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Geschäftsführer im Interview

„Das kostet uns viel Geld“: Energiekrise trifft auch die Bernauer Kliniken hart

In den Therapieräumen an den Medical Park Kliniken in Bernau und Prien dürfte bald nachts die Heizung um zwei bis drei Grad gedrosselt werden. Mit diesen und anderen Maßnahmen will man Kosten sparen.
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In den Therapieräumen an den Medical Park Kliniken in Bernau und Prien dürfte bald nachts die Heizung um zwei bis drei Grad gedrosselt werden. Mit diesen und anderen Maßnahmen will man Kosten sparen.

Bei Mehrkosten in Höhe von 800.000 Euro für Strom und Gas müssen die Medical Park Kliniken in Bernau überlegen: Wie sind diese Mehrkosten zu stemmen?

Bernau – So wie die Menschen in Bayern sind auch die Großverbraucher stark von den gestiegenen Energiepreisen betroffen. In eine schwierige Lage geraten derzeit viele Kliniken, denn sie können nicht einfach von ihren Patienten mehr Geld verlangen. Die Chiemgau-Zeitung hat nachgefragt, wie es den Medical Park Kliniken Chiemsee und Chiemseeblick in Bernau geht. Die Geschäftsführer Birk Heinrich und Tobias Diesing beschreiben die Zwickmühle, in der Klinikleitungen stecken.

Herr Diesing, Herr Heinrich, haben Sie schon einen Überblick, wie viel mehr Sie für Strom und Gas zahlen müssen?

Birk Heinrich: Wir zahlen heuer doppelt so viel wie im Vorjahr. Für unsere Bernauer Kliniken Medical Park Chiemsee und Chiemseeblick und unsere Klinik Kronprinz in Prien sind das um 800.000 Euro mehr als 2021. Das ist natürlich ein bisschen In-die-Glaskugel-schauen, dürfte aber hinkommen.

Was sind Ihre größten Energiefresser?

Heinrich: Wärme und Warmwasseraufbereitung und bei der Energie eindeutig die Küche und das Schwimmbad. In der Küche müssen ja sämtliche Gerätschaften angeworfen werden, um drei Mal am Tag 713 Patienten und 725 Mitarbeitende mit frisch gekochtem Essen zu versorgen. Im Schwimmbad laufen die Filteranlagen 24 Stunden durch. So sehen es die Hygienevorschriften vor. Da können wir nicht raus.

Manche Gemeinde will zum Energiesparen die Wassertemperatur im Hallenbad senken. Müssen sich auch Ihre Patienten bald auf kühleres Wasser einstellen?

Heinrich: Nein. Die Wassertemperatur lassen wir gleich. Unsere Reha-Patienten machen da zum Beispiel Entspannungsübungen, wo man sich wenig bewegt. Da ist eine angenehme Wassertemperatur nötig. Wir können den Reha-Erfolg unserer Patienten nicht gefährden.

Hunderte Mahlzeiten frisch zuzubereiten kostet wegen der hohen Strompreise viel mehr als früher. Bleiben Sie trotzdem dabei?

Tobias Diesing: Eine eigene Küche zu führen ist eine schöne, momentan aber teure Angelegenheit. Da sind nicht nur die gestiegenen Energiepreise, sondern auch die Teuerung bei den Lebensmitteln. Für unsere drei Kliniken in Bernau und Prien liegen die Kosten für Lebensmittel heuer bei zweieinhalb Millionen Euro, also um 15 Prozent mehr als im Vorjahr.

Viele andere Klinikträger haben auf High Convenience, also angelieferte Mahlzeiten umgestellt. Wir wollen unseren Patienten aber weiterhin frisch gekochte Mahlzeiten anbieten, weil uns das auszeichnet. Deshalb verpflegen wir diese auch weiter wie bisher.

Wie stemmen Sie die Mehrkosten?

Diesing: Das kostet uns alles viel Geld. Wir haben den Vorteil, ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen zu sein. Unsere Ausgangssituation ist nicht so kritisch wie in anderen Kliniken. Doch auch uns sind die Hände gebunden, da wir die Mehrkosten nicht von den Kostenträgern erstattet bekommen. Unser Appell an die Politik ist, hier einzugreifen.

Erst dann können wir mit den Krankenkassen so verhandeln, dass uns die Mehrkosten abgegolten werden. Das passiert gerade nicht. Parallel arbeiten wir in allen anderen Bereichen konsequent an energiesparenden Maßnahmen ohne den Rehaerfolg der Patienten zu beeinträchtigen.

In Ämtern sollen im Winter die Mitarbeitenden bei nur noch 19 Grad Raumtemperatur arbeiten. Auch bei Ihnen?

Diesing: Für das Energiesparen haben wir eine Arbeitsgruppe gegründet. Am ehesten werden wir in den öffentlichen Bereichen wie Fluren, Rezeption und Therapieräumen in der Nacht die Wärme um zwei bis drei Grad reduzieren. Auch hier arbeiten wir zusätzlich an darüber hinaus gehenden Energiesparmaßnahmen.

Unterstützen Sie wie manche Klinikträger Ihre Mitarbeiter, die ja auch von den gestiegenen Energie- und Treibstoffpreisen betroffen sind?

Heinrich: Ja. Wir haben 2021 und im August die Gehälter für das Personal in der Pflege, in der Therapie und im ärztlichen Bereich ordentlich erhöht. Derzeit stimmen wir uns mit dem Betriebsrat ab, ob wir unserer Belegschaft zusätzlich noch eine Art Teuerungsausgleich auszahlen können.

Diesing: Mitarbeitende im Abrechnungs- und Verwaltungsbereich können außerdem viel von zuhause aus arbeiten, was ihnen Fahrtkosten erspart. Dieses flexible Arbeiten mussten wir in der Coronapandemie anfangen – und es hat jetzt noch Vorteile.

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