Beratung Jugendlicher immer wichtiger

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Gitti Plank war weit über zehn Jahre Leiterin der Priener Jugendarbeit und erste Ansprechpartnerin für viele junge Leute bei Sorgen und Problemen.

Prien/Rosenheim - Gitti Plank war viele Jahre lang für die Jugendarbeit in Prien verantwortlich. Nun verlässt sie jedoch die Stadt. Ein Interview zum Abschied:

Gitti Plank war das Gesicht der Priener Jugendarbeit, seit diese in den 1990er-Jahren unter der Regie der Gemeinde und ihrer Nachbarkommunen aus dem Schulsprengel auf die Beine gestellt wurde. Kaum jemand kennt die jungen Leute besser, in den vergangenen Jahren auch aus der Schulsozialarbeit. Jetzt hat Plank Prien verlassen, um eine Geschäftsführerstelle bei der Rosenheimer "Aktion für das Leben" anzutreten. Zum Abschied sprach die Chiemgau-Zeitung mit der ehemaligen Leiterin der Jugendarbeit.

Ist die Arbeit mit jungen Leuten in Jugendtreffs, auch auf dem Land, heute wichtiger als Mitte der 1990er-Jahre?

Die Begleitung von jungen Menschen in Jugendtreffs wie der Teestube Prien ist heute genauso wichtig wie in den 90er-Jahren. Der Bedarf an Unterstützung, die Probleme in der Pubertät, die Orientierungslosigkeit bei der jeweiligen Wegfindung, ob für Schule und Beruf, die Beziehungsprobleme in der ersten Partnerschaft, Clique und Familie sind genauso brennend wie früher. Alle Jugendlichen müssen ihre Entwicklung durchlaufen und brauchen immer wieder Hilfe.

Die Teestube ist heute in Prien eine selbstverständliche Einrichtung. Wie hat sie sich verändert?

Oh, die Teestube und das Atrium haben sich ja im Grundsätzlichen nicht verändert, sondern immer ihre Besucher, die ihre Interessen, Bedürfnisse, Innovationen und Wünsche eingebracht haben. Natürlich war 2001 der Umzug von den Kellerräumen des Ludwig-Thoma-Gymnasiums in das Gebäude am Chiemseebahnweg 2 ein Riesenschritt, der neue Möglichkeiten aufgrund der eigenen Räume eröffnet hat. Und natürlich haben sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit den eigenen Fähigkeiten eingebracht, so dass immer wieder neue Ideen, Projekte und Angebote durchgeführt wurden. Aktuell wird die Teestube unter der Leitung von Denise Lamich und Team mit den Jugendlichen renoviert.

Die Unterstützung und Förderung durch die Marktgemeinde Prien, die Gemeinden im Schulsprengel und den Landkreis hat den Jugendtreff zu der selbstverständlichen Einrichtung gemacht.

Eine Großteil der Jugendarbeit spielt sich im Stillen ab, zum Beispiel die individuelle Beratung und Betreuung. Ist sie heute leichter oder schwieriger als früher?

Die Beratungs- und Beziehungsarbeit ist ein sehr wichtiger Bestandteil der Arbeit, die oft auf niedrigschwelliger Basis läuft, das heißt ohne Terminabsprache, oft zwischen Tür und Angel und eben bei sofortigem Bedarf im Treff. Aber auch da ist zu sagen, dass es nicht leichter oder schwerer geworden ist, denn jede Beratung hat ihre Intensität.

Die Sozialarbeit an Schulen, vor allem der Mittelschule, ist im Laufe der Jahre immer umfangreicher geworden. Ist das ein Beleg für stetig steigenden Betreuungsbedarf?

Ja, der Bedarf an Unterstützung und Beratung ist stetig gestiegen - einerseits, weil manche Familien durch mannigfache Gründe überfordert sind. Andererseits sind das Vertrauen und der Bezug zu den Sozialpädagoginnen vor Ort an der Schule gewachsen, so dass es ein schneller und leichter Weg ist, sich Hilfe zu holen.

Es heißt oft, dass heutzutage immer weniger Eltern intensiven Kontakt und Zugang zu ihren Kindern haben. Stimmt das?

Die Intensivität des Kontaktes trau ich mich nicht zu beurteilen, doch sicherlich leiden sehr viele Kinder und Jugendliche unter der Trennung und Scheidung ihrer Eltern. Es kann Gefühle von Trauer und Verlust geben.

In den 1990er-Jahren hatte noch nicht jeder Jugendliche ein I-Phone und war in sozialen Netzwerken unterwegs. Wie hat der Dialog per SMS und Internet aus Sicht einer Fachfrau die Jugendlichen verändert?

Also, wenn man die Jugendlichen so richtig ins Gespräch bindet und sie merken, dass man so richtig Interesse an ihnen hat, man sich förmlich in einem Gespräch verbeißt, dann sind das Handy und das Internet nicht mehr wichtig und sie haben genauso Spaß am direkten Austausch. Ansonsten kann ich schon bestätigen, dass Jugendliche oft ins soziale Netzwerk abtauchen und ihnen die virtuelle Kommunikation wichtiger scheint als das direkte menschliche Miteinander.

In Prien gibt es seit einigen Jahren einen demokratisch gewählten Jugendrat, der die Interessen junger Leute gegenüber der Gemeinde und der Kommunalpolitik vertreten soll. Hat sich die Einrichtung bewährt, könnte sie ein Vorbild für andere Kommunen sein?

Politisches Interesse bei Jugendlichen zu wecken, Teilhabemöglichkeiten an der Wohnortgestaltung - Mitspracherecht und auch von den Erwachsenen wichtig genommen und gehört werden - wenn das in einer Kommune möglich ist, so wird es auch mehr Jugend-Engagement geben.

Außer den Jugendtreffs Tesstube und Atrium gibt es in Prien eigentlich keinen Treffpunkt für die Altersgruppe unter 18, kein Lokal oder Ähnliches. Wie wichtig wäre ein solches Angebot?

Die Jugendlichen suchen sich selbst ihre Plätze, wo sie sich wohlfühlen und es gibt ein paar Lokale, wo sie am Nachmittag und frühen Abend gern hingehen. Das ist wichtig, denn damit fühlen sie sich frei und schon viel "erwachsener". Der Jugendtreff ist ja für alle Jugendlichen ein Angebot, doch je nach Clique und Interesse ist er entweder ganz hoch im Rennen oder gar nicht.

Interview: Dirk Breitfuß (Chiemgau-Zeitung)

Quelle: rosenheim24.de

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