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Interview-Serie mit Pflegekräften aus Bernau

„Habe nie gedacht, dass mein Job so viel Freude machen kann!“

Pflegerin Verena Kögl
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Pflegerin Mihaela Gaspar.

Bernau am Chiemsee - Was?! Du arbeitest im Hospiz?! Das könnte ich ja niemals!“ – diesen Satz hören viele Fachkräfte aus dem Palliativbereich, wenn sie von ihrem Beruf erzählen. Deshalb haben wir nachgefragt, was sie dazu bewogen hat. In dieser Serie geben fünf Pflegekräfte aus dem Chiemseehospiz berührende Einblicke in ihre Arbeit. Mihaela Gaspar gibt im Interview Auskunft:

Die Pressemeldung im Wortlaut:

Das Hospiz in Bernau gibt es ja noch nicht so lange. Was hat dazu geführt, dass Sie beruflich dorthin gewechselt sind?

In meiner früheren Arbeit im Pflegeheim hat mich sehr gestört, dass ich nicht ausreichend Zeit für meine Bewohner hatte. Ich musste schnell-schnell die Medikamente geben und wurde von meinen anderen Kollegen teilweise beschimpft, wenn ich mir „zu viel“ Zeit für die Fragen der Bewohner genommen habe. Und das hat mich sehr gestört, da ich den Kontakt mit Menschen immer geliebt habe und meinen Beruf als eine Kombination aus diesem Kontakt und der Medizin gesehen habe. Manchmal brauchen die Menschen nicht nur medizinische Informationen, sondern auch einmal eine Hand auf der Schulter oder ein gutes Wort, wenn es einem nicht gut geht. Und das ist hier im Hospiz ganz anders!

Inwiefern denn?

Wir haben hier einen ganz anderen Rhythmus. Im Heim mussten wir die Bewohner wecken zum Waschen und Frühstücken, egal ob sie ausgeschlafen waren oder nicht und hier dürfen sie meistens so lange schlafen, wie sie wollen. Vielleicht hatten sie keine gute Nacht und das ist dann in Ordnung. Im Heim wollten einige täglich duschen, aber wir durften es nur einmal pro Woche anbieten und auch da sind wir hier viel freier. Hier schauen wir nach den Wünschen der Bewohner!

Ich versuche auch, schöne Rituale mit ihnen zu entwickeln, zum Beispiel ein Aromabad. Jetzt betreue ich pro Schicht drei Bewohner, im Heim waren es 15-20 und im Spätdienst war ich teilweise alleine mit 57 Bewohnern! Das heißt, ich habe hier mehr Zeit pro Bewohner. Sie haben natürlich auch einen höheren Pflegebedarf, aber trotzdem ist es ein sehr großer Unterschied. Für mich ist es hier viel entspannter. Ich habe früher auch gern gearbeitet, aber hierher komme ich so gerne, weil ich einfach Zeit für die Bewohner habe. 

Das schätzen Sie sicherlich sehr an der palliativen Arbeit… Es hört sich jedenfalls sehr entlastend an!

Ja, und ich liebe an meinem Beruf die Gespräche mit den Bewohnern. Ich sage auch nie „ich helfe Ihnen“, sondern „unterstützen“, das stärkt sie mehr. Und jeder ist anders, aber ich schätze, ca. 80% wissen ganz genau, warum sie im Hospiz sind. Manchmal teilen Bewohner ihre Probleme oder Belastungen mit mir, dann versuche ich, sie zu unterstützen oder auch aufzuheitern und ihnen neue Perspektiven aufzuzeigen. Und dafür Zeit zu haben, ist wirklich Gold wert!

Fällt Ihnen dazu denn ein Beispiel ein, was für Sie die Arbeit im Hospiz ausmacht?

Eine Bewohnerin wollte einmal ihren Schlafanzug anziehen zum Sterben. Wir haben sie also angezogen und ich habe gesehen, wie zufrieden sie war. Sie hat meine Hand in ihre genommen und ich habe sie gekuschelt und in ihrer Gestik und Mimik hat sich alles verändert – das hat mehr gewirkt als ein Bolus (*eine Bedarfsgabe eines Medikamentes)! Abends – das ist ein Ritual von mir – ich bereite den Spätdienst vor und zur Nacht bekommt jeder von mir ein Küsschen auf die Stirn, wenn ich sie ins Bett bringe. Außer natürlich, sie wollen nicht (zwinkert).

Wenn dann das Gesicht der Leute aufleuchtet, ist das sehr schön. Es ist mir wichtig, eine gute Verbindung zu den Menschen aufzubauen und auf ihre Wünsche einzugehen. Es sind Kleinigkeiten, so wie die Decke unter die Füße zu legen, wenn ich weiß, dass der Bewohner das mag oder den Kopf etwas hoch oder herunterzulegen. Es ist so klein, aber die Bewohner macht es zufrieden. Ich habe nie gedacht, dass mein Job so viel Freude machen kann! Man braucht zwar richtig viel Geduld, zum Beispiel, wenn jemand alle zehn Minuten klingelt. Dann gehst du rein und bleibst trotzdem freundlich! 

Und zum Schluss noch eine Frage: Haben Sie einen Tipp für Menschen, die Berührungsängste mit dem Thema haben, sich niemals vorstellen könnten, in so einem Rahmen zu arbeiten, oder Angst haben, die Schwere „mit nach Hause zu nehmen“?

Ich habe meine Arbeit nie mit meinem Privatleben vermischt. Wenn es zuhause Schwierigkeiten gab, habe ich sie daheim gelassen und war in der Arbeit wie immer. Und ich versuche auch, wenn ich nach Hause gehe, die Probleme hier zu lassen, nicht zu tragen. Manchmal schaffe ich es nicht, aber meistens schon (lächelt). Aber manchmal zünde ich eine Kerze an und dann ist der Abschied leichter. 

Pressemeldung Chiemseehospiz Bernau

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