Reihentestungen

Corona-Fälle in der JVA Bernau: Testergebnisse zeigen 16 Infektionen

JVA Bernau
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Bernau – Die über 1.000 Gefangenen und Bediensteten der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau wurden vergangene Woche auf Corona getestet. Dies bestätigte Florian Lindemann von der Pressestelle des Bayerischen Justizministeriums auf Anfrage. Nun sind die Ergebnisse da.

Update, 8. Februar: Testergebnisse zeigen 16 Infektionen

In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Bernau sind mit Stand Montagvormittag, 8 Februar, sechs Bedienstete positiv auf Corona getestet worden und zehn Gefangene. Dies teilte Leitender Regierungsdirektor Jürgen Burghardt auf Anfrage mit. Vergangene Woche waren nach Corona-Ausbrüchen alle über 1.000 Bediensteten und Gefangenen der JVA getestet worden.

Laut Burghardt handelte es sich hierbei überwiegend um PCR-Tests. Die infizierten Gefangenen befinden sich in Isolation. Sowohl die Mitarbeiter als auch die Gefangenen können erst nach einem Negativtest wieder arbeiten beziehungsweise aus der Isolation entlassen werden. Damit gehe die JVA weiter als die Vorgaben des Gesundheitsamtes, das nach Ablauf der Quarantäne keinen weiteren Test verlangt.

Erstmeldung:

Informationen, wonach einzelne Ansteckungen im „hauseigenen“ Fitness-Studio erfolgt seien, dementierte Sprecher Florian Lindemann. „Dazu liegen uns derzeit keine Erkenntnisse vor.“ Alle bayerischen Justizvollzugsanstalten seien angewiesen, individuelle Hygienekonzepte in den Sportstätten zu beachten.

Hygiene- und Abstandsregeln auch im Gefängnis

Dazu zählten Belüftung, eine sorgfältige Desinfektion der Sportgeräte vor jedem Benutzerwechsel sowie alle weiteren bekannten Hygiene- und Abstandsregeln. Nur Gefangenen ohne Corona-Symptome sei Sport gestattet. „Bei aktuellem Infektionsgeschehen in einer Anstalt hat die Ausübung von Sport in geschlossenen Räumen zu unterbleiben“, so Lindemann.

Krankheitsverläufe bisher nicht schwer

Leitender Regierungsdirektor Jürgen Burghardt ist Leiter der JVA Bernau, die seiner Aussage nach eine der größten Einrichtungen Bayerns im Justizvollzug ist. Die Krankheitsverläufe bei den von Corona betroffenen Bediensteten und Gefangenen haben seiner Aussage nach bisher nicht zu schweren gesundheitlichen Beeinträchtigungen geführt und verliefen zum Teil sogar ohne typische Symptome.

Gefängnisbetriebe größtenteils geschlossen

Aufgrund der aktuellen Erkrankungen sind in der JVA Bernau bis auf die Versorgungsbetriebe alle anderen Gefängnisbetriebe geschlossen. So wird die Gärtnerei laut Lindemann vom Ministerium derzeit nur von Bediensteten der JVA betrieben, die Gefangenenbesuche seien eingestellt. Einzig die Rechtsanwälte haben Zugang zu den Insassen.

Getestete Gefangene isoliert

„Vorsorglich in Quarantäne befindliche Gefangene sowie sowie die positiv auf das Coronavirus getesteten Gefangenen wurden getrennt.“ Die JVA-Bediensteten müssen im Umgang mit erkrankten Gefangenen und Verdachtsfällen „geeignete Schutzkleidung“ tragen. Sofern ein Gefangener intensivmedizinisch behandelt werden müsste, käme er in Abstimmung in eine Klinik.

Gefängnisdirektor Burghardt spricht zur Bewältigung der Lage von einem „regelrechten Kraftakt“, den die gesamte Belegschaft geleistet habe, als innerhalb kürzester Zeit erhebliche organisatorische Veränderungen im Tagesablauf vorgenommen werden mussten. Dies schließt auch die Reihentestungen für sämtliche Gefangene und Bedienstete ein zum Schutz vor einer weiteren Ausbreitung der Erkrankung.

Reihentestungen sind abgeschlossen

„Die Anstalt steht im engen Austausch mit dem Gesundheitsamt“, so Burghardt. Die Reihentestungen seien gestern Vormittag abgeschlossen worden, in den kommenden Tagen rechnet er mit den Testergebnissen.

Die weitgehende Schließung der Betriebe im Gefängnis bedeuteten gewisse finanzielle Einbußen. „Die Anstaltsbetriebe sind jedoch nicht in erster Linie wirtschaftlich orientiert, sondern dienen der Beschäftigung und damit der Behandlung der hier inhaftierten Männer.“

Gefangenen zeigen Verständnis für die Maßnahmen

Die Gefangenen hätten bisher großes Verständnis gezeigt für die zahlreichen zusätzlichen Einschränkungen. Die so genannte Gefangenenmitverantwortung als Vertreter der Inhaftierten erhalte regelmäßig Informationen.

Die einschränkenden Maßnahmen werden laut Pressesprecher Lindemann solange aufrechterhalten, so lange das Infektionsgeschehen dies erfordere. In der Zeit der Einschränkungen gibt es zum Ausgleich einige gelockerte Regelungen im Haftalltag. So würden bei den Gefangenen großzügiger Telefonate zugelassen und sie bei Bedarf finanziell unterstützt.

Ausgleichszahlung bei Verdienstausfall

Wenn einer der gefängniseigenen Betriebe coronabedingt geschlossen ist, erhielten die Gefangenen eine Ausgleichszahlung. In der JVA Bernau seien derzeit 343 Bedienstete beschäftigt, 725 Gefangene sitzen ein. Plätze gebe es für 782.

Neue Gefangene isoliert

Lindemann erklärt, dass seit Beginn der Pandemie versucht werde, die Zahl der Neuzugänge zu reduzieren. Neben einem aktualisierten Pandemiekonzept seien eine Reihe weiterer Maßnahmen getroffen worden, um die Einschleppung und Verbreitung des Coronavirus zu verhindern. So würden etwa alle neuen Gefangenen mindestens zwei Wochen getrennt untergebracht, bis eine Infektion ausgeschlossen werden könne.

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