussicht hat, noch weiteren Grund und Boden zu bekommen, den er dann pachten kann. Und da hofft er vor allem auch auf die Unterstützung von Bürgermeister Klaus Daiber und seiner Mannschaft im Rathaus. Wenn Daiber, der die Grundstückseigentümer kennt, einmal den Kontakt hergestellt hat, dann will Pieper das Gespräch aufnehmen.

Der Geschäftsmann vermutet jedoch, dass die Weiterentwicklung seines Vorhabens in diese Richtung "nicht einfach" wird. Und für den Fall der Fälle denkt er schon jetzt viel weiter: Sollte er seine Pläne an dieser Stelle nicht verwirklichen können, dann vielleicht an einer andern im Bereich der Gemeinde Bernau.

Mit dem Bau einer Fotovoltaikanlage auf freier Fläche betritt der Unternehmer aus Obing Neuland. So hat er bislang noch keinen Solarpark errichtet. Dr. Pieper hat bisher sein Geld in der Autobranche verdient - was auch im Namen der Firma in Obing zum Ausdruck kommt: "Dr. Pieper & Partner GbR Unternehmensberatung Auto & Mehr".

Mittlerweile jedoch beschäftigen sich er und seine Partner - die Beraterfirma hat knapp ein Dutzend Mitarbeiter - auch ausgiebig mit der Nutzung der Sonnenenergie. Zusammen mit der Conergy Deutschland GmbH in Hamburg, einer Firma, die mit ihren rund 1300 Mitarbeitern Solarsysteme anbietet, betreiben sie schon seit einiger Zeit ein groß angelegtes Projekt: Sie haben die Autohersteller im Lande im Blick und wollen ihnen anbieten, Fotovoltaikanlagen auf ihre Autohäuser zu bauen und somit letztlich, wie Dr. Pieper sagt, die "Energieeffzienz zu steigern".

Zusammen mit diesem großen und starken Partner will die Firma in Obing in den Bau von Solarparks einsteigen. Und der Anfang ist in Bernau geplant.

Gernot Pültz (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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