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Keine Entlastung für Wassernetz

Gründach statt Regensammler: Warum die Firma Schuster bei ihrem Hotel in Bernau umplanen muss

Wegen gestiegener Kosten will die Firma Schuster bei ihrem Hotelbau auf eine Regenwasseranlage verzichten.
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Wegen gestiegener Kosten will die Firma Schuster bei ihrem Hotelbau auf eine Regenwasseranlage verzichten.

Eigentlich war es ein willkommenes Vorhaben für die Gemeinde Bernau: Beim Bau ihres Hotels an der Chiemseestraße hatte die Firma Schuster auch eine Anlage zur Nutzung für Regenwasser vorgesehen. Zur Entlastung der kommunalen Wasserversorgung. Doch nun kommt es doch anders.

Bernau – Auch die Firma Schuster bekommt die Preisentwicklung in der Baubranche beim Bau ihres Hotels an der Chiemseestraße in Bernau zu spüren. Das bislang Budget für den 52 Zimmer umfassenden Bau ist inzwischen ausgereizt, wie Projektleiter Christian Kahnt jüngst dem Gemeinderat erläuterte. In Sachen Regenwassernutzung will der Bauherr nun Abstriche machen.

Sparschwein ist allmählich leer

Auf Mehrkosten von 116 000 Euro bezifferte Kahnt den Bau der Anlage am Hotel, welche Regenwasser für die Verwendung in der Anlage auffangen soll. Denn: „So allmählich wird das Sparschwein leer“, sagte der Projektleiter mit Blick auf das Budget des Vorhabens.

Zumal man bereits im Vorfeld aufgrund des schwierigen Baugrunds tiefer in die Tasche haben greifen müssen. „Es gibt eine Faustregel, was ein Hotelzimmer in etwa kosten darf“, sagte Christian Kahnt und nannte den Betrag 100 000 Euro. Inzwischen sei man bei 130 000 Euro pro Zimmer angelangt. Entsprechend halte sich die Begeisterung bei den Investoren in Grenzen, für die Mehrkosten bei der Regenwasseranlage aufzukommen und Geld nachzuschießen.

Die Hoffnung seitens der Firma Schuster: Die Gemeinde könnte das Unternehmen finanziell dabei unterstützen, diese Summe zu stemmen. Auch mit Blick darauf, dass die Regenwassernutzung durch das Hotel das Bernauer Wassernetz entlasten würde.

An Satzungen gebunden

Ein Wunsch, den Rathauschefin Irene Biebl-Daiber (CSU) mit Blick auf die Rechtslage schnell abwinken musste. Zumal die Gemeinde durch entsprechende Satzungen bei den Beiträgen und Gebühren gebunden sei. „Wir kommen da auch nicht so einfach raus“, sagte Biebl-Daiber.

Um die geplante Auffanganlage für Regenwasser doch noch zu retten, schlug Grünen-Gemeinderat Josef Genghammer einen Grundsatzbeschluss des Gremiums vor. Nach diesem sollte allen Bauherren, welche eine solche Installation planen, ein Zuschuss der Gemeinde zufließen. „Denn die Gemeinde profitiert ja im Endeffekt auch davon“, sagte er mit Blick auf das Wassernetz Bernaus. „Das steht rechtlich auf sehr tönernen Füßen“, entgegnete die Bürgermeisterin, dass man auch diese Option habe juristisch prüfen lassen.

Zu spät für rechtssichere Regelung

Bernaus Geschäftsführer Andreas Lukas bekräftigte dies: Der einzige finanzielle Vorteil der Firma Schuster bestehe darin, dass sie mit ihrer Anlage weniger Wasser aus dem Leitungsnetz entnehmen müsse und damit Gebühren spare. Und für eine rechtssichere Ausgestaltung eines Zuschusses an die Firma Schuster sei es inzwischen leider zu spät, ergänzte die Rathauschefin mit Blick auf die einzuhaltenden Verfahren.

Auch Peter Steindlmüller (CSU) suchte nach einem Ausweg, um die Regenwassernutzung im künftigen Hotel noch zu retten: „Ich würde schon alles versuchen, um das irgendwie hinzubringen“, sagte er und schlug gebührenseitig eine Stundung der Abgaben seitens der Gemeinde vor.

Denn: „In dieser Dimension haben wir selten eine Gelegenheit, bei der wir Trinkwasser sparen können.“ Steindlmüller gab aber wie schon Geschäftsführer Lukas zu bedenken: Das Hotel spare durch die geringere Wasserentnahme aus dem Netz auch Gebühren. Einem Argument, dem Projektleiter Christian Kahnt nicht beipflichten konnte: Nach 15 Jahren müsse das Objekt refinanziert sein. Selbst nach diesem Zeitraum rechne sich die Gebührenersparnis nicht.

Stundung nicht ohne Weiteres möglich

Und bei der vorgeschlagenen Stundung musste Gemeinde-Geschäftsführer Andreas Lukas Wein ins Wasser gießen: Er verwies auf die rechtlichen Grundlagen des Kommunalen Abgabengesetzes (KAG) wie auch der Abgabenordnung (AO). Während das Vorhaben der Firma Schuster nicht vom KAG erfasst werde, sehe die AO eine Stundung nur vor, wenn der Betroffene auch wirklich nicht in der Lage sei, die Gebühren zu zahlen. Zudem fielen Zinsen an: zwei Prozentpunkte über dem Basissatz.

Für die Firma Schuster bedeuten die Umstände nun, dass sie auf die geplante Regenwasseranlage verzichtet und stattdessen auf ein begrüntes Dach zurückschwenkt, welches zumindest bei Starkregen Wassermengen auffangen soll. Auch, weil sie nicht länger warten könne. Denn die notwendigen Arbeiten könnten nicht später im Rahmen des Baus verwirklicht werden, wie Christian Kahnt dem Gremium versicherte.

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