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Schutz der Wildtiere

Spannendes Experiment: Ausgerechnet Hunde sollen in Bernau bei der Kitz-Rettung helfen

Kleines Kitz, großer Rettungsaufwand: Ist das junge Tier im Gras aufgespürt, muss laut Jäger Fanz Schnaiter jeglicher menschlicher Geruch an ihm vermieden werden. Mit Plastikhandschuhen wird es deshalb vorsichtig in einen Wäschekorb gehoben und während des Mähvorgangs an eine geschützte Stelle gebracht. Danach setzen es die Retter wieder zurück in die Wiese, wo es seine Mutter finden kann.
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Kleines Kitz, großer Rettungsaufwand: Ist das junge Tier im Gras aufgespürt, muss laut Jäger Fanz Schnaiter jeglicher menschlicher Geruch an ihm vermieden werden. Mit Plastikhandschuhen wird es deshalb vorsichtig in einen Wäschekorb gehoben und während des Mähvorgangs an eine geschützte Stelle gebracht. Danach setzen es die Retter wieder zurück in die Wiese, wo es seine Mutter finden kann.
  • Elisabeth Sennhenn
    VonElisabeth Sennhenn
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Die nächste Mahd steht kurz bevor, und Hittenkirchener Jäger wagen ein Experiment: Ausgerechnet Hunde sollen Rehkitze im hohen Gras aufspüren und sie so vor dem sicheren Tod durch den Mähbalken retten. Wie das geht, erklärt Hundetrainerin Clarissa von Reinhardt, die ihre Mischlinge dafür zur Verfügung stellt.

Bernau – Hat ein frei laufender Hund ein Reh gerissen, sind Jäger meist nicht gut auf Hundehalter zu sprechen. Dass ein Hund aber sogar dabei helfen kann, Rehe vor dem sicheren Tod zu bewahren, bringt alle Beteiligten wieder an einen Tisch – Jäger, Jagdpächter, Hundebesitzer. Und die Bauern.

Sie alle gehen in dieser Saison neue Wege in der Rehkitz-Rettung. Die noch sehr jungen Rehe sind zu dieser Jahreszeit einer besonderen Gefahr ausgesetzt: „Rehmütter legen ihre frisch geborenen Kitze vorzugsweise im hohen Gras ab, wo sie eine gute Deckung haben“, schildert Jäger und Jagdvorstand Franz Schnaiter junior aus Hittenkirchen.

Auch Landwirte leiden unter Kitz-Sterbent

„Die Mutter kommt täglich, um ihr Junges zu versorgen. So geht das ein bis zwei Wochen. Leider wird in dieser Zeit in der Regel das Gras geschnitten und vor einem Mähdrescher oder Mähbalken kann das Kitz noch nicht allein davon rennen.“ Tausende Kitze, schätzt die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, sterben daher jährlich im April und Mai.

Doch das sei nicht nur für die Tiere grausam, auch die Landwirte selbst leiden darunter und unternehmen vieles, um unnötiges Leid der Tiere zu verhindern.

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In Hittenkirchen wollen die Jäger daher bei der in wenigen Tagen anstehenden nächsten Mahd zusammen mit Clarissa von Reinhardt vom Bernauer Tierheim ein Experiment wagen: „Wir setzen erstmals Hunde ein, um Rehkitze im Gras aufzuspüren“, erzählt Schnaiter. Stunden, bevor das Mähwerk eines Bauern sein Grünland zu Viehfutter macht, will von Reinhardt mit zwei speziell trainierten Hunden darüber laufen.

Jagdtrieb erfolgreich unterdrückt

„Meinen Mischlingen Colorado und Yukon habe ich beigebracht, nicht vorzupreschen, wenn sie Wild wittern, sondern innezuhalten und mir ihre Wahrnehmung anzuzeigen“, schildert die Hundetrainerin. Witterten sie im Gras also ein Kitz, blieben sie in einigen Metern Entfernung brav sitzen und bedeuteten ihren Begleitern den Fund.

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Sie sind in der Lage, ihren natürlichen Jagdtrieb zu unterdrücken. Jäger Schnaiter und seine Kollegen, die bei der Aktion mitmachen und von Reinhardt bei der „Wiesen-Inspektion“ begleiten werden, können das Kitz dann in Sicherheit bringen, bis er Bauer fertig gemäht hat: „Wir fassen so ein Kitz nur mit Einmalhandschuhen an und heben es vorsichtig in eine Plastikwanne oder in einen Karton mit Luftlöchern, den wir abdecken und an den Rand der Wiese stellen, dort, wo der Mäher nicht hinkommt.“ Das dauere in der Regel nur so lange, wie fürs Mähen gebraucht wird.

„Am Schluss setzen wir das Kitz möglichst wieder da hin, wo wir es gefunden haben.“ Durch Pfiffe und Laute fänden Rehmutter und Junges wieder zusammen.

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Von Reinhardt ist gerade dabei, einen dritten Hund entsprechend zu trainieren. Eine andere Bernauerin habe ebenso zwei geschulte Vierbeiner, darunter ein Golden Retriever, die zur Verfügung stehen.

Landwirte können sich melden: Aktion muss direkt vor der Mahd stattfinden

„Klar ist, dass die Aktion binnen weniger Stunden vor der Mahd stattfinden muss. Wir sind aber mit vier Hunden nicht in der Lage, jede Wiese in Bernau abzusuchen“, spricht von Reinhardt ein Problem an. Allein Hittenkirchen, erklärt Schnaiter, umfasse 86 Hektar Wald und Wiesen.

Daher können sich interessierte Landwirte bei ihm und weiteren Jägern – Johann Bauer und Georg Fischbacher aus Hittenkirchen – melden, er suche dann gezielt Wiesen aus und koordiniere den Einsatz der Hunde: „Wir wissen schließlich, wo Schwerpunkte sind. Es ist nicht nötig, jeden Quadratmeter abzusuchen.“

Weitere Methoden, um Wild zu schützen

Insgesamt, so Schnaiter, sei man in Bernau seit Längerem bemüht, so viele Kitze wie möglich zu retten. Unterstützer seien die Landwirte, der Gemeinderat und Bürgermeisterin Irene Biebl-Daiber (CSU). Mit der Hunde-Aktion wolle man auch eine Lanze für die Vierbeiner brechen, von denen hin und wieder einige wegen totgebissener Rehe für Schlagzeilengesorgt haben.

Neben Hunden als Rehitz-Finder und Drohnen der Ameranger Wildtierhilfe e.V., setzt die Bernauer Jagdgenossenschaft heuer neuerdings auch auf technische Hilfen. In diesem Jahr wurden vier elektronische Wildvergrämungshilfen der Firma „Natur Tech Oberland“ erworben.

Metallstäbe warnen auch

Die Metallstäbe sind mit einer neonblau blinkenden Leuchte ausgestattet und werden an den Wiesenrand gesteckt, wo sie bis zu einer Entfernung von drei Kilometern akustische Signale aussenden, welche Rehe vergrämen. Sie sollten nur für die Zeit während der Mahd beziehungsweise am Vorabend verwendet werden, damit sich die Tiere nicht daran gewöhnen.

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Die Stäbe können bei Jäger Johann Bauer aus Wiedendorf kostenfrei ausgeliehen werden.

Bauern können sich an die Jäger unter folgenden Telefonnummern wenden: Franz Schnaiter, 08051/9653 770; Johann Bauer, 08051/89 604 sowie Georg Fischbacher, Koordinator der Ameranger Wildtierhilfe, 08051/3590. Diese stellt ehrenamtlich Drohnen mit Wärmebildkameras zur Verfügung, um per Luftaufnahme nach Rehkitzen zu suchen.

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