Abgeordnete machen sich Bild von umstrittenem Projekt am Hitzelsberg

"Wenn der Petition stattgegeben wird, ist das das Aus für das Hotel!"

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Die Landtagsabgeordneten Florian von Brunn von der SPD (links) und Klaus Steiner (rechts) machten sich vor Ort am Hitzelsberg ein Bild der Lage am Hitzelsberg in Bernau. Eine Anwohnerin fordert, das gesamte Areal unter Naturschutz zu stellen, was das Aus für ein geplantes Hotel bedeuten würde. Rechts im Bild: Ein Modell des Hitzelsbergs. Darauf rot umkreist die strittigen drei Bungalows und das Verwaltungsgebäude.

Bernau am Chiemsee - Wird wirklich genug getan, um die Natur auf dem Hitzelsberg angesichts eines geplanten Hotelkomplexes zu schützen? Dieser Frage ging eine Abordnung des Landtags nach. 

"Also wenn dieser Petition stattgegeben werden sollte, dann wäre das das Aus für das Hotel-Projekt", stellte Landtagsabgeordneter Klaus Steiner (CSU) klar. "Es sollte doch aber möglich sein, eine Lösung zu finden, bei der Umweltschutz und eine wirtschaftliche Nutzung des Areals als Hotel möglich sind!"


Einer der Planer zeigt die geplante Erschließung des Areals vom Norden her durch ein Waldgebiet. 

Im Zuge der kontroversen Debatte über die geplante Bebauung des Hitzelsbergs bei Bernau wollte sich der Umweltausschuss des Landtags auf Vorschlag des SPD-Abgeordneten Florian von Brunn am Freitagvormittag vor Ort ein Bild der Situation machen und mit Betroffenen sprechen. Damit reagierten er und sein CSU-Kollege auf die Petition einer Anwohnerin, die das geplante Baugebiet unter Naturschutz stellen lassen will. Begleitet wurden die Landtagsabgeordneten von Vertretern des Landratsamtes Rosenheim, von Umweltverbänden sowie Kommunalpolitikern.


Die Abgeordneten im Video-Interview:

Streitpunkt: Wird der Umweltschutz genug berücksichtigt?

Im Wesentlichen kristallisierten sich dabei drei Positionen heraus:

  1. Die Gemeinde und der Investor: Sie betonen, es werde bereits alles getan, um Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz zu vereinbaren. Der besonders schützenswerte Südhang des Hitzelsbergs stehe gar nicht zur Debatte und sei durch das Naturschutzgesetz geschützt. Das geplante Hotel würde überwiegend auf bereits versiegelten Flächen errichtet. Für das übrige Gelände würde man sich an den Vorgaben eines Gutachtens zu erhaltenswerten Arten orientieren. Dem Investor würden zudem durch einen städtebaulichen Vertrag genaue Vorgaben zum Schutz der Umwelt auf dem Areal gemacht.
  2. Der Bund Naturschutz: Sie sehen es kritisch, dass drei Bungalows sowie ein Verwaltungsgebäude auf noch nicht versiegelten Flächen errichtet und zudem eine Straße vom Norden her durch ein Waldgebiet geführt werden soll. Einem Hotel stehen sie grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber, allerdings nur, wenn Abstriche zu Gunsten des Naturschutzes gemacht werden. Zudem müsse festgeschrieben werden, dass nicht nachträglich doch noch in den geschützten Bereich eingegriffen werden kann.
  3. Eine Anwohnerin und ihre Unterstützer: Sie hat eine Petition beim Bayerischen Landtag gestellt, den Hitzelsberg zum Naturschutzgebiet zu machen. Dies wäre das Aus für die Hotelpläne.

Stimmt ab: Wie sollte eurer Ansicht nach vorgegangen werden?

Gemeinde erwarb Grundstück vor acht Jahren

Das Ganze hat eine umfangreiche Vorgeschichte: 2012 hatte die Gemeinde das Gut Hitzelsberg bei einer Zwangsversteigerung erworben. Erklärtes Ziel war dabei, dass die weitere Entwicklung von Gebäuden und Gelände im Sinne der Gemeinde erfolgen würde. Kriterien dafür waren, unter anderem, dass das Gebiet öffentlich zugänglich sein solle, dass kulturelle Veranstaltungen dort weiter stattfinden würden oder, dass ökologisch wertvolle Flächen erhalten blieben.

Auf diesen Flächen, die bereits versiegelt sind, soll der überwiegende Teil des Hotels entstehen. Es sollen aber auch noch drei Bungalows und ein Verwaltungsgebäude auf bisher noch unverbauten Flächen entstehen, was Umweltschützer kritisieren.

Immer wieder wurde mit potenziellen Investoren verhandelt und immer wieder sah es so aus, als stünden die Verhandlungen kurz vor einem erfolgreichen Abschluss. Beispielsweise Anfang 2014 galt das 16 Hektar große Areal schon als "so gut wie verkauft". Doch immer wieder kam es letztlich nicht zu einem Abschluss.

Areal geht erst an Investor, wenn der sein Projekt umsetzen kann

Erst im April 2019 wurde schließlich mit einer Unternehmensgruppe aus Prien ein Kaufvertrag unterzeichnet. Sie soll 7,5 Millionen Euro zahlen. Das Geld fließt aber erst, wenn die Voraussetzung für die Verwirklichung ihrer Pläne für das Areal gegeben sind. Für rund 30 Millionen Euro soll ein Hotel mit 100 Zimmern entstehen. Dieses soll dann über einen langjährigen Pachtvertrag von einem Betreiber übernommen werden.

Die Landtagsabgeordneten Florian von Brunn (SPD) (links) und Klaus Steiner (CSU / 2. v. links) im Gespräch mit Bernaus Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU / 2. von rechts) und der Anwohnerin (rechts), die in einer Petition fordert, das Gelände des Hitzelsbergs unter Naturschutz zu stellen.

Grundlage für die Verwirklichung dieser Pläne ist ein umfangreiches Bauleitverfahren. Dieses umfasst neben der Aufstellung eines Bebauungsplans auch die Erschließung des Grundstücks durch eine Anbindung an die Bundesstraße B305. Alle Kosten werden von der Investorengruppe übernommen. Schon lange hatte es Debatten über die Umweltverträglichkeit einer Nutzung des Bergs gegeben. Im Zuge der Kaufverhandlungen um 2014 hatten die Bernauer Grünen bereits gemahnt, es brauche eine "Landschafts- und Natur-verträgliche Lösung ohne massive weitere Bebauung".

Verschiedene Positionen trafen aufeinander

An diesem Tag nun trafen vor den beiden Landtagsabgeordneten noch einmal die beiden Positionen auf einander. "Diese ganze wunderschöne Natur hier dürfen die doch nicht zerstören", klagte die Anwohnerin. Immer wieder reichte sie den beiden Abgeordneten Fotos, die sie selbst und Unterstützer gemacht haben. "Sehen sie hier, wie das im Sommer blüht? Hier ist eine seltene Zauneidechse, dort eine seltene Blumenart." 

Die Gruppe vor der größten Wiese des Hitzelsbergs. 

Im Wesentlichen stimmten ihr dabei auch die Vertreter des Bund Naturschutzes zu. Allerdings betonten sie, dass sie grundsätzlich einsehen würden, dass eine vollkommene Umwandlung des Areals zum Nachteil der Gemeinde sei."Wenn da ein guter Kompromiss gefunden wird - etwa indem auf die zusätzliche Versiegelung von Flächen verzichtet wird - ist das ja durchaus mit dem Naturschutz vereinbar", betonte Kreisvorsitzender Peter Kasperczyk. 

"Wir haben doch vor acht Jahren das Gelände extra erworben, damit wir möglichst auch die Anliegen des Naturschutzes sicherstellen können", betonte Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU). Auch die zuständigen Planer und ein Vertreter des Investors betonten, man suche nach einer möglichst umweltverträglichen Lösung. Die Erschließung des Grundstücks von der B305 aus durch den Wald sei unumgänglich, da sonst der Verkehr zum Hotel durch den Ort rollen würde und der bestehende Weg zudem viel zu schmal für ein erhöhtes Verkehrsaufkommen sei.

Im Wesentlichen wollen nun alle Seiten einmal das Umweltschutz-Gutachten beziehungsweise den weiteren Ablauf des Bebauungsplans-Verfahrens abwarten. Dieses soll voraussichtlich im September vorliegen. "Wenn das geschehen ist, werden wir uns auch im Umweltausschuss des Landtags mit der Petition befassen und darüber abstimmen", berichtete der SPD-Abgeordnete von Brunn abschließend.

hs

Quelle: rosenheim24.de

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