Jäger schlagen Alarm

Nahe Bernau: Freilaufende Hunde reißen trächtiges Reh

Zwischen Bernau und Aschau hat ein Hund ein trächtiges Reh gerissen. Die Jäger Robert und Sepp Daxenberger appellieren deshalb dringend an die Vernunft der Hundebesitzer, ihre Tiere in Wald und benachbarten Wiesen anzuleinen. Denn wenn der Jagdtrieb erwacht, sind die Hunde kaum noch zu halten. Die Fälle häufen sich.

Bernau/Prien – Im Frühjahr bringen Wildtiere und Vögel ihren Nachwuchs zur Welt. Umso kritischer ist es, wenn Hundebesitzer ihre Tiere im Wald und den angrenzenden Wiesen nicht an die Leime nehmen. Denn wenn der Jagdtrieb erwacht, sind die Hunde kaum noch zu halten. Zuletzt hat zwischen Bernau und Aschau ein Hund ein trächtiges Reh gerissen.

Die Bernauer Jäger Robert und Sepp Daxenberger appellieren deshalb dringend an die Vernunft der Hundebesitzer, ihre Tiere anzuleinen. Doch entsprechende Aufrufe verpuffen leider oft genug, wie ein Gespräch der Chiemgau-Zeitung mit Kreisjäger Franz Sommer aus Prien ergab. Es mangele viel zu oft an der Disziplin der Besitzer und dem Gehorsam der Hunde.

Großer Andrang im Wald und am Ufer

Das Problem von hetzenden, freilaufenden Hunden habe sich aktuell zugespitzt, sagt Sommer. Vom Inntal über Rosenheim bis an den Chiemsee bekomme er Anrufe. Allein in den vergangenen beiden Wochen berichteten ihm zehn Jäger von gerissenen Wildtieren.

Der Kreisvorsitzende macht zwei Ursachen aus: „Immer mehr Leute schaffen sich einen Hund an. Da die Leute momentan kaum wegfahren können, konzentriert sich das Geschehen auf Gebiete wie den Uferweg zwischen Bernau und Prien, auf das Weishamer Moorgebiet oder auf beliebte Wanderwege wie in Bernau Richtung Seiser Alm.“

„Das Jagdfieber kriegst Du nicht mehr raus!“

Viele Leute gingen spazieren, wofür er auch Verständnis habe, so Sommer. Das Problem sei, dass seiner Beobachtung nach etwa jeder sechste Hundehalter seinen Hund freilaufen lasse. „Wenn der Hund einmal ein Reh reißt, prägt sich das Jagdfieber so stark ein, das kriegst du nicht mehr raus“, berichtet er aus Erfahrung. Die einzige Alternative sei, die Hunde an die Leine zu nehmen.

Auch die Bodenbrüter am Chiemseeufer sind gefährdet

Nicht nur im Wald, auch in Naturschutzgebieten wie direkt am Chiemsee, stellen freilaufende Hunde eine Gefahr dar – in diesem Fall für die Bodenbrüter, die dort momentan in den Nestern ihren Nachwuchs aufziehen. Hinzu käme, dass Rehe derzeit auch tagsüber auf die Wiesen liefen, um frisches Gras zu weiden.

„Der Hund riecht das Wild, bevor es der Mensch sieht“, so Sommer weiter. Sobald der Hund mit seinem ausgeprägtem Spürsinn Fährte aufnehme und lossprinte, beginne die Hetzjagd. Das ist umso dramatischer, wenn der Hund – wie aktuell geschehen – eines der hochträchtigen Tiere erwischt.

Die nächste Gefahr lauert für die Tiere, wenn die frisch gesetzten Kitze im Gras liegen. Laut Sommer ducken sie sich instinktiv, wenn Gefahr droht, sie liefen noch nicht weg. „Die haben keine Chance, wenn sie aufgescheucht werden.“

Plakataktionen und Gespräche

Jäger vom Starnberger See zum Beispiel versuchten die Hundebesitzer mit Plakaten für das Thema zu sensibiliseren. „Leider sind Leute zum Teil unvernünftig. Wenn sie der Jäger anspricht, sagen sie, ihr Hund mache nix“, so Sommer. Das ist oft genug ein Trugschluss, wie die gerissenen Rehe zeigen.

„Wenn ein Hund nicht kontrolliert werden kann, muss man ihn anleinen“, lautet sein Fazit. Sein eigener Hund Baskko, ein Bayerischer Gebirgsschweißhund, ist für die Nachsuche ausgebildet. Die Erziehung erfordert viel Zeit, die nach Meinung der Jäger jeder Besitzer dringend investieren sollte.

Hundeerziehung ist elementar:

Anton Bründl aus Vogtareuth ist Hundeführerausbilder und bietet beim Bayerischen Jagdverband (BJV) in den Altlandkreisen Rosenheim und Bad Aibling Kurse für Jagd- als auch Begleithunde an. Die gesetzlich vorgeschriebene umfangreiche Ausbildung der Jagdhunde zum Beispiel dauert von April bis Oktober. Doch sieht er jeden Hundebesitzer in der Pflicht, seinen vierbeinigen Freund unter Kontrolle zu haben. „Ohne Gehorsam geht es nicht“, argumentiert er. „Wenn ein Hund nicht gehorcht, wird man keine Freude mit ihm haben. Der Hundeführer muss der Rudelführer sein.“

Er selbst besitzt einen Deutschen Wachtelhund und erzählt, dass Gehorsam täglich geübt werden muss. „Wenn der Hund wegläuft und ich ihn rufe, muss er zurückkommen.“ Das müsse der Hundebesitzer durchsetzen, sonst verliere er bei dem Tier, das von Instinkten geleitet ist, seine Glaubwürdigkeit. „Das spürt der Hund.“ Er legt jedem Hundebesitzer dringend ans Herz, sein Tier ab dem frühen Alter zu erziehen. Unterstützung und Hilfe bieten gerade für unerfahrene Hundebesitzer Kurse, etwa von den Kreisjägern, Hundevereinen oder Hundeschulen.

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