Landtagsabgeordnete machten sich im Juni Bild in Bernau

Hotel oder Naturschutzgebiet auf dem Hitzelsberg? Das ist der Stand der Dinge

Die Landtagsabgeordneten Florian von Brunn von der SPD (links) und Klaus Steiner (rechts) machten sich im Juni vor Ort am Hitzelsberg ein Bild der Lage am Hitzelsberg in Bernau. Eine Anwohnerin fordert, das gesamte Areal unter Naturschutz zu stellen, was das Aus für ein geplantes Hotel bedeuten würde. Rechts im Bild: Ein Modell des Hitzelsbergs. Darauf rot umkreist die strittigen drei Bungalows und das Verwaltungsgebäude.
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Die Landtagsabgeordneten Florian von Brunn von der SPD (links) und Klaus Steiner (rechts) machten sich im Juni vor Ort am Hitzelsberg ein Bild der Lage am Hitzelsberg in Bernau. Eine Anwohnerin fordert, das gesamte Areal unter Naturschutz zu stellen, was das Aus für ein geplantes Hotel bedeuten würde. Rechts im Bild: Ein Modell des Hitzelsbergs. Darauf rot umkreist die strittigen drei Bungalows und das Verwaltungsgebäude.

Bernau am Chiemsee - Wir haben uns erkundigt, wie das Verfahren zur Zukunft des Hitzelsbergs weitergegangen ist. Ein Investor möchte dort ein Hotel bauen. Umweltschützer fordern die Umwandlung in ein Naturschutzgebiet.

„Die Erstellung des Umweltschutz-Gutachtens hat etwas länger gedauert, als ursprünglich veranschlagt. Aber jetzt liegen die Ergebnisse vor: Demnach spricht aus naturschutzrechtlicher Sicht nichts gegen das Projekt“, so Irmgard Daxlberger, Geschäftsleiterin der Gemeinde Bernau am Chiemsee gegenüber rosenheim24.de. „An Hand dessen können die Planungen nun fortgesetzt werden.“ Die Beratung der Anpassung des Bebauungsplans hatte nun allerdings nicht schon im September stattfinden können. „Sie wird nun voraussichtlich Anfang 2021 stattfinden, ein genauer Termin steht noch aus.“

Einer der Planer zeigt die geplante Erschließung des Areals vom Norden her durch ein Waldgebiet. 

„Die Petition an den Umweltausschuss steht weiterhin an“, berichtet unterdessen CSU-Landtagsabgeordneter Klaus Steiner. „Wir werden uns das Thema jetzt vor Weihnachten noch einmal betrachten und dann einen Sitzungstermin für ihre Beratung festlegen.“ Zwischenzeitlich hätten auch die Investoren ein Konzept vorgelegt, das sehr vielversprechend sei. „Die haben durchaus ein Interesse daran, dann ein hochwertiges Hotelangebot mit naturnahem Tourismus zu verbinden.“

Streitpunkt bei Hotelprojekt auf dem Hitzelsberg in Bernau am Chiemsee: Wird der Umweltschutz genug berücksichtigt?

Im Zuge der kontroversen Debatte über die geplante Bebauung des Hitzelsbergs bei Bernau hatte sich der Umweltausschuss des Landtags auf Vorschlag des SPD-Abgeordneten Florian von Brunn Mitte Juni vor Ort ein Bild der Situation gemacht und das Gespräch mit den Betroffenen gesucht. Damit reagierten er und sein CSU-Kollege Steiner auf die Petition einer Anwohnerin, die das geplante Baugebiet unter Naturschutz stellen lassen will. Begleitet wurden die Landtagsabgeordneten von Vertretern des Landratsamtes Rosenheim, von Umweltverbänden sowie Kommunalpolitikern.

Im Wesentlichen kristallisierten sich dabei drei Positionen heraus:

  1. Die Gemeinde und der Investor: Sie betonen, es werde bereits alles getan, um Wirtschaftlichkeit und Umweltschutz zu vereinbaren. Der besonders schützenswerte Südhang des Hitzelsbergs stehe gar nicht zur Debatte und sei durch das Naturschutzgesetz geschützt. Das geplante Hotel würde überwiegend auf bereits versiegelten Flächen errichtet. Für das übrige Gelände würde man sich an den Vorgaben eines Gutachtens zu erhaltenswerten Arten orientieren. Dem Investor würden zudem durch einen städtebaulichen Vertrag genaue Vorgaben zum Schutz der Umwelt auf dem Areal gemacht.
  2. Der Bund Naturschutz: Sie sehen es kritisch, dass drei Bungalows sowie ein Verwaltungsgebäude auf noch nicht versiegelten Flächen errichtet und zudem eine Straße vom Norden her durch ein Waldgebiet geführt werden soll. Einem Hotel stehen sie grundsätzlich nicht ablehnend gegenüber, allerdings nur, wenn Abstriche zu Gunsten des Naturschutzes gemacht werden. Zudem müsse festgeschrieben werden, dass nicht nachträglich doch noch in den geschützten Bereich eingegriffen werden kann.
  3. Eine Anwohnerin und ihre Unterstützer: Sie hat eine Petition beim Bayerischen Landtag gestellt, den Hitzelsberg zum Naturschutzgebiet zu machen. Dies wäre das Aus für die Hotelpläne.

Gemeinde erwarb Grundstück vor acht Jahren

Das Ganze hat eine umfangreiche Vorgeschichte: 2012 hatte die Gemeinde das Gut Hitzelsberg bei einer Zwangsversteigerung erworben. Erklärtes Ziel war dabei, dass die weitere Entwicklung von Gebäuden und Gelände im Sinne der Gemeinde erfolgen würde. Kriterien dafür waren, unter anderem, dass das Gebiet öffentlich zugänglich sein solle, dass kulturelle Veranstaltungen dort weiter stattfinden würden oder, dass ökologisch wertvolle Flächen erhalten blieben.

Immer wieder wurde mit potenziellen Investoren verhandelt und immer wieder sah es so aus, als stünden die Verhandlungen kurz vor einem erfolgreichen Abschluss. Beispielsweise Anfang 2014 galt das 16 Hektar große Areal schon als "so gut wie verkauft". Doch immer wieder kam es letztlich nicht zu einem Abschluss.

Areal geht erst an Investor, wenn der sein Projekt umsetzen kann

Erst im April 2019 wurde schließlich mit einer Unternehmensgruppe aus Prien ein Kaufvertrag unterzeichnet. Sie soll 7,5 Millionen Euro zahlen. Das Geld fließt aber erst, wenn die Voraussetzung für die Verwirklichung ihrer Pläne für das Areal gegeben sind. Für rund 30 Millionen Euro soll ein Hotel mit 100 Zimmern entstehen. Dieses soll dann über einen langjährigen Pachtvertrag von einem Betreiber übernommen werden.

Auf diesen Flächen, die bereits versiegelt sind, soll der überwiegende Teil des Hotels entstehen. Es sollen aber auch noch drei Bungalows und ein Verwaltungsgebäude auf bisher noch unverbauten Flächen entstehen, was Umweltschützer kritisieren.

Grundlage für die Verwirklichung dieser Pläne ist ein umfangreiches Bauleitverfahren. Dieses umfasst neben der Aufstellung eines Bebauungsplans auch die Erschließung des Grundstücks durch eine Anbindung an die Bundesstraße B305. Alle Kosten werden von der Investorengruppe übernommen.

hs

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